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Als der Klub am 19. Dezember 1909 gegründet wurde, stand bei der Namens­fin­dung die gleich­na­mige Brauerei im Dort­munder Hoesch-Viertel Pate. Die Grün­dungs­ver­samm­lung fand aller­dings nicht als feucht­fröh­liche Braue­rei­be­sich­ti­gung statt, son­dern durchaus gesittet in einem Neben­raum des Wirts­hauses Zum Wild­schütz“ in der Oes­ter­holz­straße 60, wo sich 50 Mit­glieder der katho­li­schen Jüng­lings­so­da­lität Drei­fal­tig­keit“ ver­sam­melt hatten.

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Wäre es nach Hubert Dewald gegangen, hätte die Grün­dung gar nicht statt­ge­funden. Dem Kaplan der Drei­fal­tig­keits­ge­meinde und Vor­sit­zenden der Jüng­lings­so­da­lität, war der Fuß­ball als rohes, wildes Spiel höchst suspekt. Als Dewald von der Ver­samm­lung erfuhr, eilte er in den Wild­schütz“, wurde aber nicht ein­ge­lassen. Am Ende grün­deten 18 ver­blie­bene katho­li­sche Jung­männer die Borussia.

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Exis­ten­zi­elle Finanz­krisen sind keine Errun­gen­schaft der Dort­munder Neu­zeit. Schon 1928 schrammte der Klub haar­scharf am Kon­kurs vorbei. Um sport­lich durch­zu­starten hatte der Vor­stand Ver­si­che­rungs­po­licen in Höhe von 12.000 Reichs­mark beliehen und damit der lokalen Kon­kur­renz die besten Spieler weg­ge­kauft. Fatal aller­dings: Die Truppe kickte mise­rabel, die 12.000 Mark hatten sich als­bald ver­flüch­tigt. Dass Prä­si­dent Dr. Heinz Schwaben die feh­lende Summe aus der eigenen Tasche zahlte, ret­tete den Klub in letzter Minute.

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August Lenz trug am 28. April 1935 gegen Bel­gien als erster Borusse das Natio­nal­trikot. Der Mit­tel­stürmer hatte bei den Dort­mun­dern zunächst im Tor gestanden. Erst als sich beim Spiel gegen den TBV Men­gede Angreifer Hannes Jaku­bo­witz ver­letzte, wech­selte Lenz in den Sturm und schoss prompt Tore am Fließ­band. Lenz führte den BVB zu zwei Ober­liga-Meis­ter­schaften und sollte 1938 gar zum dama­ligen Bran­chen­primus Schalke 04 wech­seln. Ernst Kuzorra hatte Ver­eins­prä­si­dent Fritz Papa“ Unkel bedrängt, den Wechsel in die Wege zu leiten. Unkel ent­geg­nete Kuzorra: Eher gehst du zur Borussia, als dass der Lenz den Bor­sig­platz ver­lässt.“

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Ernst Kuzorra, der ein­ge­fleischte Schalker, fand tat­säch­lich noch den Weg nach Dort­mund. Kuzorra hatte seinen Schwager Fritz Thelen als neuen BVB-Coach vor­ge­schlagen. Weil der nicht sofort ver­fügbar war, lei­tete Kuzorra selbst acht Wochen lang das Dort­munder Trai­ning. Was für einen mit­tel­schweren Andrang Dort­munder Kibitze am Borussia-Platz sorgte.

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Bei­nahe hätte der BVB schon vor der Jahr­hun­dert­wende sein rundes Jubi­läum feiern können. In den Nach­kriegs­wirren schaffte es Fritz Kau­er­mann, damals beim Arbei­ter­sport und später Sport­de­zer­nent, den Klub kurz­zeitig in Sport­ge­mein­schaft Borussia von 1898“ umzu­be­nennen. Nach ein paar Wochen besann man sich aber des wahren Grün­dungs­da­tums.

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Manch ein Spieler nahm grö­ßere Ent­beh­rungen auf sich, um im schwarz­gelben Dress anzu­treten. Kurz nach dem Krieg ver­passte Max Mich­allek den Zug zum Spiel in Berlin, heu­erte aber im Fol­gezug als Heizer an. Weil die BVB-Funk­tio­näre an der Inter­zo­nen­grenze Bescheid gesagt hatten, pas­sierte Mich­allek unge­hin­dert den rus­si­schen Kon­troll­punkt. Die sowje­ti­schen Offi­ziere ver­kün­deten: Du Fuß­baller Michailow. Du wei­ter­fahren.“ Glück­lich aber ruß­ge­schwärzt sprang Mich­allek schließ­lich in Berlin von der Loko­mo­tive, der Ein­satz hatte sich gelohnt. Dort­mund gewann gegen den BSV 92 mit 5:0.

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Auf den Weih­nachts­feiern des BVB gab es wie anderswo auch alko­hol­be­dingte Aus­fälle zu ver­melden. So bekam auf der Jah­res­end­feier 1966 ein ver­dutzter Pres­se­fo­to­graf von Siggi Held und Lothar Emme­rich auf die Mütze, nachdem er die beiden foto­gra­fiert hatte. Der Vor­sit­zende Steegmann kün­digte wut­schnau­bend Dis­zi­pli­nar­maß­nahmen an, später aber ent­schul­digten sich die beiden Spieler.

9?
Stör­ri­scher als die beiden ein­sich­tigen Rauf­bolde erwies sich Her­mann Stra­schitz, den Her­mann Eppen­hoff 1964/65 von For­tuna Düs­sel­dorf zu den Dort­mun­dern geholt hatte. Stra­schitz ver­wei­gerte vor dem Spiel gegen Mön­chen­glad­bach die Teil­nahme am Abschluss­trai­ning, zuvor wolle er wissen, ob er denn spiele. Tat er nicht, die Dort­mun­dern gewannen auch ohne ihn mit 5:4.

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Für andere Kicker setzten sich schon mal die Mann­schafts­ka­me­raden ein. Als Erich Schanko unmit­telbar vor dem Meis­ter­schafts­end­spiel 1956 gegen den Karls­ruher SC mit­ge­teilt bekam, sein Ver­trag werde nicht ver­län­gert, wurde umge­hend eine Spie­ler­de­le­ga­tion unter Füh­rung von Addi Preißler beim Vor­stand vor­stellig und prä­sen­tierte eine Ver­hand­lungs­basis, die wenig Raum für Kom­pro­misse ließ: Wenn Erichs Ver­trag nicht ver­län­gert wird, dann spielen wir heute nicht.“ Ein Angebot, das der Vor­stand nicht ablehnen konnte.

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In der Saison 1974/75 bekannte sich die Borussia erst­mals auch auf dem Trikot zur Hei­mat­stadt. Auf dem Rücken stand fortan und bis heute Dort­mund“, die Brust der Kicker zierte das von der WM übrig geblie­bene Dort­munder WM-Wappen mit den Ingre­di­en­zien Blumen, Fern­seh­turm und Fuß­ball.

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Als Stan Libuda Borussia Dort­mund 1965 im End­spiel des Euro­pa­po­kals der Pokal­sieger gegen den FC Liver­pool mit 2:1 in Füh­rung schoss, beschäf­tigte den Flü­gel­mann nicht der her­an­na­hende größte sport­liche Erfolg einer deut­schen Mann­schaft seit dem Tri­umph der Her­berger-Elf 1954, son­dern eine sehr welt­liche Frage. Zu Lothar Emme­rich sagte er: Mensch Emma, jetzt müssen wir die 10.000 Mark nicht bezahlen.“ Tags zuvor hatte Trainer Willi Mult­haupt die beiden Kicker beim Zocken erwischt und gedroht: Wenn ihr morgen ver­liert, zahlt jeder 10.000 Mark Strafe.“

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Das West­fa­len­sta­dion wurde zur WM im eigenen Land errichtet, obwohl die Borussia damals nur in der Regio­nal­liga kickte und oben­drein chro­nisch klamm war. Im Eröff­nungs­spiel unterlag der BVB dem FC Schalke klar mit 0:3. Immerhin konnten sich die Dort­munder trösten, dass kein Schalker das erste Tor im neuen Sta­dion geschossen hatte, son­dern eine junge Frau mit dem urwest­fä­li­schen Namen Mar­ga­rethe Schä­fer­hoff, im Vor­spiel zwi­schen TBV Men­gede und VfB Waltrop.

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Die erste sport­liche Heim­statt des BVB war nicht die Rote Erde“, son­dern die Weiße Wiese“ an der Wam­beler Straße unweit des Bor­sig­platzes. Ursprüng­lich nur ein nor­maler Sport­platz, auf dem nach jedem Spiel die Tore wieder abge­baut wurden, baute man den Platz 1924 zu einem Sta­dion um, bei seiner Ein­wei­hung passten rund 10?000 Zuschauer hinein. 1937 musste der BVB umziehen, die Hoesch AG, deren Expan­sion die Nazis for­cierten, benö­tigte den Sport­platz.

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Der BVB ist der mit weitem Abstand größte Dort­munder Fuß­ball­klub, der erste Fuß­ball­verein der Stadt jedoch hieß Dort­munder Fuß­ball-Club 95, gegründet von Pen­nä­lern des Real­gym­na­siums in der Lui­sen­straße im Dort­munder Süden.

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Frühe Tage des Mar­ke­tings: Weil der neue Sponsor, der hol­län­di­sche Tabak­kon­zern Samson, einen Löwen im Fir­men­logo führte, zierte dieser in der Saison 1976/77 auch das BVB-Wappen. Damit nicht genug, auch ein, aller­dings noch sehr junger, Löwe namens Sambo wurde dem Klub als Mas­kott­chen über­geben.

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Zu den bekann­testen Fehl­ein­käufen gehörte im Jahre 1998 der Karls­ruher Thomas Häßler. Als Antreiber im Mit­tel­feld geholt, wusste Trainer Michael Skibbe mit dem etwas ange­jahrten Welt­meister nichts anzu­fangen. So saß Häßler also vor­wie­gend auf der Ersatz­bank und blickte unnach­ahm­lich depri­miert. Höhe­punkt des trä­nen­feuchten Melo­drams: Vor der Ver­län­ge­rung gegen den FC Schalke schleppte der Veteran Was­ser­fla­schen für die Kame­raden herbei. Intel­lek­tu­elle Tiefe kam später in die Dis­kus­sion, als Häß­lers Gattin Angela keifte: Was der Herr Skibbe denkt, inter­es­siert uns einen Scheiß­dreck.“

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Als die Dort­munder Spieler nach gewon­nener Meis­ter­schaft 1956 im Zug zurück in die Heimat fuhren, waren auch die Spie­ler­frauen dabei. Die Vor­stel­lung, die Gat­tinnen könnten auch beim Emp­fang in Dort­mund mit von der Partie sein, trieb dem wert­kon­ser­va­tiven Vor­stand den Schweiß auf die Stirn. Also ersann die Ver­eins­füh­rung einen per­fiden Trick. Im Son­derzug wurden die Spieler in den vor­deren Abteilen plat­ziert, die Damen hin­gegen im hin­teren Zug­teil. In Hamm sollte nun der letzte Waggon heim­lich abge­kop­pelt werden. Als die Spieler vom geplanten Wild­west-Manöver erfuhren, mar­schierten sie kur­zer­hand geschlossen nach hinten, auf die Abkop­pe­lung wurde ver­zichtet.

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Eitel­keit machte auch vor Dort­munder Funk­ti­ons­trä­gern nicht halt: Her­mann Lin­de­mann, 1969 als Trainer des BVB ver­pflichtet, wei­gerte sich trotz ärzt­lich attes­tierter Kurz­sich­tig­keit, dau­er­haft eine Brille zu tragen. Was zu einem unver­gess­li­chen Dialog zwi­schen Lin­de­mann und einem BVB-Abwehr­mann führte: Sagen Sie einmal, warum ist Ihr direkter Gegen­spieler in der 85. Minute völlig frei­ste­hend vor unserem Tor zum Schuss gekommen?“ Die ent­waff­nende Ant­wort: Das war ein Elf­meter, Trainer!“

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Viel­leicht hätte sich Sepp Maier, der einmal wäh­rend eines Spiels ver­geb­lich auf Tau­ben­fang ging, beim BVB-Mit­tel­feld­mann Zoltan Varga nach der rich­tigen Taktik erkun­digen sollen. Varga schlich sich unauf­fällig an eine Taube an, die wäh­rend eines Heim­spiels im Dort­munder Straf­raum her­um­ge­flat­tert war. Dann eine geschickte Kör­per­täu­schung, ein Pan­ther­sprung und schon hatte Vargas das Feder­vieh erwischt – unter dem tosenden Applaus der Anhänger.

21
Weniger inte­gra­tiven Humor bewies Dort­munds Natio­nal­keeper Hans Til­kowski. Als ihm einmal wäh­rend eines Spiels ein Eis­ver­käufer ein Hörn­chen Eis anbot, lehnte Til­kowski dan­kend ab. Er wollte sich aufs Spiel kon­zen­trieren. Obwohl er ja noch eine Hand frei gehabt hätte.

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Sein Schalker Kol­lege Nor­bert Nigbur hin­gegen sagte nicht nein, als in der Roten Erde“ ein Rolli-Eis-Ver­käufer“ den Rasen betrat, um dem Keeper ein Drei-Kugel-Eis zu offe­rieren. Nigbur, der sich zuvor in seinem Tor sicht­lich gelang­weilt hatte, nahm’s dan­kend an.

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Ingo Ander­brügge, Jacek Jarecki und Jürgen Weg­mann hießen die Haupt­ak­teure der wohl dra­ma­tischsten Minuten, die das West­fa­len­sta­dion je erlebte. Zweites Rele­ga­ti­ons­spiel der Saison, Sekunden vor Schluss braucht der BVB gegen den Zweit­li­gisten For­tuna Köln ein drittes Tor, um nicht abzu­steigen. Mit dem Mute der Ver­zweif­lung drischt Ander­brügge schließ­lich den Ball in den Straf­raum, For­tuna Keeper Jarecki kann nur abklatschten, Weg­mann schnellt heran. Den anschlie­ßenden Schrei, der durchs West­fa­len­sta­dion gellte, beschreiben viele Anhänger noch heute als den ergrei­fendsten Moment ihres Fuß­ball­le­bens.

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Die ersten ver­steckten Zah­lungen des BVB an seine Spieler datieren bereits aus dem Jahr 1923. Damals ersetzte der Klub jedem Spieler Fahrt­kosten zum Spiel nach Essen in Höhe von einer Mark. Dabei war die Mann­schaft gemeinsam auf zwei Last­wagen zum Spiel gefahren.

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Zehn Jahre nach seiner Grün­dung gab sich der BVB eine Spiel­ord­nung, die eigent­lich selbst­ver­ständ­lich schei­nende Sach­ver­halte noch einmal klären musste. Zitat: Spieler, die den Anord­nungen des Spiel­füh­rers nicht nach­kommen, kann der­selbe vom Spiele aus­schließen. Ins­be­son­dere ist den Spie­lern das Rau­chen wäh­rend der Spiele unter­sagt.“