Also, mal ehr­lich: So dolle war Juventus Turin dann doch nicht. Was haben uns die Experten nicht gewarnt vor dieser Wun­der­mann­schaft mit ihrer geheim­nis­vollen Drei­er­kette, ein­pen­delnden Außen­ver­tei­di­gern, dem bösen Beißer Arturo Vidal, dem weisen Lenker Andrea Pirlo und einer ganzen Armada von Wun­der­stür­mern, per­fekt orches­triert vom raf­fi­nierten Stra­tegen Antonio Conte auf der Trai­ner­bank. Und dann so was! Chan­cenlos waren sie im Hin­spiel des Vier­tel­fi­nales der Cham­pions League beim FC Bayern und konnten froh sein, dass sie nur 0:2 ver­loren hatten.

Gibt es über­haupt noch Gegner für den FCB?

Über­haupt scheinen die Münchner in diesem Jahr nur noch gegen Graupen zu spielen. Ein paar Tage vorher war der schlech­teste Ham­burger SV aller Zeiten da und holte sich die höchste Klat­sche seiner Bun­des­li­ga­ge­schichte ab, dabei stand nicht mal Mladen Pra­lija im Tor. Oder im Februar Schalke, die ihrem Ver­eins­namen alle Ehre machten und mit 0:4 unter die Räder kamen, auf dass Jens Keller noch gries­grä­miger guckte als sowieso schon.

Die Grün-Weißen von Werder Bremen, die vor einer lange ver­ges­senen Zeit mal als rich­tiger Gegner galten, wurden mal eben mit 6:1 ver­prü­gelt. In Mainz gab’s ein lockeres 3:0, und selbst Borussia Dort­mund war im Pokal völlig chan­cenlos. Von diesen ganzen Namen­losen, die Bayern noch im Zustand halber Bewusst­lo­sig­keit (die anschlie­ßend von Mat­thias Sammer wütend gegei­ßelt wurde) aus den Schuhen spielte, wollen wir gar nicht reden.

Das Publikum ist die Sen­sa­tion gewöhnt

Nein, dieser Tage ist es nicht schön, für den FC Bayern zu spielen, denn ange­sichts dieser ganzen Seri­en­siege hat sich das Publikum der­maßen an das Unge­heu­er­liche gewöhnt, dass es gar nicht mehr so richtig merkt, wie unge­heu­er­lich es eigent­lich ist, was die Mann­schaft von Jupp Heynckes da in den letzten Wochen zusam­men­kickt. 

Selbst­ver­ständ­lich hat Gian­luigi Buffon schon grö­ßere Momente gehabt als am Diens­tag­abend in Mün­chen, als er bei beiden Gegen­toren nicht gerade wie ein Welt­tor­hüter aussah. Auch Andrea Pirlo hat schon mal besser aus­ge­sehen, wie wir in Deutsch­land nur zu schmerz­haft wissen. Die sagen­um­wo­bene Abwehr-Drei­er­kette wirkte mit­unter auch wirk­lich etwas hüftsteif und nicht wie das neu­este Pro­dukt aus dem For­schungs­la­boren von Tak­tik­nerds.

So könnte man bequem wei­ter­ma­chen, aber vieles davon hatte einen Grund, und der zeigte sich vor allem im Umgang der Bayern mit Artura Vidal. Der ehe­ma­lige Lever­ku­sener wirkte in Mün­chen wie ein Ein-Mann-Hor­nis­sen­schwarm, sauste und sirrte als unab­läs­siger Quäl­geist über den Platz und wurde als sol­cher von den Bayern kol­lektiv bezwungen.

Mal zeigte ihm Franck Ribery, was ein Ober­körper ist (leider einmal auch, was eine Schuh­sohle auf einer Wade vermag), dann prü­gelte Bas­tian Schwein­s­teiger einen Press­ball durch den Chi­lenen, und zwi­schen­durch grätschte ihm sogar Arjen Robben mal den Ball weg. Die Bayern 2013 ver­schweißen näm­lich auf ver­blüf­fende Weise ihre auch früher schon oft gese­hene Fähig­keit zu Artistik und Zir­zen­si­schem mit einem so noch nicht gese­henen cal­vi­nis­ti­schen Arbeits­ethos.

Lieb­ling, wir haben Juventus geschrumpft“

An guten Tagen, und das Spiel gegen Juventus war ein so guter, dass selbst die ver­wöhnten Zuschauer in der Arena wie elek­tri­siert wirkten, wird daraus ein auf­re­gend mit­rei­ßender Mix. Und bekannt­lich ist das nicht immer etwas gewesen, wofür man die Bayern loben konnte. Das Pro­blem ist nur, dass sich dadurch aber die Wahr­neh­mung inzwi­schen so gro­tesk ver­schoben hat, dass die Gegner inzwi­schen wie Schein­zwerge erscheinen.

Wahr­schein­lich kommen die Spieler inzwi­schen nach Hause und ver­künden stolz, Lieb­ling, wir haben Juventus geschrumpft“, und ihre Frauen bli­cken nicht einmal mehr richtig auf.