In der 50. Minute funk­tio­nierte end­lich etwas. Flo­rian Neu­haus trieb den Ball durchs Mit­tel­feld in die Hälfte des FC Augs­burg und bediente Patrick Her­mann am Straf­raum. Der legte einmal quer auf Kapitän Lars Stindl, der den Ball sofort in die Tiefe auf Alas­sane Pléa klat­schen lies. Der Abschluss war Form­sache, die Borussia traf nach einer herr­li­chen Kom­bi­na­tion. Nur: Es freute sich nie­mand, denn der Fran­zose stand im Abseits. Der ein­zige krea­tive Angriff der Mön­chen­glad­ba­cher war an diesem Sams­tag­nach­mittag wertlos und da der Mann­schaft von Trainer Adi Hütter im wei­teren Spiel­ver­lauf offensiv nichts mehr ein­fiel und sie die Augs­burger in der 80. Minute zum Schießen des Füh­rungs­tores einlud, fuhr sie ohne Punkte nach Hause.

Hütter dürfte sich an seine Anfangs­zeit als Trainer von Ein­tracht Frank­furt zurück­ver­setzt fühlen. Wie damals, im Früh­herbst 2018, steckt seine Mann­schaft auch heute mit vier Punkten nach fünf Spiel­tagen im Tabel­len­keller fest. In der Folge des Fehl­starts mit der Ein­tracht griff Hütter zu einem tak­ti­schen Mittel, dass die Frank­furter sport­lich nicht nur kurz­zeitig wieder auf Kurs brachte, son­dern sogar den Stil prägte, mit dem das Team in der Bun­des­liga und Europa League begeis­terte. Gelingt ihm in einer ähn­li­cher Schachzug nun auch in Mön­chen­glad­bach?

Wir hatten keine Ideen“

Das Ende des dama­ligen Frank­furter Stot­ter­stars geht einher mit der Erfin­dung der Büf­fel­herde. Einem Sturm-Trio bestehend aus den mitt­ler­weile abge­wan­derten Sebas­tien Haller (Ajax Ams­terdam), Luka Jovic (Real Madrid) und Ante Rebic (AC Mai­land), dem Adi Hütter mit der Umstel­lung auf ein 3 – 4‑1 – 2‑System zur vollen Ent­fal­tung ver­half. Flan­kiert von den Flü­gel­läu­fern Filip Kostic und Danny da Costa ent­wi­ckelten die drei Stürmer eine kaum zu ver­tei­di­gende Wucht. Eine, die Borussia Mön­chen­glad­bach in diesem Herbst abhanden gekommen zu sein scheint.

Wir spielen und spielen, kommen aber nicht gefähr­lich in den Sech­zehner“, sagte Lars Stindl nach der Nie­der­lage in Augs­burg. Die Glad­ba­cher kamen zwar auf einen Ball­be­sitz­wert von 71 Pro­zent, doch beim zuvor sieg­losen FCA kre­ierte der VfL keine nen­nens­werte Tor­chance. Ich habe wenig Krea­ti­vität gesehen. Wir hatten keine Ideen, wie wir uns durch dieses Boll­werk hin­durch­spielen können“, sagte auch Yann Sommer. Und Adi Hütter selbst sagte der WAZ“: Ich möchte den Fuß­ball sehen, den ich im Kopf habe. Da sind wir aber bei weitem noch nicht.“

Wer steht in der Box?

Das Hüt­ters Vor­stel­lungen noch nicht umge­setzt werden konnten, hat zum einen mit dem Ver­let­zungs­pech der Glad­ba­cher zu tun: Mit Romy Bense­baini und Stefan Lainer fehlen zwei hoch­wer­tige Außen­ver­tei­diger, der viel­sei­tige Jonas Hof­mann fiel in Augs­burg aus und mit Marcus Thuram fehlt noch ein Offen­siv­spieler, der es in der letzten Saison auf 15 Scor­er­punkte brachte. Was dem Kader der Borussia unab­hängig der Ver­let­zungen aber vor allem fehlt, ist der Spie­lertyp, der Hüt­ters System in Frank­furt stets ver­edelte: der Straf­raum­stürmer, der echte Neuner. Spieler wie eben Sebas­tien Haller, André Silva und auch Bas Dost. Spieler, die für eine stän­dige Gefahr im Straf­raum sorgen und den Ball im Ide­al­fall dank guten Stel­lungs­spiels nur noch ins Tor drü­cken müssen, die so zu Fix­punkten im Angriffs­spiel werden. Alas­sane Pléa hat seine Stärken im Kom­bi­na­ti­ons­spiel und Dribb­ling, auch Marcus Thuram nutzt gerne die Breite und Tiefe des gesamten Spiel­feldes und setzt die geg­ne­ri­schen Ver­tei­diger lieber aus dem Lauf heraus unter Druck, als im Straf­raum auf ein Anspiel zu warten.