Seite 4: „Rudi, ich bin von der anderen Fakultät“

Bei den nächt­li­chen Aus­flügen lernen die Spieler auch Pop-Art-Künstler Andy Warhol kennen, der mit seiner Entou­rage Stamm­gast im Studio 54“ ist. Warhol ist fas­zi­niert von der Trans­for­ma­tion der Fuß­baller, die nichts vor­geben müssen, um vom Ster­nen­staub erfasst zu werden. Allein ihre Fähig­keiten auf dem Rasen machen aus den Kickern his­to­ri­sche Gestalten. Warhol ist berauscht. »Pelé ist einer der wenigen, die meine Theorie wider­legen«, gibt er zu, »statt 15 Minuten Ruhm sind ihm 15 Jahr­hun­derte vor­be­halten.« Im Sieb­druck­ver­fahren ver­fremdet er im Sommer 1977 Foto­gra­fien von Pelé und Becken­bauer und ver­ar­beitet die Profis zu Kunst. Auch sein Nachbar Nurejew hat einen Narren am Kaiser gefressen. Regel­mäßig lädt er ihn ins River­side Café“ nach Brooklyn zum Essen ein. Eines Tages berührt er beim Des­sert bei­läufig des Kai­sers Knie. Doch Becken­bauer wehrt den Annä­he­rungs­ver­such mit seinem unnach­ahm­li­chen Charme ab: Rudi, ich bin von der anderen Fakultät.“

Spieler haben Sex mit Ste­war­dessen über den Wolken

In den Fol­ge­jahren werden immer mehr Spieler aus den inter­na­tio­nalen Top-Ligen Teil von Cosmos: Carlos Alberto, Johan Nees­kens, Wim Rijs­bergen, sogar Johan Cruyff läuft mal kurz im Trikot der Aus­er­wählten auf. 1980 über­nimmt Hennes Weis­weiler für ein Jahr das Trai­neramt. Cosmos wird zu einer Art Raum­schiff Enter­prise des Welt­fuß­balls, zwi­schen­zeit­lich ver­fügt der Kader über Spieler aus 16 unter­schied­li­chen Nationen. Der Klub geht im Warner-Jet wie eine Rock­gruppe auf Euro­pa­tournee. Weil einige Spieler hoch über den Wolken Sex mit Ste­war­dessen haben, gibt es in der US-ame­ri­ka­ni­schen Presse einen Auf­schrei. Aber wen schert’s? Cosmos ist kein puri­ta­ni­sches Sport­team, son­dern in den aus­ge­henden Sieb­zi­gern eine Super­group der Pop­welt. Der Zuschau­er­schnitt im Giants Sta­dium liegt 1978 und 79 bei fast 50 000.

Und schon kam das nächste große Ding um die Ecke

Steve Ross und seinen Mit­strei­tern gelingt es 1980 sogar, dem lan­des­weiten Sender ABC die Über­tra­gungs­rechte für die NASL unter­zu­ju­beln. Pelé und Becken­bauer sind zu diesem Zeit­punkt schon nicht mehr im Team. Doch als Mas­sen­phä­nomen schei­tert das Unter­nehmen Soccer“ kläg­lich. Mit einem Markt­an­teil von nur 2,7 Pro­zent wird Fuß­ball nach nur einer Spiel­zeit wieder aus dem Pro­gramm bug­siert. Die größte Show der Welt, die die Initia­toren ver­spro­chen haben, fällt ansatzlos beim Kon­su­menten durch. Wie eine Boy­group, die nach wenigen Jahren an den Marotten der Mit­glieder, dem Wahn­sinn des Tour­le­bens und der Ein­tö­nig­keit der Popu­la­rität zugrunde geht, ent­puppen sich auch die Stars von New York Cosmos als Künstler mit einem über­schau­baren Reper­toire. Nach fünf Meis­ter­ti­teln stellt der Klub, als wäre er ein gefal­lenes One-Hit-Wonder, fast unbe­achtet von der Öffent­lich­keit 1985 den Spiel­be­trieb ein. Nicht einen Cent hat Warner mit seiner Mar­ke­ting­idee ver­dient. Für einige Momente wollte uns jeder“, bilan­ziert Cosmos-Keeper Shep Mes­sing, dann kam schon das nächste große Dinge um die Ecke.“

Nur wenige Monate später schließt auch das »Studio 54« für immer seine Pforten.