You’ll never walk alone – das ist das sagen­hafte Ver­spre­chen, das Fuß­ball­fans ein­ander welt­weit machen. Aber Arrigo Bro­ve­dani, 37, haben sie an diesem Tag im Stich gelassen. Er war allein. Tifo­si­see­len­al­lein.

Er ging den­noch – zu einem Aus­wärts­spiel seines Lieb­lings­ver­eins Udi­nese Calcio. Er war der ein­zige Fan im Gäs­te­block von Sam­pdoria Genua. Allein gegen 21.400. Nennen wir ihn, weil es so schön ist, in Anleh­nung an die ein­samste Schild­kröte er Welt, ein­fach Lone­some Giorgio.

Lone­some Giorgio also, der eigent­lich Arrigo heißt, stand am Mon­tag­abend als ein­ziger auf einer Tri­büne des Stadio Luigi Fer­raris, zwi­schen Wel­len­bre­chern, die nichts zu bre­chen hatten. Er war sechs­hun­dert Kilo­meter mit dem Auto aus dem Friaul ange­reist, ein Termin hatte ihn nach Ligu­rien geführt, er arbeitet als Wein­händler. Geschäfts­reisen ver­bindet er, wenn irgend mög­lich, mit Aus­wärts­fahrten. Oder umge­kehrt. Im Kof­fer­raum hat er, zwi­schen Fla­schen­kar­tons, stets eine Udi­nese-Fahne, die er auch in Genua hisste, auf seinem ein­samen Gefechts­stand, der letzten Bas­tion der Begeis­te­rung.

In Ita­lien ver­steht es sich nicht von selbst, dass Fans ihren Klub zu Aus­wärts­spielen begleiten, doch ein paar Hun­dert raffen sich eigent­lich immer auf. Nicht so diesmal. Lone­some Giorgio: Die Ordner fragten mich, ob ich nicht lieber auf der Haupt­tri­büne Platz nehmen wolle. Aber ich hatte nun mal für den Gäs­te­block bezahlt, also blieb ich dort.“ Sie brachten dem Ein­samen einen Kaffee.

Und auch die Sam­pdoria-Fans zeigten sich gast­freund­lich, beju­belten ihn, ließen für ihn La Ola durchs Sta­dion rollen. Lone­some Giorgio winkte höf­lich zurück. Ganz so allein war er dann doch nicht. Dieser Abend war in Zeiten, da der ita­lie­ni­sche Fuß­ball unter Gewalt, Ras­sismus und Mani­pu­la­ti­ons­skan­dalen leidet, eine rüh­rende Feier des fairen Mit­ein­an­ders.

 

Udi­nese Calcio gewann dieses Spiel schließ­lich durch Tore von Danilo und Antonio di Natale mit 2:0. Lone­some Giorgio lächelte zufrieden. Den Anteil der Udi­nese-Fans an diesem Aus­wärts­sieg konnte er ganz allein für sich ver­bu­chen. Er war, das lässt sich nach­zählen, der zwölf­teste Mann aller Zeiten.