Herr Furtok, sind Sie traurig?
Warum?

Seit der Saison 1990/91 waren Sie mit 20 Toren in einer Saison immerhin der beste pol­ni­sche Tor­schütze der Bun­des­liga. Robert Lewan­dowski hat Sie mit seinen 23 Tref­fern vom Thron gestoßen.
Ganz im Gegen­teil. Ich freue mich sogar dar­über. Ich freue mich aber nicht nur für Lewan­dowski, son­dern auch für die anderen pol­ni­schen Profis in der Bun­des­liga. Mit ihren Leis­tungen machen die Jungs ein­fach gute Wer­bung für den pol­ni­schen Fuß­ball.

Das kann man aber auch von Ihnen behaupten. Zu Ihrer Zeit spielten mit Andrzej Buncol oder Marek Les­niak noch wei­tere Polen in Deutsch­land.
Das stimmt, nur mit dem Unter­schied, dass es damals ganz andere Zeiten waren. Da in Polen der Kom­mu­nismus herrschte, war es nicht ein­fach aus­zu­reisen. Als Sportler musste man schon Glück haben. Heute sind die Grenzen offen und es ent­scheiden allein die fuß­bal­le­ri­schen Fähig­keiten, ob man den Sprung in eine gute Liga schafft. Und, ob man sich in der auch durch­setzen kann. Lewan­dowski und die zwei anderen BVB-Polen Lukasz Piszczek und Jakub Blaszc­zy­kowski haben es jeden­falls getan.

Halten Sie Lewan­dowski auch für den Aus­nah­me­stürmer, der die Begehr­lich­keiten der euro­päi­schen Top­klubs zurecht weckt? 
Auf jeden Fall. Lewan­dowski hat sich in den letzten Jahren zu einem wirk­lich sehr guten Stürmer ent­wi­ckelt, zu einem Star. Und da er ehr­geizig ist und an sich arbeitet, wird er noch wei­tere Fort­schritte machen.

Da die Gerüch­te­küche nach dem Cham­pions-League-Halb­fi­nale mehr denn je bro­delt: Sollte er dies bei einem anderen Verein machen?
In sol­chen Fällen sage ich immer nur eins: bleibe da, wo es dir gut geht. Man weiß ein­fach nicht, wie es einem in einer neuen Mann­schaft ergehen kann. Und da Borussia Dort­mund eine junge, auf­stre­bende und sich wei­ter­ent­wi­ckelnde Mann­schaft hat, würde ich per­sön­lich Lewan­dowski zu einem Ver­bleib in Dort­mund raten. 

Trotz seiner Tore in der Bun­des­liga und in der Cham­pions League wird Lewan­dowski wegen seiner Leis­tungen in der Natio­nalelf in Polen kri­ti­siert. Seit dem EM-Eröff­nungs­spiel gegen Grie­chen­land hat Lewan­dowski fast über 900 Minuten gebraucht, um gegen San Marino mal wieder ins geg­ne­ri­sche Netz zu treffen. Wie erklären Sie sich als ehe­ma­liger Stürmer diese Dis­kre­panz?
Bei der Kritik wird über­sehen, dass sich Natio­nal­mann­schaft und Verein mit­ein­ander nicht ver­glei­chen lassen. Schon die täg­liche Trai­nings­ar­beit macht sich auf das Zusam­men­spiel einer Mann­schaft positiv bemerkbar. Und Natio­nal­mann­schaften trai­nieren bekannt­lich nicht jeden Tag. Das Haupt­pro­blem unserer Natio­nal­mann­schaft ist jedoch das Mit­tel­feld, von dem ein Stürmer abhängig ist. Dort­mund hat da ein­fach die viel bes­seren Spieler als unsere Natio­nal­mann­schaft.

Beim ihrem ehe­ma­ligen Verein HSV spielt mit Art­joms Rud­nevs seit dieser Saison ein wei­terer Stürmer, der zuvor in Polen, so wie Lewan­dowski, für Lech Posen auf Tore­jagd ging. Er musste sich bereits einige Kritik anhören.
Man muss aber Bedenken, dass es seine erste Saison im Westen ist. Zwi­schen der pol­ni­schen Eks­t­ra­klasa“ und der Bun­des­liga ist ein gewal­tiger Unter­schied. Und viel­leicht hat ihn dieser Unter­schied am Anfang etwas ver­ängs­tigt. Er wird aber noch groß raus­kommen. Schon jetzt macht er seine Tore und man sieht auch, dass die Mann­schafts­kol­legen ihm immer mehr ver­trauen.

Und wie finden Sie die aktu­elle HSV-Mann­schaft?
Obwohl ich auch bei Ein­tracht Frank­furt gespielt habe, hängt mein Herz mehr am HSV. Und dabei bedauere ich, dass wir damals nicht in so einem tollen Sta­dion gespielt haben, wie es jetzt in Ham­burg steht. Wer weiß, was für Erfolge wir hätten feiern können. Und das heu­tige Team? Dieses muss ver­stärkt werden, wenn es erfolg­reich mit­spielen soll.

Wie kam es eigent­lich 1988 zu Ihrem Wechsel in die Bun­des­liga? Da waren sie 26. Damals durften Fuß­baller aber erst ab dem 27. Lebens­jahr ihre kom­mu­nis­ti­sche Heimat ver­lassen.
Das hat mein dama­liger Prä­si­dent bei GKS Kat­to­witz gere­gelt. Da wir mit GKS im UEFA-Cup spielten hat mich der HSV schon länger beob­achtet und wollte mich haben. Erich Rib­beck (von 1988 bis 1989 Sport­di­rektor beim HSV, d. Red.) ist sogar per­sön­lich nach Polen gekommen, um mich zu holen. Doch der Prä­si­dent wollte eine zu hohe Ablöse. Kurz darauf spielten wir mit der Natio­nal­mann­schaft gegen die DDR. Rib­beck kam damals extra nach Cottbus und sah, wie ich in dem Spiel zwei Tore erzielte. Danach war der HSV sofort bereit die 1,7 Mil­lionen Mark für mich zu bezahlen. Mein Prä­si­dent regelte darauf den Transfer in War­schau. Was ihm wohl nicht schwer fiel, da auch der Ver­band einiges von der Trans­fer­summe bekam.

Sind Sie dem Fuß­ball nach ihrem Kar­rie­re­ende erhalten geblieben?
Seit 2004 bin ich im Vor­stand meines Hei­mat­ver­eins GKS Kat­to­witz tätig, wo ich 1997 auch meine aktive Lauf­bahn been­dete. Damals rutschte der Verein wegen finan­zi­eller Pro­bleme von der 1. in die 4. Liga ab, wo er einen Neu­an­fang starten musste. Heute spielen wir wieder in der zweiten Liga. Und ich denke, dass wir nächstes Jahr den Auf­stieg in die Eks­t­ra­klasa schaffen könnten.