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Dieser Text erschien in Aus­gabe 224. Erhält­lich hier bei uns im Shop.

Freunde, Freunde, Freunde. Das Gespräch ist fast vorbei, als Peter Peters über die zuge­ge­be­ner­maßen etwas plumpe Frage, die wir gestellt haben – Haben Sie Freunde im Fuß­ball­ge­schäft?“ – zu sin­nieren beginnt. Zwei Stunden lang ist es um die Schalker Finanz­lage, die Aus­la­ge­rung der Pro­fi­ab­tei­lung und Peters’ weit­rei­chende Funk­tio­närs­tä­tig­keit in den DFL- und DFB-Gre­mien gegangen. Er hat sich gut aus der Affäre gezogen, gekonnt zwi­schen jovialen Tönen und dem sach­li­chen Duktus des Finanz­ex­perten chan­giert. Die Frage nach den Freunden aber erwischt ihn auf dem fal­schen Fuß. Erst scheint es, als scanne er den Begriff im Kopf wie einen Pro­fi­ver­trag auf Schwach­stellen. Freunde. Freunde. Freunde“, wie­der­holt er, als sei ihm diese soziale Kate­gorie fremd. Dann aber rastet sein Ratio­na­lismus wieder ein: Ich habe viele Freunde“, sagt er und fängt an auf­zu­zählen: Mit Kurt Gaugler, dem frü­heren Prä­si­denten von Wacker Burg­hausen, mit Helmut Hack und Rein­hard Rau­ball fühle ich mich freund­schaft­lich ver­bunden. Und auch über Chris­tian Sei­fert, obwohl wir noch immer per Sie sind, würde ich das sagen.“ Ein Mit­streiter aus seinen Jahr­zehnten beim FC Schalke 04 fällt ihm ad hoc nicht ein.

Das Inter­view findet am Nach­mittag des 2. Juni 2020 in der dritten Etage der Schalker Geschäfts­stelle statt. Nichts deutet darauf hin, dass Peters – den Mit­ar­beiter kum­pelig PP“ rufen – gut 72 Stunden später aus dem Amt scheiden wird. Wir sind gekommen, um ihn als rang­höchsten Ver­eins­ver­treter im deut­schen Fuß­ball zu por­trä­tieren. Einen Mann, der seit Jahren an allen zen­tralen Ent­schei­dungen der Bun­des­liga und im welt­größten Sport­fach­ver­band betei­ligt ist. Dem es gelungen ist, 27 Jahre als Finanz­vor­stand beim FC Schalke 04 trotz oft ange­spannter Haus­halts­lage unbe­schadet zu über­stehen, wäh­rend sich am Ernst-Kuzorra-Weg Legionen von Vor­ständen, Trainer und Mana­gern die Klinke in die Hand gaben. Wie ist es mög­lich, dass ein Mensch mit der­ar­tiger Ämter- und Macht­fülle, im medial aus­ge­leuch­teten Pro­fi­fuß­ball nach so langer Zeit noch immer ein Mys­te­rium ist?

Der Mann, der an den Strippen zieht

Nach dem BWL-Stu­dium in Dort­mund arbei­tete er einige Zeit als Sport­re­porter, ehe er mit Ende Zwanzig in die Geschäfts­füh­rung des 1. FC Kai­sers­lau­tern wech­selte. Er hat früh ver­standen, dass es die Halb­wert­zeit eines Funk­tio­närs im Fuß­ball deut­lich erhöht, je weniger Angriffs­fläche dieser bietet. Leute, die mit ihm gear­beitet haben, attes­tieren ihm durch die Bank hohe Ein­satz­be­reit­schaft, Fleiß und Akribie, aber auch einen aus­ge­prägten Instinkt für sich ver­än­dernde Macht­ver­hält­nisse. Peters, sagt ein Ex-Kol­lege, sei einer, der im Galopp von einem Pferd aufs andere wech­seln könne. Ohne mit der Wimper zu zucken, ver­spreche er der einen Seite volle Unter­stüt­zung und schließe sich dann kalt­blütig auf der anderen der Mehr­heits­mei­nung an. Einer, der überall an Strippen zieht, aber nie als Urheber einer Sache – nicht einmal einer guten – iden­ti­fi­ziert werde. Peters meidet unsi­cheres Ter­rain. Er gibt zu, dass er am liebsten Hin­ter­grund­ge­spräche führe – sprich: reden, ohne zitiert zu werden –, um Zusam­men­hänge zu erklären“. Wenn sich aus einer ver­än­derten Sach­lage auf Schalke schwer kal­ku­lier­bare Nach­fragen ergeben, sagt er Inter­views manchmal auch unter einem Vor­wand ab. Er will die Kon­trolle behalten.

Er taugt nicht für die erste Reihe. Ihm fehlt die Aura und dessen ist er sich auch bewusst“, sagt ein ehe­ma­liger S04-Vor­stand, der sich schmun­zelnd erin­nert, wie Peters bei der Gene­ral­probe zur Mit­glie­der­ver­samm­lung auf dem Podium seine Rede ein­übte, indem er diese in voller Länge vom Blatt ablas – mit jeder Beto­nung, jeder Pause. Und wie ihn tags drauf ein Zwi­schenruf fast aus dem Kon­zept brachte, weil er so skla­visch am Manu­skript hing.

Bitte gerne nach Ihnen!

Auf die Frage, was ein Mensch benö­tige, um in einem emo­ti­ons­ge­trie­benen Klub so lange Zeit unum­stritten an der Spitze zu bleiben, ant­wortet Peters: Es hilft, sich bei der Arbeit auf Dinge zu kon­zen­trieren, die man kann, inhalt­lich zu ver­stehen, was man tut und ver­läss­lich zu sein. Das ist im Fuß­ball nicht immer weit ver­breitet.“ Und als würde er ahnen, dass seine Kri­tiker sagen, er wisse genau, wann er sich weg­du­cken und unsichtbar werden muss, ergänzt er: Und es emp­fiehlt sich, nicht zu eitel zu sein. In einem Geschäft, in dem es vor Alpha­tieren wim­melt, ist es manchmal nicht schlecht, anderen den Vor­tritt zu lassen.“

Voller Bewun­de­rung spricht er von Ger­hard Mayer-Vor­felder, diesen wirts­haus­ge­gerbten Funk­tio­närs­typus, der sich vor keinem Ver­bal­schar­mützel fürch­tete. Der bis spät in die Nacht gesellig sein konnte, auch mal einen Wein mehr trank“, sagt er, und den­noch mor­gens bei den Sit­zungen gesto­chen scharf for­mu­lierte.“ Diese Gabe hätte er auch gern. Auch Peters kann beim Bier Sitz­fleisch ent­wi­ckeln, aber ihm fehlt die natur­ge­ge­bene Auto­rität. Seinen größten Auf­tritt auf Schalke hatte er bei der Feier zum hun­dertsten Ver­eins­ge­burtstag, als er auf dem Rasen der Arena am Kla­vier den Udo-Jür­gens-Klas­siker Zeig mir den Platz … in der Kurve“ schmet­terte und Schaaalke, ist der beste Klub der Welt“ auf der Melodie von Wes­tern­ha­gens Pathos-Hymne Frei­heit“ nach­legte. In der Musik von Udo Jür­gens finde ich mich wieder“, gibt er zu. In Lie­dern wie Es lebe das Laster“. Diesen Songs, die glei­cher­maßen Lebens­freude als auch den Geist ver­mit­teln, dass man auf dieser Welt nichts geschenkt bekommt. Dass es keinen Sinn ergibt, immer nur gesund und richtig zu leben. Dass man das Leben feiern muss!“

Als wir Mitte Mai das Inter­view bei ihm anfragen, sind unsere Hoff­nungen auf ein posi­tives Feed­back gedämpft. Durch Corona ist die Lage in der Liga extrem ange­spannt. Zudem ist völlig unklar, ob der Restart, den Peters als stell­ver­tre­tender DFL-Spre­cher mit­in­iti­iert und ‑ver­ant­wortet, gelingt. Beson­ders prekär scheint die Situa­tion auf Schalke zu sein. Doch zu unserer Über­ra­schung sagt er zu und lädt sogar zur Audienz nach Gel­sen­kir­chen. Beim Inter­view erzählt er dann, dass er extra beim Fri­seur gewesen sei und die Gattin ihn über­redet habe, für die Fotos statt des königs­blauen Ein­rei­hers mal ein hell­blaues Polo­shirt und Turn­schuhe anzu­ziehen. Ganz wohl fühlt er sich in dem legeren Look nicht, das ist ihm anzu­merken. Aber wer würde es einem ver­denken, der über sich sagt, durch und durch Zah­len­mensch zu sein. Ich liebe Zahlen“, so Peters, Zahlen sind wie Akkorde, alles greift inein­ander und baut auf­ein­ander auf. Für jemanden, der das weiß, ist es ganz ein­fach zu bril­lieren, aber wer davon keine Ahnung hat, für den wirkt es undurch­schaubar.“ Einmal hat er aus Spaß ganz ohne Hilfs­mittel einen Bun­des­liga-Spiel­plan auf­ge­stellt. Seine Fähig­keit zur Anti­zi­pa­tion in Geld­fragen befä­higte ihn sogar, bei der Ver­pflich­tung von Andreas Möller im Jahr 2000 dessen Gehalts­for­de­rung so exakt vor­aus­zu­ahnen, dass er sie vorab in den Ver­trags­ent­wurf ein­trug und mit zu den Ver­hand­lungen brachte. Von DFL-Boss Chris­tian Sei­fert ist der Spruch über­lie­fert: Herr Peters, wenn Sie anfangen, Zahlen auf­zu­schreiben, kriege ich Angst!“ Weil seine Rech­nungen hart an der Rea­lität sind und wenig Raum für Träu­me­reien lassen. Was man­chem im emo­tio­nalen Fuß­ball unheim­lich ist.

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Those were the days: Rudi Assauer und Peters.

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Im Halb­schatten hat sich PP über die Jahr­zehnte gut ein­ge­richtet. Groß wurde er auf Schalke an der Seite von Rudi Assauer, den er zu seinem Trau­zeugen machte und in dessen Cha­risma er wie in einem Meer ver­sinken konnte. Gemeinsam ersonnen die beiden ab 1993 die Vision von Schalke als Spit­zen­verein. Assi“ trom­melte für diese Sehn­süchte in der Öffent­lich­keit, der­weil Peters im Hin­ter­grund die juris­ti­schen Wei­chen stellte und die Sat­zung so modi­fi­zierte, dass nicht mehr die Ver­eins­mit­glieder direkt den Vor­stand bestimmten, son­dern ein viel­köp­figer Auf­sichtsrat. Assauer und Peters schufen das Fun­da­ment des FC Schalke 04, wie wir ihn heute kennen. Und als Cle­mens Tön­nies 1994 im Rat zum Dreh- und Angel­punkt wurde – noch so einer, der mit seiner Kör­per­span­nung und seinem Gebrüll alles über­tönt – arran­gierte sich Peters auch mit ihm. Seither lebten sie in weit­ge­hend fried­li­cher Koexis­tenz und for­cierten 2006 die Demis­sion des ange­knockten Mana­gers Assauer. Echte Freunde wurden sie nie – dafür waren der bol­lernde Ober­ma­cker Tön­nies und Schat­ten­mann Peters in ihrer Auf­fas­sung von Macht­aus­übung doch zu ver­schieden. Einen echten Bruch in dem Ver­hältnis aber gab es erst im August 2019, als Peters sich nach dem Ras­sismus-Eklat und der anschlie­ßenden Sperre für den Auf­sichts­rats­chef fast drei Monate drückte, Tön­nies öffent­lich den Rücken zu stärken.

Viel­leicht war ihm der Skandal in seiner Trag­weite auch durch­ge­rutscht, weil er anderes um die Ohren hatte. Denn PP inves­tierte ab Herbst 2018 viel Zeit – manche sagen: zu viel – in Regio­nal­kon­fe­renzen, um bei den Bun­des­li­gisten für seine Idee zur DFL-Struk­tur­re­form zu trom­meln und sich als Nach­folger von Rau­ball im Amt des DFL-Prä­si­denten in Stel­lung zu bringen. Sein zuneh­mendes Enga­ge­ment im Liga­ver­band – dazu seine enge Bin­dung zu Boss Sei­fert, dessen erster Stell­ver­treter er im Juni 2019 wurde – beäugten auf Schalke viele arg­wöh­nisch. Wäh­rend der vielen Reisen zu den Regio­nal­kon­fe­renzen war es auf der Geschäfts­stelle jeden­falls öfter ein Thema, wie zu ver­fahren sei, wenn der Finanz­chef DFL-Prä­si­dent würde – und noch mehr außer­häus­liche Ter­mine wahr­nehmen müsse.

In seinen letzten Wochen spricht Peters mit 60 Banken

Nie­mand kennt die Struktur, die Bedürf­nisse und Wider­sprüche des FC Schalke 04 länger als Peters. Als Finanz­chef hat er den Klub vor der Insol­venz bewahrt, den e. V. als trag­fä­higes Modell im modernen Fuß­ball eta­bliert, den Klub aber auch in ein nur für Experten wie ihn durch­dring­bares Geflecht aus Sub­firmen und Betei­li­gungs­ge­sell­schaften ver­wan­delt. Peters erzählt, dass er in dem Kon­fe­renz­raum, in dem wir sitzen, wenige Tage zuvor mit sechzig Banken gespro­chen und über die aktu­elle Lage infor­miert habe. Er gilt als Meister im Erschließen neuer Geld­quellen. Sei ganz wild darauf, Anleihen auf­zu­legen, sagt ein Ex-Mit­ar­beiter. Und in Finanz­di­rek­torin Chris­tina Rühl-Hamers habe er eine kon­ge­niale Part­nerin, die ihm bei seinen vielen Ver­bands­ver­pflich­tungen stets den Rücken frei­halte. 

Peters schaut aus dem Fenster auf die Groß­bau­stelle am Berger Feld mit ihren Trai­nings­plätzen, hinter denen majes­tä­tisch die Arena thront. All das ist unter seiner Ägide ent­standen. Doch er weiß, dass nicht sein Name in Zukunft mit diesem Ver­mächtnis in Ver­bin­dung gebracht wird. Statt­dessen wird spe­ku­liert, ob Schalke, sollte die Coro­na­krise andauern, in die Insol­venz schlit­tert: 198 Mil­lionen Euro Ver­bind­lich­keiten drü­cken den Klub. 2019 wurde ein Minus von 26,1 Mil­lionen erwirt­schaftet, weil Schalke durch die schwache Saison Ver­mark­tungs- und TV-Gelder weg­bra­chen und es nicht gelungen ist, den Trans­fer­über­schuss des Vor­jahres zu wie­der­holen, als allein der Ver­kauf von Thilo Kehrer 37 Mil­lionen Euro gebracht hat. Zudem schmä­lern die ambi­tio­nierten Bau­vor­haben die Bilanz. Stimmen mehren sich, dass die Aus­la­ge­rung der Pro­fi­ab­tei­lung unum­gäng­lich werde. Und Karl-Heinz Rum­me­nigge stellt im Spiegel“ Ver­eine an den Pranger, die die For­fai­tie­rung von TV-Gel­dern in Anspruch nehmen. Alles Themen, die Peters als Finanz­chef in Zug­zwang bringen. Doch der gibt sich gelassen: Wenn es ein Pro­blem gebe, seien es nicht die Ver­bind­lich­keiten, son­dern dass der Klub womög­lich erneut das inter­na­tio­nale Geschäft ver­passe, erklärt er. Die For­fai­tie­rung des TV-Geldes sei nichts Ver­werf­li­ches, son­dern für einen Klub, der sich struk­tur­be­dingt nur durch Fremd­ka­pital finan­ziere, eine gute Mög­lich­keit, zins­günstig an Liqui­dität zu gelangen. Auch auf die Frage nach der Aus­la­ge­rung hat er eine Ant­wort, die zeigt, warum PP so schwer zu greifen ist: Die Rechts­form des e. V. mit seiner ideellen Welt ist ein Kon­strukt, auf das heute so nie­mand mehr käme. Und die redu­zierte Zahl der e. V. im bezahlten Fuß­ball zeigt, dass diese Rechts­form auch nicht mehr zwin­gend die ideale für so einen Betrieb ist.“ Aber: So wie das Sta­dion die Seele eines Ver­eins ver­kör­pert, ver­kör­pert auch die Rechts­form einen Teil dieser Seele. Und sollten wir erwägen, an dieser Rechts­form etwas zu ver­än­dern, muss das neue Kon­strukt auf Herz und Nieren geprüft und gut sein, denn klar ist: Wir können diese Ent­schei­dung im Nach­hinein nicht mehr rück­gängig machen!“ Wie immer: Alles kann, nix muss!

Dass ein Mensch wie Cle­mens Tön­nies, der Schalke bei Finanz­eng­pässen mit Über­brü­ckungs­kre­diten aus­hilft und seinen Pri­vatjet als Moped“ bezeichnet, einen Zah­len­men­schen wie Peters ins­ge­heim für einen Klein­krämer hält, ist gut vor­stellbar. Peter, du sparst uns noch kaputt“, soll eine wie­der­keh­rende Spitze vom Boss aus Rheda sein. Im Ange­sicht der Corona-Krise bekennt Peters unge­wohnt offen, dass Geld für teure Trans­fers nicht zur Ver­fü­gung stehe. Was ange­sichts der langen Serie von sieg­losen Spielen in der Rück­runde in den Ohren vieler Fans – und nicht zuletzt für Tön­nies – geklungen haben muss, als wolle der Finanz­chef das Kapitel von Schalke als Spit­zen­klub ad acta legen. Die Leute wün­schen sich immer neue Spieler, die Sehn­sucht ist sehr groß“, so Peters. In der gegen­wär­tigen Situa­tion aber muss sehr genau abge­wogen werden, ob das Geld in den Ausbau der Knap­pen­schmiede fließen soll oder in neue Spieler.“ Die Schalker Bas­ket­ball­ab­tei­lung wurde vom Vor­stand gewis­ser­maßen im Hand­streich weg­ra­tio­na­li­siert. Wir müssen uns aufs Kern­ge­schäft kon­zen­trieren.“ Gut mög­lich, dass aus dieser alar­mis­ti­schen Denke heraus auch die Idee zum Här­te­fall­an­trag“ resul­tierte, der am 3. Juni 2020, wenige Stunden nach unserem Gespräch, auf der S04-Home­page erschien. Dau­er­kar­ten­in­haber wurden in knappen Worten ent­lang der gel­tenden Rechts­lage infor­miert, dass sie vor 2022 keine Ent­schä­di­gung für die Geis­ter­spiele erwarten dürften. Es sei denn, ein Kunde sei drin­gend auf das Geld ange­wiesen. Für diesen Fall wurden Kar­ten­in­haber vom Klub auf­ge­for­dert, sich zu erklären: Warum benö­tigst du das Geld unbe­dingt jetzt? Begründe bitte deinen Här­te­fall­an­trag (…), falls mög­lich, füge bitte auch ent­spre­chende Belege an.“

Über man­gelnde Arbeit kann ich mich nicht beklagen.“

Peter Peters

Kaum war der Antrag online, ergoss sich ein Shit­s­torm über den Klub. Sollte das Schreiben von Peters frei­ge­geben worden sein, hat der kühle Rechner unter dem Druck schwa­cher Liqui­dität offenbar für Momente die Seele des Ver­eins aus dem Fokus ver­loren. Diesen Fauxpas jedoch allein Peters anzu­lasten, wäre zu ein­fach. Das Res­sort Kom­mu­ni­ka­tion obliegt im Vor­stand Mar­ke­ting­chef Alex­ander Jobst.

Nach dem Eklat traf sich der Auf­sichtsrat zu einer Sit­zung, in deren Ver­lauf die Demis­sion von Peters beschlossen wurde. Auf eigenen Wunsch“, wie es später vom Klub hieß. Sollte er den Posten nicht aus eigener Initia­tive geräumt haben, geht der Verein ein hohes Risiko ein. Ver­liert Schalke in dieser schwie­rigen Lage doch einen, der genau über alle Gewerke Bescheid weiß und bes­tens im euro­päi­schen Fuß­ball ver­netzt ist. Ganz abge­sehen davon, dass Peter Peters mit einem Jah­res­ge­halt im oberen sechs­stel­ligen Bereich und seinem seit 2012 unbe­fris­teten Anstel­lungs­ver­hältnis nach 27 Berufs­jahren eine Abfin­dung in Mil­lio­nen­höhe zustehen würde.

Nach dem Inter­view lässt er sich geduldig foto­gra­fieren. Er ist zu Scherzen auf­ge­legt, lässt ein­fach laufen, kon­trol­liert nichts. Dann ver­ab­schiedet er sich höf­lich und geht zügig zurück in sein Büro. Sagt: Über man­gelnde Arbeit kann ich mich nicht beklagen. Es gibt der­zeit viele Bau­stellen.“ Wer weiß, viel­leicht erteilt er nur wenige Minuten später die Frei­gabe für den Här­te­fall­an­trag“. Weil es schnell gehen muss. Weil Schalke Geld braucht. Wie so oft.

Plötz­lich ist Peters weg

67 Stunden später, am 5. Juni, klin­gelt in der 11 FREUNDE-Redak­tion das Telefon. Die Schalker Medi­en­ab­tei­lung teilt im Auf­trag von Peter Peters mit, dass er es nicht schaffe, recht­zeitig seine Zitate für den Bei­trag frei­zu­geben. Ob es mög­lich sei, das Por­trät um ein Heft zu ver­schieben? Leider nein, die Aus­gabe #224 geht am Wochen­ende in den Druck. Kurz darauf gibt die Schalker Pres­se­ab­tei­lung Peters O‑Töne, die in dieser Geschichte ent­halten sind, mit nur unwe­sent­li­chen Kor­rek­turen frei.

Kurz nach 14 Uhr meldet sich die Medi­en­di­rek­torin noch einmal, um die Gründe für die Bitte um Ver­schie­bung dar­zu­legen: Sie habe soeben erfahren, dass Peter Peters den FC Schalke 04 zum 30. Juni 2020 ver­lässt. Er habe das Ver­eins­ge­lände ver­lassen und sich gerade tele­fo­nisch aus dem Auto gemeldet. Über Gründe könne sie nichts sagen.