Es ist einer meiner stol­zesten Augen­blicke als Trainer. Zig­tau­send Chi­nesen skan­dieren im Pekinger Volks­sta­dion immer wieder meinen Vor­namen auf chi­ne­sisch: Ludi, Ludi, Ludi!“ hallt der Chor rundum. Immer wieder rufen die sonst gegen­über Fremden zurück­hal­tenden Zuschauer Ludi, Ludi“ und Schä-ni“, was Ger­many heißen soll.

Der ganz große Bahnhof für den Neu­ling

Ich sitze bewegt mit feuchten Augen auf der viel zu nied­rigen höl­zernen Trai­ner­bank und schlucke tro­cken. Meine chi­ne­si­sche Olympia-Aus­wahl hat gerade 1:0 gegen den kom­mu­nis­ti­schen Bru­der­staat Nord­korea gewonnen. Als ich im Auf­trag des Natio­nalen Olym­pi­schen Komi­tees 1991 in den Fernen Osten flog, war ich natür­lich skep­tisch gewesen. Mein Freund Walther Tröger vom IOC hatte die Sache ange­leiert, ich hatte einen voll gepackten Ter­min­ka­lender, kannte weder Land noch Leute und konnte natür­lich auch ihre Sprache nicht. Nicht ein Wort.

Auf dem Flug­hafen in Peking traute ich dann meinen Augen nicht. Mir kam es vor, als ob alle Fern­seh­ka­meras von China auf mich gerichtet wären. Dieser Auf­wand konnte nicht mir, son­dern nur einem ganz hohen Tier gelten. So dachte ich jeden­falls und ver­suchte mich ver­schämt durch den Wald von Mikro­phonen hin­durch­zu­schlän­geln. Doch ich hatte mich getäuscht. Die chi­ne­si­schen Medien und der Sport­mi­nister gaben mir, dem deut­schen Fuß­ball­trainer, die Ehre des ganz großen Emp­fangs. Das war kein Zufall. Mit dem fürch­ter­li­chen Mas­saker auf dem Tian’anmen-Platz 1989 hatte sich die poli­ti­sche Füh­rung Chinas inter­na­tional ins Abseits gestellt. Über den Sport wurden die Fäden neu geknüpft, und ich war der erste pro­mi­nente west­liche Aus­länder, der in offi­zi­eller Mis­sion wieder nach China kam.

Ein voller Ter­min­plan

Zweck meiner Tätig­keit sollte in erster Linie die Arbeit mit der chi­ne­si­schen Jugend­aus­wahl sein, die vom chi­ne­si­schen Fuß­ball­ver­band als Olympia-Aus­wahl nomi­niert worden war. Ganz nebenbei“ sollte ich noch zwei Trai­ner­lehr­gänge, einen Kurz­lehr­gang in Shanghai für Jugend­trainer, sowie einen Zen­tral­kurs für die chi­ne­si­sche Spit­zen­coachs in Kanton leiten. Wei­terhin standen Wochen­end­kurse für Schieds­richter in Peking und ein Seminar für Schul­kinder in Dalian im öst­li­chen China auf dem Pro­gramm – also Fuß­ball­ent­wick­lungs­hilfe, die ihren Namen ver­dient.

Na, dann mal in die Hände gespuckt.