Die Tanne im Kasten
Unver­gessen das dra­ma­ti­sche Bun­des­li­ga­spiel zwi­schen Ein­tracht Frank­furt und dem FC Bayern Mün­chen in der Saison 1999/2000. Beim Stand von 0:1 parierte Bay­ern­tor­wart Oliver Kahn einen Elf­meter. Als kurz darauf der eigene Abwehr­spieler Samy Kuf­four mit der Ele­ganz einer Felsla­wine auf ihn prallte, musste er das Feld ver­letzt ver­lassen. Doch auch Ersatz­tor­wart Bernd Dreher hatte nicht das Ver­gnügen, den Abpfiff auf dem Rasen mit­zu­er­leben. Ohne Fremd­ein­wir­kung ver­letzte er sich schwer und musste aus­ge­wech­selt werden. Da auf der Reser­ve­bank nur noch Feld­spieler saßen, streifte sich kur­zer­hand Michael Tanne“ Tarnat das viel zu große Tor­wart­trikot über und stellte sich zwi­schen die Pfosten. Zwar sah er aus wie ein kleiner Junge, der im XXXL-Jersey seines großen Bru­ders auf dem Bolz­platz steht, trotzdem machte er seine Sache sehr gut. Die Bayern drehten die Partie, und Tarnat fischte immerhin einen Ball aus dem Eck. Dass auch noch Unglücks­rabe Kuf­four den 2:1‑Siegtreffer mit der ihm eigenen Grazie über die Linie drü­cken durfte, run­dete den Abend für die Münchner per­fekt ab.

Vom Sofa in den Ibrox-Park
Wäh­rend die Münchner in Frank­furt einen Tor­hüter nach dem anderen ver­schlissen, saß ihr Ama­teur­tor­wart Stefan Wes­sels auf dem hei­mi­schen Sofa und schaute sich das Spiel im Fern­sehen an. Da neben Kahn und Dreher auch die Nummer Drei bei den Bayern, Sven Scheuer, ver­letzt war, schlug seine große Stunde. Sofort nach Abpfiff erhielt er den Anruf: Anstatt mit der U20 in den Oman zu fliegen, solle er für die Bayern im kom­menden Cham­pions-League-Spiel bei den Glasgow Ran­gers das Tor hüten. Wes­sels ergriff die Chance und lie­ferte ein gutes Spiel im aus­ver­kauften Ibrox-Park ab. Durch die denk­wür­dige Ver­let­zungs­mi­sere der Bay­ern­tor­hüter wurde er mit 20 Jahren zum jüngsten deut­schen Tor­hüter, der je in der Cham­pions-League gespielt hat. Im glei­chen Spiel bewies übri­gens auch Michael Tarnat erneut, wie uner­setz­lich er ist: In der 90.Minute erzielte er mit einem Frei­stoß den 1:1‑Ausgleich.

Straf­raum statt Ruhe­stand
Noch gar nicht lange her ist der Ein­satz von Dirk Heinen im Tor von Arminia Bie­le­feld. Dem Tor­hüter erreichte 2008 ein Anruf von DSC-Tor­wart­trainer Thomas Schlieck. Die eigent­liche Nummer Eins im Tor der Arminen, Mat­thias Hain, hatte sich zum Ende der Hin­runde ver­letzt, und der Reser­vist Rowen Fer­nandez musste zum Afrika-Cup nach Ghana. Heinen, der zu dem Zeit­punkt schon in Irland seine neue Heimat gefunden hatte, solle sich doch bitte schon mal fit halten. Fer­nandez kam ver­letzt aus Afrika zurück, und Heinen machte sich zum ersten Mal auf in Rich­tung Bie­le­feld. Zu einem Ein­satz kam es aber noch nicht. Beide Keeper wurden recht­zeitig fit, und Heinen konnte sich wieder auf die grüne Insel ver­ab­schieden. Im April ver­letzte sich Mat­thias Hain aller­dings erneut, und Dirk Heinen musste mal wieder ein­ge­flogen werden. Nur einen Tag vor dem Aus­wärts­spiel gegen Han­nover 96 kam Heinen zur Mann­schaft. Im Spiel geschah dann, was pas­sieren musste: Rowen Fer­nandez ver­letzte sich, Heinen kam rein und ret­tete der Arminia einen Punkt

Flo im Tor
In der Saison 1997/1998, im Spiel Bayer Lever­kusen gegen Werder Bremen wurde es plötz­lich hek­tisch auf dem Platz: Oliver Reck, der zuvor mit einem Sni­ckers“ beworfen wurde, fliegt erst mit gelb-rot, weil es aber seine erste Gelbe Karte war, dann doch glatt mit Rot vom Platz. Sein Befrei­ungs­schlag wurde von Schieds­richter Fröh­lich als ein Foul gegen Ulf Kirsten gewertet. Ersetzt wird Reck, weil die Bremer kurz zuvor zum dritten Mal gewech­selt hatten, durch den relativ erfolg­losen Stürmer Hår­vard Howie“ Flo. Den Frei­stoß, getreten von Stefan Bein­lich, konnte der Nor­weger nicht halten. Die rest­li­chen Minuten des Spiels blieb er aber ohne Gegentor. Werder verlor trotzdem mit 1:4.

Pogo­tanz mit Koller
In guter Erin­ne­rung: Der Ein­satz von Feld­spieler Tuncay im tür­ki­schen Kasten bei der EM 2008. In einem dra­ma­ti­schen Spiel drehten die Türken gegen Tsche­chien einen 0:2‑Rückstand in eine 3:2‑Führung. Ihr Tor­hüter Volkan Demirel freute sich dar­über so sehr, dass mit dem tsche­chi­schen Stür­mer­turm Jan Koller einen lus­tigen Pogo beginnen wollte. Doch 2‑Meter-Mann Koller ver­fügte leider nicht über mehr Sinn für Humor, als in seinen rechten Zeh passt, und ging nach der unmensch­li­chen Attacke zu Boden wie eine gefällte nor­di­sche Tanne. Der Türke sah dar­aufhin den Roten Karton und sein Mit­spieler Tuncay die Mög­lich­keit, seine Tor­hü­ter­fä­hig­keiten unter Beweis zu stellen. Leider durfte er keinen ein­zigen Ball mehr halten.

Ein rie­siges Mul­ti­ta­lent

Einige Jahre zuvor war Jan Koller selbst in einer ähn­li­chen Situa­tion. Erst erzielte er in der siebten Minute noch die 1:0 Füh­rung gegen die Bayern. Die aber kamen zurück und gingen in der 66. Minute sogar in Füh­rung. BVB-Tor­wart Leh­mann sah dabei den Tor­schützen Claudio Pizarro im Abseits und meckerte so lange, bis Schieds­richter Weiner nichts anderes blieb, als ihm zum Duschen zu schi­cken. Dort war­tete schon Torsten Frings, der bereits in der 41. Minute mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde. Die Dort­munder, mit ihrem Wech­sel­kon­tin­gent erschöpft, machten den Längsten der Mann­schaft zum Tor­wart. Doch nicht nur seine Größe wusste der Tscheche in den gut 25 Minuten Rest­spiel­zeit her­vor­ra­gend ein­zu­setzen. Es blieb beim 2:1 für die Bayern. Der Kicker“ wählte Koller darauf in die Elf dieses zwölften Spiel­tages der Saison 2002/2003 – als Tor­hüter!