J. League Divi­sion One, Yoko­hama, Japan: Nissan Sta­dium, 13. Sep­tember 2008, 17 107 Zuschauer

Auf dem großen Trans­pa­rent in der Heim­kurve steht: »Kämpft ums Über­leben!« Eigent­lich sind die Yoko­hama F. Marinos weiter vorne in der Tabelle zu finden, aber in dieser Saison wird der Klub vom Pech ver­folgt, steht auf einem Abstiegs­platz. Die Folge: Im WM-Sta­dion von 2002 herrscht über­wie­gend gäh­nende Leere. Nur im Heim­block wird dagegen gehalten: Hier tragen alle das blaue Team-Trikot und man singt alles, was der Mega­phon-Mann vor­gibt – egal, was gerade auf dem Platz pas­siert. Spon­ta­neität ist nicht die Stärke japa­ni­scher Fans. Die ersten Minuten gehören Yoko­hama, die des­halb ein »F« im Namen tragen, weil sie 1999 mit den »Flü­gels« fusio­nieren mussten.



Kein Aus­länder steht für die Blauen auf dem Platz, der bra­si­lia­ni­sche Mit­tel­feld­star Lopez ist ver­letzt. Kobe hat immerhin zwei Bra­si­lianer an Bord, Leandro und Botti, aber zu merken ist das nicht. In der 32. Minute bleibt ein Blauer ver­letzt liegen. Die beiden Sani­täter halten ihre Trage so, dass man den Spon­so­ren­namen auf der Lie­ge­fläche wun­derbar lesen kann. Die Marinos beschränken sich ohnehin nicht nur auf ihre Brust­wer­bung: Eine japa­ni­sche Flug­linie wirbt zusätz­lich an der Stelle, wo unser­eins den Spie­ler­namen erwartet hätte. Wenn die Gäste in Straf­raum­nähe kommen, werden hinter dem Tor alle Fahnen geschwenkt und gebuht, um den Gegner zu irri­tieren. Funk­tio­niert auch, aller­dings nur bis zur 45. Minute. Ecke von rechts, Kopf­ball, Gesto­chere, 1:0 für Kobe, Halb­zeit­pfiff. Als es nach der Pause wei­ter­geht, singen wir bereits Lied Nummer 12 vom zuvor ver­teilten Lie­der­zettel, die vielen Schul­mäd­chen beson­ders laut. Sie sind auch die ein­zigen Zuschauer, die »Vor­sicht!« oder »Angst!« krei­schen. Immerhin spontan, genauso wie ihr anschlie­ßendes Kichern. Es folgt ein Spiel auf ein Tor, die Blauen haben zwar keine Ideen, aber sie kämpfen, und das zählt hier genauso viel wie auf Schalke.

Das Spiel wird hek­ti­scher, der Lie­der­vorrat ist ab der 80. Minute auf­ge­braucht, doch in der 93. Minute gibt es noch eine Chance: Frei­stoß, Gesto­chere, Eigentor, 1:1. Die Schul­mäd­chen merken das erst nach ein paar Sekunden, die anderen sind zum ersten Mal spontan, und zwar spontan erleich­tert. Die Spieler kommen noch zur Kurve und ver­beugen sich. Der Über­le­bens­kampf geht weiter