Tony Wood­cock, als Lukas Podolski im Sommer vom 1. FC Köln zu Arsenal wech­selte, gab es in Deutsch­land Zweifel, ob das gut gehen würde. Die Mel­dungen, die bis­lang aus Eng­land gekommen sind, legen den Schluss nahe, dass die Vor­be­halte unbe­rech­tigt waren.
Bis jetzt ist es für Lukas eigent­lich ganz gut gelaufen. Für einen Spieler, der aus dem Aus­land zu einem neuen Verein gekommen ist, war der Start ordent­lich. Aber es muss noch etwas mehr kommen, es reicht nicht, ein­fach nur mit­zu­spielen – und das weiß Lukas auch. Er darf sich nicht zurück­lehnen und sagen, ich habe es schon geschafft. Es ist noch ganz früh und man muss abwarten, wie sich Lukas weiter ent­wi­ckelt. Es stellt sich auch die Frage, auf wel­cher Posi­tion Arsene Wenger Lukas Podolski dau­er­haft ein­setzen wird. Bis jetzt hat er ein biss­chen mehr links gespielt. Doch für einen Spieler, der Tore schießen will, ist das nicht ganz die ideale Posi­tion. Aber ein rich­tiger Mit­tel­stürmer ist Lukas ja auch wieder nicht. Mal schauen, was Arsene Wenger mit ihm vorhat.

Hatten Sie selbst auch Zweifel, ob Lukas Podolski zum FC Arsenal passt und sich hier durch­setzen kann?
Warum? Er ist stark, hat einen sehr guten linken Fuß und die rich­tige Ein­stel­lung. Viel­leicht wird Lukas in Deutsch­land ein biss­chen unter­schätzt. Er bringt viel Erfah­rung mit. Beim FC Bayern hatte er immer die Chance Titel zu gewinnen. Man erlebt viel mit so einem Klub und lernt dabei, mit dem Druck umgehen zu können, erfolg­reich sein zu müssen. Und dann ist er nach Köln zurück­ge­gangen, so wie ich das auch gemacht habe. Dabei sagen viele Leute, dass das nicht gut ist, noch­mals bei dem Verein anzu­fangen, bei dem man früher erfolg­reich war und gefeiert wurde. Bei Lukas und mir ist das gut gegangen.

Nach seiner Rück­kehr spielte Podolski mit Köln gegen den Abstieg.
Aus jeder schlechten Situa­tion kannst du etwas Gutes mit­nehmen. Wenn du gegen den Abstieg spielst, musst du lernen zu kämpfen. Ich denke, der Wechsel zu Arsenal kam genau zum rich­tigen Zeit­punkt.

Man hat den Ein­druck, als hätte sich Podolski jetzt schon in die Herzen der Arsenal-Fans gespielt.
In Eng­land ist es sehr ein­fach, die Herzen der Fans zu gewinnen. Du musst die rich­tige Ein­stel­lung mit­bringen, rennen und kämpfen. Das hat Lukas bis­lang getan, er hat auch Defen­siv­ar­beit ver­richtet. Die Leute fragen sich bei einem neuen Spieler aber auch: Ist der Typ über­heb­lich oder unan­tastbar? Lukas Podolski ist das nicht. Die Leute haben gleich fest­ge­stellt: Das ist ein ganz nor­maler Junge, ohne Allüren. Und da gibt es noch einen Aspekt. Der FC Arsenal hat Robin van Persie ver­loren. Lukas ist bei den Fans ein biss­chen der Ersatz für ihn, er soll van Persie ver­gessen machen. Ich will ja nicht zu negativ sein, aber um wirk­lich bei Arsenal eine Ikone zu werden, muss sich Lukas stei­gern. Er muss sich sagen: Ich will hier etwas bewegen und das auch umsetzen.

Haben Sie sich in London schon einmal getroffen?
Nein, bis­lang leider noch nicht.

Böse Men­schen in Deutsch­land haben sich schon auf das erste Podolski-Inter­view in Eng­lisch gefreut. Podolski hat diese Leute jedoch ent­täuscht. Gram­ma­ti­ka­lisch war nicht alles kor­rekt, aber er hat sich kei­nes­wegs mit seinem Eng­lisch bla­miert…
Warum sind diese Leute über­rascht? Der Transfer kam ja nicht von einem Tag auf den anderen. Lukas hatte eine gewisse Zeit, um sich auf die neue Lebens­si­tua­tion gut vor­zu­be­reiten. Und dazu gehört auch, Eng­lisch zu lernen.

Wie war das bei Ihnen, hatten Sie Angst, als Sie 1979 von Not­tingham Forest zum 1. FC Köln wech­selten?
Angst ist das fal­sche Wort, aber ein biss­chen Respekt hatte ich schon. Es gab ja damals keine eng­li­schen Spieler, die im Aus­land spielten – bis auf Kevin Keagan. Als ich nach Deutsch­land wech­selte, war das also so, als würde ich auf einen anderen Pla­neten gehen.

Warum gerade Deutsch­land?
Es gab auch Ange­bote aus Ita­lien und Spa­nien. Doch die Bun­des­liga war damals die beste Liga der Welt. Das war die Liga, wo man spielten sollte. Aber man muss das auch wollen, das ist heute nicht anders, wenn ein Spieler ins Aus­land geht, auch wenn inzwi­schen vieles anders und ein­fa­cher ist. Allein schon weil solche Wechsel an der Tages­ord­nung sind.

Fiel Ihnen die Umstel­lung damals schwer?
Auf dem Fuß­ball­platz war das nicht so das Pro­blem. Die Men­ta­lität, wie Fuß­ball gespielt wird, war und ist in Eng­land und Deutsch­land ähn­lich. Aber das mit der Sprache ist nicht zu unter­schätzen. Du fin­dest Briefe in deinem Brief­kasten und kannst nichts davon lesen. Ande­rer­seits gab es damals schon viele Men­schen in Deutsch­land die Eng­lisch spra­chen. Das hat es mir wie­derum es biss­chen schwer gemacht, Deutsch zu lernen. Du kommst in den Super­markt und willst die Frau in der Gemü­se­ab­tei­lung etwas auf Deutsch fragen und sie ant­wortet gleich auf Eng­lisch…
Arsenal hat mitt­ler­weile mit Per Mer­te­sa­cker, Lukas Podolski sowie den Nach­wuchs­leuten Serge Gnabry und Thomas Eis­feld vier Deut­sche in seinem Kader. Kann man daraus schon einen Trend bei den Gun­ners ablesen, ver­stärkt auf dem deut­schen Trans­fer­markt tätig zu werden?
Arsenal ist bekannt für sein gutes Scou­ting-System und hat seine Scouts über die ganze Welt ver­teilt. Aber es ist keine Über­ra­schung, dass der­zeit gleich meh­rere deut­sche Spieler in den Reihen von Arsenal stehen. Das ist ein Kom­pli­ment an die deut­sche Bun­des­li­ga­ver­eine und deren Aus­bil­dung von jungen Spie­lern. Die Ver­ant­wort­li­chen bei Arsenal sind sehr gut infor­miert. Gleich­zeitig ist der FC Arsenal ein Platz, wo man den Beruf des Fuß­ball­spie­lers sehr gut lernen kann. Hier lernt man als junger Spieler viel und kommt vor­wärts – so etwas spricht sich auch herum.

Sind Sie selbst noch als Spie­ler­ver­mittler tätig?
Nein, schon lange nicht mehr. Ich hatte mal eine Agentur gegründet, weil es damals so etwas in Eng­land noch nicht gab. Aber die habe ich wieder ver­kauft. Dann habe ich fürs Fern­sehen gear­beitet. Heute bin ich im Finanz­ge­schäft tätig und mache außerdem viele Vor­träge zum Thema Team­bil­dung und Moti­va­tion – auch in Deutsch­land. Und ich habe die Tzu Chu Biz-Foun­da­tion ins Leben gerufen, die jungen Men­schen beim Ein­stieg ins Geschäfts­leben unter­stützt. Aber natür­lich pflege ich noch die Kon­takte zur Fuß­ball­welt, die ja ziem­lich klein ist. Erst letzte Woche bin ich von einem Verein gefragt worden, was ich über einen bestimmten deut­schen Spieler denke. Meine Ver­bin­dungen nach Deutsch­land sind immer noch gut und daher komme ich ziem­lich schnell an bestimmte Infor­ma­tionen ran. Aber das sind keine offi­zi­ellen Auf­träge.

Sie deu­teten vorher an, dass sich Arsenal zur Top­adresse unter den euro­päi­schen Aus­bil­dungs­ver­einen ent­wi­ckelt hat. Aber Titel gewinnt man damit nicht.
Es stimmt, wir haben seit sieben Jahren keinen Titel mehr gewonnen. Aber wir sind nicht weit weg davon. Und wir spielen immer in der Cham­pions League. Ich hoffe, dass die Mann­schaft in dieser Saison den Liga-Pokal holt und damit ein biss­chen Ruhe ein­kehrt. Der FC Arsenal ist ein sehr gut geführter Verein, mit Leuten an der Spitze, die ver­ant­wor­tungs­voll han­deln. Einer davon war mein Freund Danny Fiszman, der leider im ver­gan­genen Jahr viel zu früh starb. Danny Fiszman war Direktor bei Arsenal und hat immer gesagt: Du kannst nicht ein­fach immer nur Geld in den Verein rein­schmeißen, er muss von selbst leben können.“

Die Zahl der Top­spieler, die den Unter­schied aus­ma­chen, ist klein…
… und ent­spre­chend hoch ist der Preis für solche Leute, ich weiß. Trotzdem darf sich der Klub nicht selbst kaputt machen. Mit Arsene Wenger hat der FC Arsenal einen Trainer, der hinter der Ver­eins­po­litik steht und der keine Lust darauf hat, über­be­zahlte Spieler in seinen Reihen zu haben. So etwas bringt ja auch Unruhe in eine Mann­schaft. Man muss stark genug sein, um nein sagen zu können – auch wenn man dann Spieler an Man­chester City ver­liert, wo die Scheichs einen Scheck nach dem anderen unter­schreiben.

Arsenal geht einen anderen Weg.
Und Arsene Wenger ist eben der pas­sende Trainer dafür. Er hat mal erzählt, wie sich die Zeiten geän­dert hätten. Als noch Tony Adams und andere Spieler der alten Schule für Arsenal auf­liefen, sei die Zeit zwi­schen den Spielen anstren­gend gewesen, so Wenger, weil er immer schauen musste, was ist mit dem oder dem los, wie man die Jungs im Trai­ning bei Laune halten konnte. Am Wochen­ende war er dagegen ent­spannt, weil die alten Hau­degen das Ding selbst in die Hand nahmen. Heute ist das genau anders herum. Wenger meint, jetzt ist unter der Woche alles bes­tens, weil die jungen Spieler im Trai­ning voll bei der Sache sind, aber am Spieltag wird es umso stres­siger.

Kommt die Ver­eins­po­litik, die sich grund­le­gend von der des FC Chelsea, Man­chester City und United unter­scheidet, bei den Arsenal-Fans an?
Bei vielen schon, aber nicht bei allen. Der neue Arsenal-Direktor hat kürz­lich einen unzu­frie­denen Fan per­sön­lich zu sich ein­ge­laden. Einen, der immer wieder teure Ver­stär­kungen for­derte. Wir können Messi kaufen“, hat er dem Fan gesagt. Aber dann kostet deine Dau­er­karte 25.000 Pfund pro Saison.“ Es gab ja auch einige Fans, die gemeint haben, Robin van Persie müsse auf jeden Fall gehalten werden. Van Persie spielte in der Tat eine super Saison. Aber er ist immerhin schon 29 Jahre alt und wollte unbe­dingt einen Vier-Jahres-Ver­trag haben. Arsenal bot ihm einen Zwei-Jahres-Ver­trag mit einem guten Gehalt an. Bei Man­chester United hat van Persie tat­säch­lich einen Vier-Jahres-Ver­trag bekommen. Und nach acht Jahren bei Arsenal war er weg. Das muss man akzep­tieren.

Durch die Nie­der­lage gegen Man­chester hat Arsenal in der Meis­ter­schaft den Anschluss ver­loren. Und in der Cham­pions League gab es zuletzt ein 0:2 gegen den FC Schalke. Das Arsenal-Team steht vor dem Rück­spiel in Gel­sen­kir­chen unter Druck.
Arsenal war gegen Schalke sicher nicht in Top­form und die Schalker haben ande­rer­seits sehr gut gespielt. Ich weiß nicht, wer diesmal gewinnen wird. Aber ich bin mir sicher, dass wir im Rück­spiel einen ganz anderen FC Arsenal sehen werden.