Nor­bert Dickel, Wolf­gang Overath hat mal gesagt: Das Dort­munder Sta­dion hat nur einen Nach­teil: Es steht nicht in Köln.“ Können Sie den Neid der Kon­kur­renz nach­voll­ziehen?
(Lacht.) Die Kölner haben doch auch ein sehr schönes Sta­dion. Aber klar: Auf 80 000 Fans beim Heim­spiel kann man durchaus nei­disch sein. Die Massen an Fans sind das, was den Signal-Iduna-Park zum Tempel macht. Die müsste man mit dem Sta­dion nach Köln ver­legen, damit es das Gleiche wäre.

Zu Ihrer aktiven Zeit war das Sta­dion von 80 000 Zuschauern noch relativ weit ent­fernt.
Ach was. Die Kapa­zität ist zwar erst in den Neun­zi­gern erhöht worden, wir haben davor aber auch schon vor 54 000 Leuten gespielt.

Aber das schönste Sta­dion der Welt“, zu dem es 2009 von der Times“ gekürt wurde, war es noch nicht. Die Ecken zwi­schen den vier Tri­bünen waren offen, zudem soll der Rasen eine Kata­strophe gewesen sein.
Der Rasen war wirk­lich schlimm Es kam wenig Licht ins Sta­dion, wes­halb das Gras schlecht nach­wuchs. Das kam einem tech­nisch starken Spieler wie mir natür­lich nicht zugute. (Lacht.)
Sie waren ver­let­zungs­be­dingt nur vier Jahre für den BVB aktiv.

Gibt es ein Spiel, das Ihnen beson­ders in Erin­ne­rung geblieben ist?
Im Sep­tember 1988 spielten wir gegen Han­nover 96. Am Vor­abend sagte mir Trainer Horst Köppel noch, dass ich den Verein ver­lassen soll. Als ich in der 56. Minute ein­ge­wech­selt wurde, bekam ich gleich die erste Chance. Die habe ich derart drü­ber­ge­hauen, dass ich fast die Sta­di­onuhr kaputt­ge­schossen hätte. Aber die nächsten drei habe ich direkt ver­senkt. Inner­halb von sechs Minuten – bis heute ist das der zweit­schnellste Hat­trick der Bun­des­li­ga­ge­schichte.

Wie hat sich das Sta­dion seit Ihrer aktiven Zeit ver­än­dert?
Es gab vier Aus­bau­stufen, in denen das Sta­dion nach und nach erwei­tert wurde. Zuerst wurden die Ober­ränge gebaut. Die VIP-Logen kamen hinzu und die Ecken des Sta­dions wurden geschlossen. Aber auch wenn sich außen einiges getan hat, im Innern ist immer noch alles so wie früher. Die Kabinen sind genauso boden­ständig wie zu meiner Zeit. Unter der Woche sieht es dort aus wie bei vielen unter­klas­sigen Ver­einen auch. Da hat jeder Spieler seinen Spind und das war’s. Unnö­tigen Luxus brau­chen wir nicht.

Sie sind inzwi­schen seit über 20 Jahren Sta­di­on­spre­cher. Es heißt, sie kennen sogar das Dach.
Ja.1996 wurde die Gegen­tri­büne ein­ge­weiht. Wir wollten etwas Beson­deres machen und haben zwi­schen den Flut­licht­masten im Nord­osten und Süd­westen ein Draht­seil gespannt. Ich habe mich in einen Korb gesetzt, der an einem Motorrad fest­ge­macht war. Das Motorrad fuhr dann über das Seil, in schwin­del­erre­gender Höhe. Von dort oben habe ich die Auf­stel­lung ver­lesen, trotz meiner Höhen­angst. Den Zettel hatte ich mir aufs Bein geklebt, damit der Wind ihn nicht weg­pustet.

Können Sie bei ihrer Höhen­angst selbst über­haupt auf die Süd­tri­büne? Schließ­lich ist die etwa 40 Meter hoch und steil wie eine Ski­sprung­schanze.
Als 2011 die neuen Video­ta­feln ein­ge­baut wurden, bin ich tage­lang ganz oben auf den Tri­bünen her­um­ge­laufen, um zu sehen, wie die Sicht­winkel sind. Es ist wirk­lich sehr hoch, ich musste mich zusam­men­reißen, dass ich keinen Schwin­del­an­fall bekomme.

Es heißt, die neuen Video­ta­feln seien auch Ihre Babys.
2011 brauchten wir neue Video­lein­wände. Ich habe Sta­dien in halb Europa besucht, um mir die unter­schied­lichsten Lein­wände anzu­schauen. Jetzt haben wir die besten Video­ta­feln, die man kriegen kann. Vier Stück jeweils 40 Qua­drat­meter groß, in jeder Ecke des Sta­dions eine. Die haben die gleiche Auf­lö­sung wie ein HD-Fern­seher.

Eine Beson­der­heit des Sta­dions ist die Gelbe Wand“, die größte Steh­tri­büne Europas, die Sie jedes zweite Wochen­ende als Held von Berlin“ besingt.
Vor 25 000 Men­schen zu stehen, die deinen Namen singen – da mache ich mir immer noch fast in die Hose. Denn ich führe mir stetig vor Augen, dass das ein ganz beson­deres Pri­vileg ist. Aber dass man hier nicht ver­gessen wird, wenn man etwas geleistet hat, zeigt auch den Cha­rakter des Ruhr­ge­biet­lers.

Seit 2008 hat der BVB sein eigenes Museum im Sta­dion, das Borus­seum“. Sind Sie dort auch ver­ewigt?
Der DFB-Pokal­sieg 1989 ist dort natür­lich beschrieben. Ich habe damals im Finale zwei Tore geschossen, dem­entspre­chend bin ich natür­lich zwangs­läufig im Borus­seum“ zu sehen. Aber ob auch irgend­welche Expo­nate von mir aus­liegen, müsste ich mal nach­prüfen.

Der große Rivale aus Schalke hat eine Kapelle in seiner Arena. Wäre das auch was für den BVB?
Ihr Klub ist doch auch irgendwie Reli­gion. Ich finde es ja auch toll, dass die Schalker eine kleine Kirche im Sta­dion haben. Das zeigt ja nur, wie fuß­ball­ver­rückt die Men­schen hier im Ruhr­ge­biet sind. Aber am Ende muss ich sagen: Lieber ein Sta­dion als Kapelle als eine Kapelle im Sta­dion.