1) Der Mann, der Otze wurde.

Mün­gers­dorfer Sta­dion, 2. Mai 1991, DFB-Pokal-Halb­fi­nale zwi­schen dem 1. FC Köln und dem MSV Duis­burg, Halb­zeit. Frank Orde­ne­witz hat schon Gelb gesehen. In der Pause kün­digt er Trainer Erich Rutem­öller an, einen Platz­ver­weis pro­vo­zieren zu wollen. Nach den dama­ligen Regeln hätte Orde­ne­witz die Rot-Sperre in der Bun­des­liga absitzen können. Für das End­spiel wäre er nur wegen der Gelben Karte gesperrt gewesen, da die Ver­war­nung gegen Duis­burg die zweite gegen ihn im Wett­be­werb war. Eine Lücke im dama­ligen Regel­werk. Rutem­öller gefällt die Idee mit der Roten Karte, er sagt: Mach et, Otze!“ Der macht es, schlägt kurz vor Spie­lende – Köln führt 3:0 – den Ball mut­willig weg. Orde­ne­witz sieht Rot und schweigt. Dafür plau­dert sein Trainer alles aus: Der Deut­sche Fuß­ball-Bund hört mit. Orde­ne­witz wird für das Finale gesperrt, Rutem­öller muss zahlen , und Köln ver­liert das Finale nach Elf­me­ter­schießen gegen Bremen.

2) Der Mann mit dem Fehl­schuss.

Weser­sta­dion, 22. April 1986, vor­letzter Spieltag der Saison. Es steht 0:0 zwi­schen Werder und Bayern. Bremen wäre mit einem Sieg schon Meister. 88Minuten sind vorbei, als der Schieds­richter nach Hand­spiel des Münch­ners Sören Lerby auf den Elf­me­ter­punkt zeigt. Erst nach zwei Minuten bekommt Michael Kutzop den Ball, den Bay­erns Kotrainer wütend weg­ge­dro­schen hatte. Kutzop legt sich die Kugel zurecht. Noch nie hat der Blond­schopf in der Bun­des­liga einen Elf­meter verschossen.Doch diesmal ist der Druck groß: Kutzop hat den Titel im Fuß. Er läuft an, täuscht Bayern-Tor­wart Jean Marie Pfaff – und schießt an den Pfosten. Das Spiel endet 0:0. Am letzten Spieltag ver­liert Werder 1:2 in Stutt­gart. Die Bayern sichern sich die Meis­ter­schaft, die Kutzop ver­schossen hatte. Viel­leicht habe er vor dem Schuss zuviel nach­ge­dacht, sagt Kutzop heute. Lange habe ihn der Elf­meter beschäf­tigt. Aber ich stehe da mitt­ler­weile drüber, wirk­lich. Am Anfang war es schwie­riger.“

3)
Der Mann mit den merk­wür­digen Eigen­toren.

Fran­ken­sta­dion, 16. März 1991. Es steht 0:0 zwi­schen dem 1. FC Nürn­berg und dem VfB Stutt­gart, bis Nürn­bergs Vlado Kasalo das Spiel mit einem Eigentor ent­scheidet. Pech. Oder nicht? Nur eine Woche später haut er den Ball wieder ins fal­sche Tor, beim 0:2 in Karls­ruhe. Kasalo gerät in den Ver­dacht, die Spiele ver­schoben zu haben, um seine Schulden beglei­chen zu können. Doch das kann ihm nie bewiesen werden – andere Dinge hin­gegen schon. Er wird nach der Kar­riere in Kroa­tien wegen ille­galen Waffen- und Dro­gen­be­sitzes ver­haftet.

4) Der Mann, der für Klins­mann kam.

Olym­pia­sta­dion Mün­chen, 10. Mai 1997. Es läuft die 80. Spiel­mi­nute in der Partie der Bayern gegen den SC Frei­burg. Dem Münchner Coach Gio­vanni Tra­pat­toni gefällt das 0:0 gegen den Außen­seiter wenig, er winkt Jürgen Klins­mann zur Sei­ten­linie. Der Star muss raus, für ihn kommt mit Carsten Lakies ein Ama­teur zu seinem Bun­des­liga-Debüt. Klins­mann fühlt sich ernied­rigt, tritt im Frust in eine Wer­be­tonne und beschimpft den Trainer. Eine Szene, die in die Geschichte ein­geht – der ein gewech­selte Spieler tut das nicht: Das Klins­mann-Spiel“ war das ein­zige von Lakies bei den Bayern. Eine Saison später kommt er bei Hertha noch dreimal zum Ein­satz. Heute stürmt er beim Ober­vell­marer Sport­club in der Ober­liga Hessen.

5) Der Mann, der nie zum Alt­hans wurde.

Trai­nings­ge­lände FC Bayern, irgend­wann im Jahr 1977. Beiden Bayern steht seit 1966 nur einer im Tor – Sepp Maier. Über den 19Jahre alten Ersatz­tor­wart Walter Jung­hans sagt der Welt­meister: Bei uns wird der Jung­hans noch zum Alt­hans.“ Maier irrt. Zwei Jahre später muss der Stamm­tor­wart nach einem Unfall die Kar­riere beenden, Jung­hans rückt ins Tor. Er wird bis zum Kar­rie­re­ende in 205 Bun­des­liga-Spielen für Bayern, Hertha und Schalke dortstehen.Doch egal wo er hin kommt, der Alt­hans“ begleitet ihn bis nach der Kar­riere: Im Sommer 2008 soll Jung­hans Tor­wart­trainer bei den Bayern werden – als Nach­folger von Sepp Maier.

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In der Bil­der­ga­lerie: Otze und die anderen Pech­vögel.