Bernd und Karl­heinz Förster. Namen, wie aus Granit geschlagen. Der liebe Gott hatte den Förster-Brü­dern einst Gesichter aus Zucker­guss ver­passt: Schön, glatt und irgendwie süß. Zum Dank dafür trugen die Fuß­baller brav ein Kreuz auf der Brust spa­zieren. Ein per­fider Trick. Denn unter den Masken der höf­li­chen Milch­bubis ver­steckten sich knüp­pel­harte Ver­tei­diger, die mit ihren Alu-Stollen geg­ne­ri­sche Schien­beine file­tierten und im Laufe ihrer Kar­riere mehr Fur­chen in den Boden grätschten, als ein han­dels­üb­li­cher Traktor. Gott ver­gibt. Die Förs­ters nie.

Die Förs­ters. Blut­rüns­tige Defen­siv­spe­zia­listen mit der Lizenz zur offenen Sohle. Keine Liste mit den här­testen Ver­tei­di­gern aller Zeiten ohne die Jungs aus dem beschau­li­chen 2300-Seelen-Ort Schwarzach. Treter. Berufs­treter. Killer, deren Zwei­kampf­ver­halten heute womög­lich mit jah­re­langen Haft­strafen geahndet werden würde. See­len­losen deut­sche Vor­stopper-Maschinen, gedrillt auf gna­den­lose Body­checks und ein­ge­sprun­gene Tritte auf das Knie­ge­lenk. Wenn da nicht Mama Mari­anne gewesen wäre und mit nur einem Inter­view die ganze Mas­ke­rade hätte auf­fliegen lassen.

Wenn du schimpfst, kriegst du kein Geld von mir!“

Im Euro­pa­meis­ter­schafts­jahr 1984 ent­schied sich näm­lich die Bild“-Zeitung dazu, ihren Lesern mit der Reihe Die Mütter“ einen per­sön­li­chen Blick auf die hoch­de­ko­rierten deut­schen Fuß­ball­helden anzu­bieten. Mari­anne Förster, Mutter von gleich zwei deut­schen Natio­nal­spie­lern, durfte da natür­lich nicht fehlen. Und so plau­derte die Erzeu­gerin des Ver­tei­diger-Pär­chens am 18. April 1984, am Tag des Län­der­spiels zwi­schen Deutsch­land und Frank­reich, munter aus dem Näh­käst­chen der fami­liären Erin­ne­rung. Den Repor­tern Flo­rian Zander und F. Watz­lawik“ muss das Herz vor Freude geschla­ckert haben, als Mutter Förster ihre schönsten Erin­ne­rungen aus­packte. Viermal, ver­riet Frau Förster, habe sie früher ihren Buben die von schlit­ternden Grät­schen auf Asche, Gras und Wasch­beton ver­dreckten Tri­kots waschen müssen. Mit der Hand. Einmal habe ich gesagt: ´Jetzt reicht´s mir!´“ Ant­wort Karl­heinz: Mama, wenn du schimpfst, kriegst du später kein Geld von mir.“

Sie ritten ein Ferkel tot

Die hüb­scheste Anek­dote ver­riet Mama Förster, die sich ansonsten schüt­zend vor ihre Buben“ stellte (Vor­wurf Max Merkel: Wer gegen die spielt, befindet sich im Kriegs­zu­stand!“ Ant­wort Mari­anne Förster: Es sind halt Kämpfer!“), aller­dings, als die Reporter inves­ti­gativ nach dre­ckigen Geschichten vom Förs­ter­schen Bau­ernhof fragten. Einmal, schluchzte die Bild“ fett gedruckt, hätten die Jungs sogar geweint. Das war, als wir noch eine Land­wirt­schaft hatten. Da haben sie sich auf ein Ferkel gesetzt und wollten darauf reiten. Plötz­lich hat das Ferkel alle viere von sich gestreckt. Genick­bruch, die Buben waren zu schwer. Das hat ihnen so leid getan. Das Fleisch haben sie nicht essen wollen.“ Bernd und Karl­heinz Förster reiten ein kleines Schwein zu Tode und heulen anschlie­ßend wie die Schloss­hunde. Die Mär der knall­harten Bur­schen ohne Gewissen – dahin geschmolzen auf knapp 250 Zeilen Zei­tungs­pa­pier…