Wel­ches Spiel, dass Du live im Sta­dion gesehen hast, hat Dich am meisten gepackt?
Leider war ich nicht bei den offen­sicht­lich besten Spielen der WM, wie Bel­gien gegen Bra­si­lien, Argen­ti­nien gegen Frank­reich und Spa­nien gegen Por­tugal. Aber das Halb­fi­nale zwi­schen Kroa­tien und Eng­land hat mich elek­tri­siert, weil es phan­tas­tisch war, wie die Kroaten aus ihrer Erschöp­fung doch wieder her­aus­fanden und Eng­land nie­der­ge­rungen haben. Das war ein­fach großer Sport.

Was war die schlech­teste Mann­schafts­leis­tung, die Du gesehen hast?
Gemessen an den Mög­lich­keiten war es Deutsch­lands Spiel gegen Süd­korea. Total leblos und depri­mie­rend. Eine Implo­sion, das Ende einer Mann­schaft.

Wel­chen Spieler hat Du am liebsten gesehen?
Die rich­tige“ Ant­wort wäre natür­lich: Luka Modric. Und natür­lich ist Kylian Mbappé der Spieler, über den wir in den nächsten Jahren am meisten reden werden. Aber wie N’Golo Kanté auf dem Platz höchste Energie und kühle Abge­klärt­heit kom­bi­niert, hat mich beson­ders fas­zi­niert.

Wer hat Dich am meisten positiv über­rascht?
Ich mag Mario Man­dzukic eigent­lich nicht, weil er immer eine gewisse Bös­ar­tig­keit und Nie­der­tracht in seinem Spiel hat. Aber irgend­wann konnte ich mich ein­fach nicht mehr seinem fana­ti­schen Sie­ges­willen ent­ziehen.

Wel­cher Spieler hat Dich am meisten ent­täuscht?
Sami Khe­dira. Nach seiner guten Saison in Ita­lien hatte ich ange­nommen, dass er einer der deut­schen Schlüs­sel­spieler werden würde. Das war er auch, aber als leere Behaup­tung.

Wel­cher WM-Trend wird sich in den Ver­eins­fuß­ball fort­setzen?
Die Zahl der Stan­dard­tore wird weiter steigen. Auch der letzte Trainer hat jetzt ver­standen, dass es sich lohnt, sie zu trai­nieren.

Welche WM-Stadt hat Dir am besten gefallen?
Leider war ich nur zwei Tage in St. Peters­burg, aber die Stadt ist von ihrer Schön­heit und ihrem kul­tu­rellen Angebot so über­wäl­ti­gend, dass ich da gerne nochmal hin­möchte. Aber auch diese gigan­ti­sche Energie von Moskau hat mich mit­ge­rissen.

Wel­ches WM-Sta­dion fan­dest Du am besten?
Ich habe eine Schwäche für Sta­dien am Meer, und das Fischt-Sta­dion in Sot­schi liegt nicht nur phan­tas­tisch, son­dern passt sich auch archi­tek­to­nisch wun­derbar ein. Als Fuß­ballfan gefiel mir das Spartak-Sta­dion in Moskau am besten, weil es durch seine Enge und Steil­heit ideal für eine inten­sive Atmo­sphäre ist.

Was hat Dich an Russ­land als Land am meisten über­rascht? 
Es wirkte weniger grimmig und ver­schlossen als ich das erwartet hatte. Auch hatte ich viel weniger das Gefühl, kon­trol­liert zu sein, aber das war sicher­lich eine WM-Son­der­si­tua­tion. Und mir war nicht klar, wie sehr Russ­land ein Viel­völ­ker­staat mit starkem asia­ti­schen Ein­schlag ist.

Was hat Dich am meisten fas­zi­niert? 
Die Metro in Moskau, womit ich weniger die palast­ar­tigen Sta­tionen meine als die welt­wun­der­hafte Prä­zi­sion mit der teil­weise alle 40 Sekunden die Züge kommen und dank der nie etwas nicht funk­tio­nierte.

War die WM in Russ­land denn nun ein Sport­er­eignis oder eine Prop­gan­da­ver­an­stal­tung?
Beides. Wobei die ver­ach­tens­wer­teste Figur Gianni Infan­tino war, weil er die Mög­lich­keiten des Fuß­balls für etwas Gutes zu stehen, nicht einmal ansatz­weise zu nutzen ver­suchte.

Wel­ches außer­sport­liche Erlebnis wird Dir von der WM in Erin­ne­rung bleiben? 
Wie Olga, die Ver­mie­terin unserer Unter­kunft in Nischni Now­gorod, ent­setzt fest­stellte, dass wir von ihrer Stadt nur das Sta­dion und ihre Woh­nung sehen würden. Also hat sie uns nachts eine Stunde lang her­um­ge­fahren. Das war einer­seits Aus­druck von Lokal­pa­trio­tismus aber auch einer rüh­renden Begeis­te­rung dar­über, mit Men­schen aus dem Aus­land reden zu können.