Sagen wir, wie es ist: Der moderne Fuß­ball ist ein Haufen Scheiße. Win­dige Inves­toren, Kon­zern­klubs, eine Cham­pions League, in der die immer­glei­chen Groß­klubs immer rei­cher werden und dann am Wochen­ende die natio­nalen Ligen erdrü­cken. Es ist, pardon, zum Kotzen. Aber einigen offen­sicht­lich noch nicht zum Kotzen genug.

Nun haben zwölf euro­päi­sche Groß­klubs eine Super League gegründet, ein geschlos­senes System, in dem sich die Grün­dungs­mit­glieder die erste Start­prämie von 3,25 Mil­li­arden (!) Euro teilen und dann jähr­lich 100 Mil­lionen Euro Antritts­prämie sichern, was in etwa das ist, was aktuell der Cham­pions-League-Sieger bekommt. Was das bedeutet, ist klar: Es wäre der Tod des Fuß­balls, wie wir ihn kennen. Eine Hand­voll Super­reiche, die noch super­rei­cher, natio­nale Ligen, die noch lang­wei­liger würden. Dass im, ich will fast sagen: Beken­ner­schreiben der Super-League-Klubs von Soli­da­rität“ die Rede ist, ist der Witz des Jahres.

Was wollen sie noch?

Denn was das alles eigent­lich ist, ist klar: Es ist per­fide und unso­li­da­risch. Es ist die end­gül­tige Zemen­tie­rung der Ver­hält­nisse. Es wider­spricht dem Leis­tungs­ge­danken. Es ist der Ver­such, aus einem Sport, den Mil­lionen Men­schen lieben, eine wöchent­liche Zir­kus­show zu machen, um auch noch den letzten beschis­senen Cent in die Taschen der Super­rei­chen zu quet­schen. Der Fuß­ball, gestohlen von einem Haufen aso­zialer Geschäfts­männer, deren Klubs so tief in der Kreide stehen, dass sie bereit sind, den ganzen Laden für ein paar Geld­säcke mehr ein­fach abzu­fa­ckeln. Die mit dem Sport, den die Men­schen seit über hun­dert Jahren lieben, dem manch einer mit­unter die schönsten Augen­blicke seines Lebens ver­dankt, nichts, aber gar nichts zu tun haben, außer dass er ein Vehikel ist, aus ihrem vielen Geld noch mehr zu machen.

All das inmitten einer Pan­demie, an deren Anfang mit großer Geste von Soli­da­rität gespro­chen wurde. Was für eine Anma­ßung. Und was für eine Anma­ßung, im Namen der Fans zu spre­chen, denen man ver­pflichtet sei. Wäh­rend man seit Jahren mit der Droh­ku­lisse einer Super League die Uefa erpresst und die Cham­pions League schon längst auf Raten zu einer Super League tot­re­for­miert. Im Sinne der Fans? Ganz sicher nicht. Die neu­este CL-Reform, die wieder nur den Groß­klubs nützt, wurde am Montag übri­gens abge­segnet. Auch des­wegen ist die Super League so ein Affront: Die Super­rei­chen, sie haben doch sowieso schon alles, sind ohnehin unter sich, haben sich den Sport doch schon unter den Nagel gerissen und lassen ihn aus­bluten. Was wollen sie noch?

Fackelt alles ab!

Jetzt also die offene Spal­tung, und man ist geneigt zu sagen: Dann macht doch, ver­pisst euch in eure Zir­kus­liga, ihr ver­fluchten Tur­bo­ka­pi­ta­listen. Aber so ein­fach ist es nicht. Ver­steht man den Fuß­ball als Kul­turgut – und warum sollten wir das nicht – muss man dafür kämpfen. Der Tod der Bun­des­liga, wie wir sie kennen, das ist etwas, über das man tat­säch­lich kurz einmal nach­denken sollte. Was würde das bedeuten? Wie würde sich das anfühlen? Und wo kriege ich eine Mist­gabel und eine Fackel her?

Gary Neville ätzte am Sonntag in einem viralen Video: Zieht ihnen morgen alle Punkte ab! Ver­bannt sie an das Ende der Liga und nehmt ihnen das Geld weg. Die Zeit ist jetzt reif für einen unab­hän­gigen Regu­lator.“ Er hat Recht: Macht kaputt, was euch kaputt macht, das muss die Devise sein. Die State­ments der Ver­bände und Ligen waren immerhin sehr deut­lich, aber das reicht nicht. Lasst den Worten Taten folgen. Hegt diesen Wahn­sinn ein. Und dann refor­miert den Sport end­lich. Fackelt alles ab, aber richtig. Ver­teilt die Cham­pions League-Gelder von oben nach unten, dass die Lücken in den natio­nalen Ligen geschlossen werden. Führt einen Salary Cap ein. Dreht das Rad zurück oder ver­sucht es wenigs­tens. Enough is enough“, schrieb die Uefa, und dass die Super League zynisch“ sei. Wenn man sogar mit den Ver­bänden auf einer Seite steht, ist es wirk­lich höchste Zeit.

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