Ob der Fuß­ball eine Zuflucht ist? Nein, das würde ich nicht sagen“, wider­sprach Steve Bruce einem Pres­se­ver­treter. Natür­lich wollen wir auf­steigen. Natür­lich ist das wichtig für uns. Aber ich werde mich nicht hier hin­stellen und sagen, dass der Fuß­ball das wich­tigste im Leben ist. Das ist er nicht.“

Das war im Februar. Gerade hatte der Aston-Villa-Manager seinen Vater ver­loren. Seine Mutter hatte wenige Tage zuvor einen schweren Herz­in­farkt erlitten und kämpfte im Kran­ken­haus ums Über­leben. Ihr Kampf dau­erte drei quä­lend lange Monate, am 4. Mai ver­starb auch sie.

Trag nicht so dick auf, Junge“

Nun spielt Aston Villa am heu­tigen Abend im Wem­bley-Sta­dion um den letzten Start­platz in der Pre­mier League und das Schicksal von Steve Bruce lädt dazu ein, daraus eine emo­tio­nale Geschichte zu spinnen. Davon will der ehe­ma­lige Innen­ver­tei­diger aller­dings nichts wissen. Schließ­lich hätte das seinem Vater über­haupt nicht gefallen.

„›Trag nicht so dick auf, Junge‹, hätte mein Vater zu mir gesagt“, schmet­terte Bruce die Idee ab, den mög­li­chen Auf­stieg seinen ver­stor­benen Eltern zu widmen. Steve Bruce ist ein Mann, der sich selbst nicht zu wichtig nimmt und genau das macht ihn so sym­pa­thisch.

Eine Nase wie ein Unfall

Um die Jahr­tau­send­wende herum ver­öf­fent­lichte der Ex-United-Spieler drei Kri­mi­nal­ro­mane mit den ein­falls­rei­chen Titeln Stürmer“, Abräumer“ und Ver­tei­diger“. Die lite­ra­risch bes­ten­falls unter­durch­schnitt­lich erzählten Aben­teuer des Fuß­ball­trai­ners und Pri­vat­de­tek­tivs Steve Barnes haben in Eng­land Kult­status. In Online-Auk­ti­ons­häu­sern wech­seln sie für drei­stel­lige Pfund­be­träge den Besitzer.

Wer die Bücher gelesen hat, weiß, warum ich es dabei belassen habe“, kann der 57-Jäh­rige heute über seinen Aus­flug in die Schrift­stel­lerei lachen. Dabei zieht sich seine schiefe, ein­ge­drückte Nase noch ein wenig schräger durchs rot­bä­ckige Gesicht. Zahl­reiche Nasen­bein­brüche haben ihre ein­deu­tigen Spuren hin­ter­lassen. Sou­ve­nirs einer Spie­ler­kar­riere im Zei­chen des Kampfes.