Es war im Mai des gerade abge­lau­fenen Jahres, eine Woche vor dem letzten Bun­des­liga-Spieltag. In Wolfs­burg setzten sich einige aus­er­wählte, lang­jäh­rige VfL-Anhänger und Bruno Lab­badia zum Gespräch zusammen. Der drei Monate zuvor ver­pflich­tete Trainer hatte das Treffen initi­iert. Er infor­mierte sich über die Stim­mung unter den Fans, blickte auf die Saison zurück und lotete Per­spek­tiven für die kom­mende Spiel­zeit aus. Offen wurde ange­spro­chen, was im Verein falsch läuft. Spä­tes­tens nach dieser Zusam­men­kunft däm­merte es den VfL-Fans: Der als Feu­er­wehr­mann ver­schriene Lab­badia war nicht nach Wolfs­burg gekommen, um nach dem Klas­sen­er­halt wieder seine Koffer zu packen.

Dass er das bis heute noch nicht gemacht hat, ist mitt­ler­weile auch den Anhän­gern recht. Anfangs war er von einigen noch mit einer gehö­rigen Por­tion Ableh­nung begrüßt worden: Wir steigen ab und kommen nie wieder, wir haben Bruno Lab­badia“, sangen die Ultras zu seinem Ein­stand. Aber den Unken­rufen zum Trotz sorgte er nach der erfolg­reich absol­vierten Bun­des­liga-Rele­ga­tion im Sommer anschlie­ßend für die beste Hin­runde der jün­geren VfL-Geschichte.

Sport­li­cher Erfolg statt Ober­fläch­lich­keiten

28 Punkte hat sein Team bereits geholt, allein 16 davon aus­wärts – so viele wie in der gesamten ver­gan­genen Saison. Der VfL hat die dritt­we­nigsten Tor­schüsse zuge­lassen und die zweit­meisten Zwei­kämpfe gewonnen – das ist erkennbar ein Erfolg des inten­si­vierten Trai­nings unter Lab­badia. Oft wurde diesem bei seinen frü­heren Sta­tionen vor­ge­worfen, dass er bloß mit schönem Fuß­ball und Offen­siv­spiel zu glänzen ver­sucht. In Wolfs­burg hat er in erster Linie die Mann­schaft sta­bi­li­siert und an den Grund­tu­genden gear­beitet.

Es war wohl auch weniger die Sorge, dass die Qua­li­täten des Fuß­ball­leh­rers Lab­badia nicht aus­rei­chen würden, als der Ruf, der ihm vor­aus­eilte, der die anfäng­liche Skepsis seiner Person gegen­über in Wolfs­burg begrün­dete. Der schöne Bruno“, dem Ober­fläch­lich­keiten wie sein Äußeres das Wich­tigste zu sein schienen, der als Spieler und Trainer so viele Bun­des­liga-Sta­tionen gesam­melt hat wie noch keiner zuvor – neun an der Zahl näm­lich – und den­noch nir­gendwo richtig ange­kommen war, aus­ge­rechnet der sollte nun in Wolfs­burg anheuern, wo doch auch allzu oft auf Ober­fläch­lich­keiten gesetzt wurde und selten einmal jemand richtig ankommt.