Seite 2: Wie aus dem etwas anderen Verein ein anderer Verein wurde

Und heute? Der FC Bar­ce­lona ist der erste Klub, der, alle Trans­fer­aus­gaben der letzten fünf Jahre zusam­men­ge­rechnet, die Mil­li­ar­den­grenze erreicht: 1,08 Mil­li­arden Euro. Große Spieler stammen sel­tener aus der eigenen Jugend als viel­mehr von anderen großen Ver­einen, von denen sie sich dazu noch weg­ge­streikt haben. Und auf der rot-blauen Brust steht Qatar Air­ways“ oder Rakuten“, was auch immer zur Hölle das sein sollte. Kurzum: Aus dem etwas anderen Verein ist ein anderer Verein geworden.

So richtig begann es im Sommer 2014. Der große FC Bar­ce­lona – das sym­pa­thi­sche Gegen­stück zum teuer zusam­men­ge­kauften, aus unsym­pa­thi­schen Diven bestehenden weißen Bal­lett von Real Madrid – dieser FC Bar­ce­lona holte Luís Suárez. Den Stürmer, der sich im selben Sommer noch in der Schulter von Giorgio Chiel­lini ver­ewigt hatte. Den Transfer von Neymar ein Jahr zuvor fand ich noch gut, ein Bra­si­lianer im Camp Nou, das konnte nur passen, ein neuer Ronald­inho viel­leicht. Aber Luís Suárez? Zu Barca? Ernst­haft?

Ein Haufen Bad Boys

Und in den Jahren darauf sollte es noch dicker kommen: Ous­mane Dem­bélé, Kevin-Prince Boateng und Arturo Vidal hätte ich in dieser Kon­stel­la­tion allen­falls in einem Bravo Sport“-Artikel über die Bad Guys des Fuß­balls erwartet, aber nicht zusammen in einer Mann­schaft des FC Bar­ce­lona. Bei Spielen zuzu­sehen war für mich jetzt wie ein Treffen mit einem ehe­mals guten Freund, den man zwar noch mag, der aber jetzt mit Typen abhängt, mit denen man lieber nichts zu tun haben möchte. Und manchmal wünscht man sich die Zeit zurück, als alles anders war.

Dass Barca die Mil­li­ar­den­marke in Sachen Trans­fer­aus­gaben geknackt hat, ist eine Per­ver­sität, aber eine, die heut­zu­tage nicht mehr wirk­lich über­rascht. Auch früher kaufte der Verein bril­lante Spieler für, an dama­ligen Maß­stäben gemessen, sehr viel Geld. Unter anderen Thiery Henry für 24 Mil­lionen Euro, Samuel Eto’o für 27 Mil­lionen Euro oder eben Ronald­inho für 32 Mil­lionen Euro.

Aus­ge­rechnet Frenkie de Jong

Dass aus­ge­rechnet neben dem jüngsten Transfer von Antoine Griez­mann der Kauf von Frenkie de Jong die letzten Scheine auf die 1,08 Mil­li­arden Euro gepackt hat, ist die andere, per­ver­sere Per­ver­sität. Der 22-Jäh­rige ist schließ­lich genau der Typ Fuß­baller, der eigent­lich aus La Masia zur ersten Mann­schaft kommen müsste: Ein intel­li­genter Spieler mit der Lizenz für den töd­li­chen Pass, nicht über die Physis kom­mend, son­dern über Technik, Auge und Witz. Einer mit einem so erstaun­li­chen Gefühl für Raum und Zeit, dass das Fuß­baller gewor­dene Metronom Andrea Pirlo kürz­lich über ihn sagte: Im Moment gibt es keinen bes­seren Mit­tel­feld­spieler als ihn.“

Eben dieser Spieler kommt nicht aus der eigenen Jugend, son­dern aus der von Ajax Ams­terdam. Aus der Aka­demie, die einst Vor­bild für Bar­ce­lona war, von Johan Cruyff nach Kata­lo­nien impor­tiert wurde und jetzt wieder für Auf­sehen sorgt.