Beim DFB selbst ist man sich dessen nicht ganz so sicher und umschreibt das Ganze kryp­tisch mit einer her­ab­wür­di­genden und ver­un­glimp­fenden Äuße­rung“, was wohl nur eine etwas andere For­mu­lie­rung für das schnöde Wort Belei­di­gung“ ist. Ras­sis­tisch hin­gegen soll das, was Wei­den­feller seinem Gegen­spieler im Derby zu sagen hatte, so hört man aus Frank­furt, aber auf keinen Fall gewesen sein, und auch Wei­den­feller selbst ver­neint diese Vor­würfe.

Das hört man auch bei Borussia gerne, wo einem bei einer Ver­ur­tei­lung wegen ras­sis­ti­scher Äuße­rungen der Haupt­sponsor aufs Dach gestiegen wäre. Und akzep­tiert in der all­ge­meinen Erleich­te­rung auch gleich mal ein Urteil, das an Unver­hält­nis­mä­ßig­keit kaum noch zu über­bieten ist. Drei Spiele Sperre für einen Vor­wurf, den man nicht halten und auch nicht beweisen konnte, klingen arg nach einem vier­wö­chigen Fahr­verbot wegen Hupens im Berufs­ver­kehr.

Doch da sich der DFB aber den Kampf gegen Ras­sismus, zumin­dest in seiner deko­ra­tiven Form, an die Brust geheftet hat, kam ein kom­pletter Frei­spruch für Wei­den­feller wohl nicht in Frage. Mit so etwas tut man sich an der Frank­furter Otto-Fleck-Schneise tra­di­tio­nell sowieso schwer. In dubio pro reo – im Zweifel für den Ange­klagten: Der Grund­satz, der in der Deut­schen Recht­spre­chung helfen soll, wenn Zweifel an der Schuld auf­treten, gilt scheinbar nichts für die Sportrichter des Deut­schen Fuß­ball Bundes.

Um das gefällte Urteil in irgend­einer Weise doch noch mit Berech­ti­gung zu füllen, amü­siert man uns im Nach­hinein mit angeb­li­chen Wort­neu­schöp­fungen“ wie Schwab­bel­schwein, was mora­lisch natür­lich viel weniger anstößig erscheint wie schwul“ oder schwarz“, aber nicht minder Kin­der­gar­ten­ni­veau hat als die ganze Geschichte an sich.

Hupen in der Öffent­lich­keit gehört sich sicher ebenso wenig wie Belei­di­gungen unter erwach­senen Män­nern auf dem Fuß­ball­platz. Trotzdem tut es fast jeder und wird es wohl auch in der Zukunft tun – daran ändert auch ein frag­wür­diges DFB-Urteil nichts. Sowieso ist davon aus­zu­gehen, dass dieser neue Prä­ze­denz­fall in der­selben Schub­lade ver­winden wird wie die Möller-Schwalbe oder der TV-Beweis gegen Chris­tian Wörns, andern­falls wäre wöchent­li­chen Beschimp­fungs­vor­würfen Tür und Tor geöffnet und die Mann­schaften würden sich ob der Flut von gesperrten Spie­lern bald von selbst auf­stellen. Auch lässt der DFB in der Umset­zung seiner hohen mora­li­schen Vor­stel­lungen Kon­se­quenz ver­missen, indem er Asa­moahs mar­tia­li­sche Geste des Kehle-Durch­schnei­dens und seine wenig schlüs­sige Erklä­rung dieser geflis­sent­lich über­sieht. Dabei wäre hier eine nach­träg­liche Ahn­dung mit­tels TV-Beweis recht ein­fach, ist sie doch per Groß­auf­nahme und in aller Deut­lich­keit über die Matt­scheibe geflim­mert. Aber auch hier, wird wie so oft, mit zwei­erlei Maß gemessen, und über die Gründe darf man spe­ku­lieren. Stößt die For­de­rung nur des­halb auf taube Ohren beim DFB, weil von Ver­eins­seite nicht laut genug auf­ge­schrieen wurde? Sind deut­schen Medien die Gebärden-Experten aus­ge­gangen? Natio­nal­spieler-Bonus? Oder mag man nicht auch noch ein wei­teres Fass auf­ma­chen? Schließ­lich steht die Geste Asa­moahs in direktem Gegen­satz zu den gerade erst her­auf­be­schwo­renen Bemü­hungen der Ver­eins­oberen, die Derbys frei von Aggres­sion zu reden.

Diese selbst auf­er­legte Hal­tung hat zumin­dest Borussia schon in Per­fek­tion ver­in­ner­licht. Wie zuletzt schon auf dem Platz sind die Borussen dieser Tage schnell dabei, sich selbst das Büßer­ge­wand über­zu­streifen und dort ein­zu­ste­cken, wo ein wenig mehr gesundes Selbst­be­wusst­sein und Kampf­geist wün­schens­wert wären. Mit dieser Ein­stel­lung gewinnt man keinen Blu­men­topf, keine Kon­flikte und erst recht kein Spiel!