Jetzt haben wir es Schwarz auf Weiß. Das, was wir ins­ge­heim schon immer zu wissen ahnten. Zumin­dest wollten wir es glauben, oder besser: Wir wagten, es zu hoffen – auch wenn uns manch ein bedroh­lich anmu­tender Herz-Aus­setzer in der Ver­län­ge­rung eines DFB-Pokal-Halb­fi­nals etwas anderes signa­li­sierte. Bun­des­liga gucken ist gesund, jeden­falls wei­test­ge­hend. Selbst dann, wenn man mit seinem Lieb­lings­klub bangt wie um sein eigenes Leben.

Ein Team der eng­li­schen Uni­ver­sität Leeds fand sogar heraus: Fuß­ball­konsum unter emo­tio­naler Anteil­nahme am Spiel­ge­schehen macht uns fit, psy­chisch wie kör­per­lich. 90-minü­tiges Mit­fie­bern, so Stu­di­en­lei­terin Dr. Andrea Utley, trai­niert das mensch­liche Herz wie eine mode­rate Wan­de­rung“. Der Puls von Utleys Pro­banden wäh­rend eines Spiels lag durch­schnitt­lich um 20 Schläge pro Minute über deren Ruhe­puls. In kri­ti­schen Momenten einer Partie über­schritt die Herz­ge­schwin­dig­keit das Nor­malmaß mit­unter um 64 Pro­zent, stieg auf bis zu 130 Schläge pro Minute.

Harte Test­gruppe

Aber, keine Angst: Derlei Aus­schläge sind noch immer weit ent­fernt von der Todes­zone. Auch der Blut­druck unterlag nur gering­fü­gigen Schwan­kungen. 

Nun sind medi­zi­ni­sche Stu­dien häufig umstritten. Oft­mals richtet sich die Kritik gegen die Aus­wahl der Pro­banden. Hatten Utley & Co. aus­schließ­lich gechillte Fans von Ver­einen ober­halb des Erfolgs-Äqua­tors befragt, etwa die Glo­ryh­unter im Gefolge von Man­chester City, Liver­pool oder Chelsea? Weit gefehlt. Alle 25 Test­per­sonen im Alter zwi­schen 20 und 62 waren Anhänger von Leeds United. Also von jenem Klub, der seit fast einem Jahr­zehnt nicht mehr in der Pre­mier League mit­spielt. Der mit Mar­celo El Loco“ Bielsa einen aus­ge­wie­senen Ver­rückten als Chef­trainer beschäf­tigt. Der in der ver­gan­genen Saison auf tief­trau­rige Weise in der Auf­stiegs­runde zum Ober­haus schei­terte. An Derby County.

Beschwer­lich – und gesund

Es ist über­flüssig zu erwähnen, dass die Pro­banden der Uni Leeds ihr Fan-Leben kei­nes­wegs als Wal­king on Sunshine emp­finden. Einer erzählte im Zuge der Studie: Diese bit­tere Ent­täu­schung am Frei­tag­abend bedeu­tete zugleich, dass ich am Sams­tag­morgen nach dem Auf­wa­chen als Erstes dachte: ›Ich kann nicht glauben, dass wir dieses Spiel ver­loren haben.‹ Solch ein Gefühl kann sich durchaus über den ganzen Vor­mittag erstre­cken, bis man es dann irgend­wann schafft, sich da her­aus­zu­ziehen.“

Dieser Pro­zess ist zwar hart und beschwer­lich für den Betrof­fenen, aber ver­mut­lich auch gesund. Weil er abhärtet für das echte Leben, das uns gele­gent­lich tri­um­phale Aus­wärts­siege, aber oft genug auch sau­däm­liche Heim­pleiten kre­denzt; das geprägt ist von Auf- und Abstiegen, von fatalen Fehl­schüssen in ent­schei­denden Momenten und von quä­lenden 0:0‑Erlebnissen, nach denen man sich schon mal fragt: Macht das alles wirk­lich Sinn?