Die erste Halb­zeit gehörte den Wolfs­bur­gern. Defensiv zeich­neten sie sich durch viel Aggres­si­vität und Kampf­kraft aus. Ihre Offen­siv­stra­tegie war simpel gestrickt: Wahl­weise Kjaer oder Schäfer spielten lange Pässe nach vorne, welche die stäm­migen Stürmer Man­dzukic und Helmes gewinnen und ver­ar­beiten sollten.

Obwohl Kick’n’Rush unter Fans und Experten größ­ten­teils ver­pönt ist heut­zu­tage, war es gegen das Münchner Star-Ensemble ein wir­kungs­volles Mittel. Die Münchner Lei­dens­ge­schichte mit hohen Bällen ist lang in den letzten zwei Sai­sons – erst letzte Woche fügte Glad­bachs de Camargo ihm ein wei­teres Kapitel hinzu.

Selbst wenn Bad­stuber und Boateng die Kopf­ball­du­elle gewannen, war der zweite Ball doch stets in den Wolfs­burger Reihen. So wurde auch in der 39. Minute ein Eck­ball nicht gut geklärt, der daraus resul­tie­rende Treffer von Helmes wurde fälsch­li­cher­weise nicht aner­kannt. Lange Bälle und viel Grät­schen – Magath nutzte erfolg­reich alte, eng­li­sche Tugenden.

Bay­erns Offen­siv­pro­bleme und Heynckes Umstel­lungen

Über einen Pau­sen­rück­stand hätten sich die Bayern also nicht beschweren können. Ihr Spiel­aufbau war darauf aus­ge­legt, viel über die Außen zu kommen. Hier war aller­dings kein Durch­kommen: Magath ließ auf beiden Seiten mit zwei bis drei Mann ver­tei­digen. Sowohl die äußeren Mit­tel­feld­spieler als auch die Sechser halfen den Außen­ver­tei­di­gern.

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Die Bayern ver­suchten es oft über die Außen und selten durch die Mitte. Bay­erns 4−2−3−1 System bot gegen Magaths 4−4−2 in der Theorie einen freien Mann im Zen­trum. Da Schwein­s­teiger und Kross jedoch immer wieder auf die linke Flanke abdrif­teten, wurde diese Zone nicht aus­rei­chend genutzt.

Erst mit dem Anpfiff zur zweiten Halb­zeit änderte sich das Bayern-Spiel. Heynckes stellte sein System um: Schwein­s­teiger wurde nun mehr im Zen­trum ein­ge­setzt. In vielen Situa­tionen ging er neben Toni Kroos, so dass das bay­ri­sche 4−2−3−1 System oft zu einem 4−1−4−1 wurde.

Auch wurde nun nicht mehr so oft der lang­same Spiel­aufbau über die Außen gesucht, da die Bayern ver­suchten, mit langen Flan­ken­wech­seln Lücken zu erzeugen. Dies belebte ihr Spiel.

Last-Minute-Bayern

Wolfs­burg wurde mehr und mehr hinten rein­ge­drängt. Ribery und Müller griffen die geg­ne­ri­schen Außen- und Innen­ver­tei­diger ener­gi­scher an, so dass ihre langen Bälle unprä­ziser wurden.

Einzig das Her­aus­spielen von Chancen war ein Pro­blem für die Münchner. Gomez war in der Sturm­spitze ver­loren, fand mit nur 13 Ball­kon­takten nie ins Spiel. Als Wolfs­burg in den letzten 20 Minuten die Mitte schloss, indem Man­dzukic sich tief fallen ließ, gerieten die bay­ri­schen Offen­siv­be­mü­hungen ins Sto­cken.

Als Fans beider Seiten sich auf ein 0:0 ein­ge­stellt hatten, gelang Luiz Gus­tavo das ent­schei­dende Tor. Die Wolfs­burger Defen­sive rech­nete scheinbar mit einer Flanke und ließ den Rück­raum gänz­lich unbe­setzt. Der einzig grö­bere Fehler einer sonst tadel­losen Defen­sive wurde von den Bayern eis­kalt aus­ge­nutzt. Die Last-Minute-Bayern sind zurück.

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Ball­be­sitz­sta­tis­tiken, Spiel­feld­ma­trixen und tak­ti­sche For­ma­ti­ons­wechsel – für manche Fans ein rotes Tuch, für Tobias Escher eine Lei­den­schaft. Zusammen mit seinen Kol­legen ana­ly­siert er die Taktik der Bun­des­li­gisten auf dem Blog Spiel​ver​la​ge​rung​.de.