Seite 2: Neuanfang unter Jürgen Klopp

Mit etwas Pech hätte das Kapitel Blasz­c­zy­kowski an dieser Stelle bereits beendet sein können. Doch es sollte anders kommen. Jürgen Klopp ent­puppte sich für den BVB bekann­ter­maßen als Glücks­griff auf der Trai­ner­bank und hauchte nicht nur der Borussia neues Leben ein, son­dern fand in Kuba gleich den idealen Spieler für seine Vor­stel­lung von Fuß­ball, für die viel zitierten Voll­gas­ver­an­stal­tungen und über­fall­ar­tigen Angriffe über die Außen. Selbst das mit den Schwalben bekam Klopp schnell in den Griff. Unver­gessen ein Aus­wärts­spiel in Bremen im Oktober 2008, als Aaron Hunt Kuba über 20 Meter bear­bei­tete und schließ­lich elf­meter- und rot­würdig zu Fall brachte. Kuba jedoch rap­pelte sich direkt auf, spit­zelte das Leder am ver­dutzen Tor­wart vorbei zu Mats Hum­mels, der nur noch ein­zu­schieben brauchte.

Bis die Ver­let­zungen kamen

Als zwei Jahre später dann noch Lands­mann Lukasz Pisz­czek zur Borussia dazu stieß, bil­deten die beiden Polen auf der rechten Seite zeit­weise das wahr­schein­lich gefähr­lichste Flü­gel­paar des euro­päi­schen Fuß­balls, das kaum ein Gegner wirksam zu stoppen in der Lage war und das sich Angriff für Angriff in die schwarz­gelben Herzen spielte. Für den Stopp sorgte ab 2013 statt­dessen das Ver­let­zungs­pech: Erst Pisz­czek (Hüfte), dann Blasz­c­zy­kowski (Kreuz­band) – und schon war vom zwi­schen­zeit­li­chen Zauber der Borussia sehr viel weniger zu sehen. Immer neue Mus­kel­be­schwerden sorgten dafür, dass Kuba beim BVB nicht mehr richtig auf die Beine kommen sollte. Die letzte Erin­ne­rung ist daher mehr als sinn­bild­lich: Letzter Bun­des­li­ga­spieltag 2015, der schei­dende Jürgen Klopp stützt sich wäh­rend seiner Abschieds­runde kum­pel­haft auf den zivil geklei­deten Flü­gel­flitzer und es wirkt, als würden beide die guten alten Zeiten weh­mütig Revue pas­sieren lassen.

Kein Zweifel: Aus gänz­lich freien Stü­cken ver­lässt Kuba seine Borussia nun wohl auch nicht. Zu viel Trau­rig­keit spricht aus seinen Abschieds­grüßen und den Bei­trägen in den sozialen Medien seit Montag, wäh­rend die Vor­freude auf den neuen Verein sich abseits des obli­ga­to­ri­schen Ver­eins­wech­sel­foto mit neuem Trikot erkennbar in Grenzen zu halten scheint.

Der Geist von Klopp hat den BVB ver­lassen

Nach dem Kar­rie­re­ende von Sebas­tian Kehl, der Degra­die­rung von Roman Wei­den­feller und nun den Abgängen des Ur-Dort­mun­ders Kevin Groß­kreutz, des tadel­losen Edel­re­ser­visten Oliver Kirch und eben von Jakub Blasz­c­zy­kowski scheint es, als habe der Geist von Jürgen Klopp in dieser zurück­lie­genden Woche end­gültig den Verein ver­lassen. Min­des­tens aber ahnen viele Borussen, dass es nicht so schnell wieder so mär­chen­haft kit­schig werden wird mit einer Mann­schaft, die ein derart großes Iden­ti­fi­ka­ti­ons­po­ten­tial bot, die sich vom grauen Liga­mit­telmaß bis in die euro­päi­sche Spitze wei­ter­ent­wi­ckelte und die mit den Fans auf der Tri­büne zu einer ver­schwo­renen Ein­heit ver­schmolzen war.

Des­halb gilt: Wir haben zu danken.

Dziękuję, Kuba Blasz­c­zy­kowski!