Seite 2: So sehen die Spieler „Torfabrik“

Im Laufe der Jahre pro­fi­tierte Tor­fa­brik“ von den Ent­wick­lungen im Fuß­ball­jour­na­lismus. Dazu gehört einer­seits das viel­fäl­tige Ver­lin­kungs­wesen, denn der täg­liche Pres­se­spiegel auf der Web­site wird regel­mäßig am meisten gelesen – durchaus zur Freude der pro­fes­sio­nellen Kon­kur­renz. Der Kol­lege eines großen NRW-Nach­richten-Por­tals steckte ihnen neu­lich: 80 bis 90 Pro­zent unserer Leser kommen über euch.“ Auf der anderen Seite gibt es in Zeiten von Twitter und Face­book kaum noch Exklu­si­vität. Und sollte jemand irgend­etwas zuerst ver­melden können, ist es zehn Minuten später sowieso überall zu lesen. Trotzdem landet Tor­fa­brik“ dank eines ver­läss­li­chen Netz­werks von Zuträ­gern gele­gent­lich einen kleinen Scoop. Dass Luuk de Jong und Raf­fael nach Glad­bach wech­seln würden, konnten die Fans zuerst bei ihnen lesen.

Aber für die Leser ist noch etwas anderes wichtig. Zwar wächst die Seite am schnellsten wäh­rend der Trans­fer­pe­riode, wenn alle wissen wollen, wer kommt und geht. Aber min­des­tens genauso groß ist das Inter­esse in Zeiten sport­li­chen Miss­erfolgs. Dann sind die Fans auf der Suche nach seriösen Erklä­rungen und fühlen sich auf Tor­fa­brik“ gut auf­ge­hoben. So begreift Marc Basten die Unab­hän­gig­keit als ihr größtes Gut. Und weil Tor­fa­brik“ nicht bedin­gungslos auf stei­gende Klick­zahlen ange­wiesen ist, müssen die Macher auch keine Bou­le­vard­themen mit­nehmen. Dass Max Kruse einen Mase­rati fährt, ist für sie neben­säch­lich. Und wenn nichts pas­siert, schreiben wir auch nichts. Wenn drei Zeit­schriften eine Chris­toph-Kramer-Geschichte machen, brau­chen wir das nicht auch noch zu tun“, sagt Basten.

Jantschke: Die Jungs bli­cken ein­fach durch“

Einmal gab es sogar ein Über­nah­me­an­gebot der Rhei­ni­schen Post“. Sie fuhren gemeinsam nach Düs­sel­dorf, wo der zuge­hö­rige Verlag seinen Haupt­sitz hat. Mit dabei war auch Mit­gründer Olaf Kozany, ihr Web­master und Foto­graf. Sie wollten ein­fach wissen, wie sich das anfühlt, wenn man plötz­lich solche Wert­schät­zung erfährt. Wir haben es aber nie ernst­haft in Betracht gezogen, unsere Platt­form zu ver­kaufen“, sagt Basten. Seit 2005 arbeiten sie dank einiger Wer­be­banner zumin­dest kos­ten­de­ckend.

Als das Vor­mit­tags­trai­ning vorbei ist, sitzen sie in der Sta­di­onbar Glad­bach“ mit Tony Jantschke zusammen. Erst­mals inter­viewt haben sie ihren Mus­ter­profi, da war er gerade aus der zweiten Mann­schaft hoch­ge­kommen. Er wie­derum schätzt ihre Ein­zel­be­wer­tungen, emp­findet sie als fair, jeden­falls meis­tens. Die Jungs bli­cken ein­fach durch“, sagt Jantschke. In den fünf Jahren bei Borussia hat er sich ange­wöhnt, ihnen eine SMS zu schi­cken, wenn er doch mal über etwas stol­pert. Einmal, als sie auf Schalke spielten, hatten seine liebsten Kri­tiker etwas falsch inter­pre­tiert. Wir haben kurz dar­über gesimst, und schon war alles wieder in Ord­nung“, sagt Jantschke.

Dis­kus­sion mit Uwe Kamps

Dann kommt Uwe Kamps dazu, denn Basten hatte am Wochen­ende geschrieben, dass Glad­bach ein Tor­wart­pro­blem habe, wenn die Nummer eins, Yann Sommer, aus­fällt. Kamps ist wild ent­schlossen, seine anderen Schütz­linge zu ver­tei­digen, denn er fürchtet, dass der Text von vorn­herein für eine nega­tive Grund­stim­mung beim Publikum sorgt. So ein­fluss­reich ist Tor­fa­brik“ inzwi­schen. Kamps fragt Basten ab: Wie oft hat wel­cher Tor­wart vor der Saison gespielt? Er dis­ku­tiert über ver­meint­liche Fehler, und wäh­rend seine Gesichts­farbe zeit­weise ins Röt­liche wech­selt, erklärt er dem schrei­benden Fan die detail­lier­testen Fein­heiten des Tor­wart­spiels. Kamps weiß um die Fach­kenntnis der Torfabrik“-Macher und dass er sie inhalt­lich über­zeugen muss.

Erstaun­lich an ihrem Erfolg ist, dass er einer gegen den Zeit­geist ist. Woan­ders ziehen die Ver­eine immer mehr die Bericht­erstat­tung an sich, ver­grö­ßern die Medi­en­ab­tei­lungen und schotten die Profis ab. Auch in Mön­chen­glad­bach hat sich die Zahl der Mit­ar­beiter in diesem Bereich massiv erhöht, aber trotzdem geht mor­gens jeder Glad­bach-Fan zuerst auf den Pres­se­spiegel der unab­hän­gigen Platt­form, um sich auf den neu­esten Stand der Dinge zu bringen.