Seite 3: September: PML und das Chaos von London

Sep­tember

Auf­reger des Monats: 10.000 Kölner in London
Schon Wochen vor dem Spiel war klar, dass es kein nor­males werden würde. Schließ­lich hatten sich über 10.000 Kölner für die Aus­wärts­fahrt nach London ange­meldet. Obwohl es offi­ziell nur 2.000 Tickets für die Gäste gab. Was dazu führte, dass Kölner Anhänger auf ver­schie­denste Wege ver­suchten, an Karten zu kommen. Manche wurde spontan zum Arsenal-Ver­eins­mit­glied, andere tarnten sich zumin­dest mit einem Schal der Gast­geber. So richtig gingen die Tak­tiken aller­dings nicht auf, so dass der Andrang vor dem Gäs­te­block irgend­wann so groß war, dass die Ordner (die natür­lich nicht damit rechnen konnten, dass so viele Men­schen kommen würden) kom­plett über­for­dert die Kon­trolle ver­loren. Als die Kölner, die es ins Sta­di­on­in­nere geschafft hatten, dann auch noch anfingen (laut!) zu singen, war die Kata­strophe per­fekt. Bür­ger­kriegs­ähn­liche Zustände wollten die Reporter gesehen haben, kurz vor der Absage hätte das Spiel gestanden. Dass (neben tat­säch­li­chen Scheiß­ak­tionen, die es natür­lich auch gab, nur eben in bedeu­tend gerin­gerer Anzahl, als die Bericht­erstat­tung der eng­li­schen und deut­schen Medien es ver­muten ließ) zum ersten Mal seit Jahren im Emi­rates Sta­dium wirk­lich gute Stim­mung war, ging dabei leider ein biss­chen unter. So wie der FC nach 1:0‑Führung in der zweiten Halb­zeit gegen Arsenal.

Spieler des Monats: Pierre-Michel Lasogga
Wenn eine Lusche so Fuß­ball spielt, wie Pierre-Michel Lasogga in seinen ersten Spielen für Leeds United, dann würden wir genau die Art Lusche sehr gerne für unseren Verein ver­pflichten. Dop­pelt. Schließ­lich netzt der beim HSV vom Hof gejagte Bre­cher gleich in seinem ersten Spiel zwei­fach, bal­lert sich so in die Arbei­ter­herzen der zweiten eng­li­schen Liga und seinen neuen Klub zwi­schen­zeit­lich an die Tabel­len­spitze dieser. DIE Feel-Good-Story aus dem Herbst 2017.

Video des Monats: Der Mar­seille-Fan
Apropos Feel-Good-Story im Herbst 2017: Gibt es etwas schö­neres als diesen Mar­seille-Fan, der, ob einer von ihm absol­vierten 2.000-Kilometer-Charity-Fahrradtour zu ver­schie­denen OM-Spielen quer durch Frank­reich, die Ehre erteilt bekam, den Anstoß im Stade Vélo­drome aus­zu­führen, und der dann, voll­kommen ent­fes­selt, ein­fach los­stürmt, den Ball mit der Pike ins kurze Eck pfef­fert und danach vor der Kurve, in der er sonst stets steht, jubelt, als hätte er die Schwester von Mar­seilles Stadt­feind Nummer Eins, Marco Mate­razzi, grade in hoch­ha­ckigen Leder­stie­feln an einer ver­las­senen Auto­bahn­rast­städte ent­deckt? Nein. Gibt es nicht.

Spiel des Monats: Paris St.-Germain – FC Bayern 3:0
Dass die Bayern inter­na­tional in wich­tigen Spielen einen auf die Mütze bekommen, war schon unter Pep, zumin­dest im Halb­fi­nale der Cham­pions League, eher Regel denn Aus­nahme. Dass man in einem Pres­ti­ge­duell der Vor­runde aller­dings der­maßen chan­cenlos unter­geht und am Ende froh sein muss, nur drei Dinger ein­ge­schenkt bekommen zu haben, ist dann aber doch eine Stufe zu ehr­ver­let­zend für die stolzen Münchner. Bei denen man in diesen Tagen das Gefühl nicht los wird, dass Carlo Ance­lotti seinem Raus­wurf beflissen zuar­beitet.