Alba­nien gegen Rumä­nien. Mehr brauchte es nicht im Vor­feld der EM, um Kritik am auf­ge­blähten Teil­neh­mer­feld mit 24 Mann­schaften zu arti­ku­lieren. Alba­nien gegen Rumä­nien. Drei Worte, ein Tot­schlag­ar­gu­ment. Warum sollte man sich dieses Spiel anschauen? Um in der Europa-League-Qua­li­fi­ka­tion vor seinen Kum­pels als Fach­mann dazu­stehen? Oh, HNK Rijeka wech­selt Odise Roshi ein. Gefähr­li­cher Mann, Spitz­name Rakete. FC Pjunik Jerewan kann ein­pa­cken!“

Nein, aus Lust an Spie­lern wie Arlind Ajeti, Cris­tian Sapu­naru oder Andrei Pre­pe­lita schaute ver­mut­lich nie­mand dieses Spiel. Es war viel­mehr das Pflicht­be­wusst­sein eines EM-Dau­er­kon­su­menten mit Hang zum Maso­chismus, das einen am Sonn­tag­abend zum Pri­vat­fern­sehen brachte. 

Es lag was in der Luft

Aber schon bei der Into­na­tion der alba­ni­schen Natio­nal­hymne, stolz gebrüllt von der Elf auf dem Rasen und dem Groß­teil der knapp 50.000 Zuschauer in Lyon, beschlich uns leise das Gefühl: Gute Ent­schei­dung. Sollen die Fran­zosen und Schweizer mal unter sich den Grup­pen­sieg aus­klün­geln. Hier, im Parc Olym­pique Lyon­nais, geht es um mehr. Es geht um den Stolz einer Nation, so bevöl­ke­rungsarm wie Schleswig-Hol­stein. Um die Chance, Fuß­ball­ge­schichte zu schreiben.

Was folgte, war nicht gut. Aber es war lei­den­schaft­lich. Und mit jedem über­am­bi­tio­nierten Dribb­ling eines alba­ni­schen No-Names, mit jedem Fehl­pass, mit jeder ver­ge­benen Tor­chance wuchs unsere Sym­pa­thie mit den Hysajs und Agollis und Abra­shis, die so herz­zer­rei­ßend kämp­fenden Klump­füße vom Balkan. 

Alba­ni­sche Sport­ge­schichte in Minute 43

Und dann lief die 43. Minute. Ein­wurf Alba­nien auf der rechten Seite, der Ball kommt zu Ledian Memushaj, einem dieser Namen, den wir bald nicht mehr erin­nern werden, und dieser Ledian Memushaj, er schlägt eine Flanke in den Straf­raum, zu lang, zu langsam, zu unprä­zise.

Doch da löst sich ein alba­ni­sches Trikot von seinem Bewa­cher, Nummer 10, Armando Sadiku, wie wir später lernen werden. Auf einmal steht er in der Luft, der Ball fällt auf seinen Kopf und von dort ins Tor. 1:0 Alba­nien.