Carsten Jancker, Ihr ehe­ma­liger Verein Shanghai Shenhua hat wäh­rend der Win­ter­pause Nicolas Anelka ver­pflichtet. Was macht den Reiz für solch einen Spieler aus nach China zu wech­seln?
Carsten Jancker: Ich will ihm nicht zu nahe treten, aber ein Nicolas Anelka wech­selt wahr­schein­lich nicht allein wegen der sport­li­chen Per­spek­tive nach China, son­dern weil er sicher ein sehr lukra­tives Angebot vom Verein bekommen hat. Viel­leicht ist er ja auch aben­teu­er­lustig. 

Wie ist die Liga sport­lich ein­zu­ordnen?
Carsten Jancker: Fuß­bal­le­risch ist die Liga auf dem Niveau der dritten Liga in Deutsch­land. 

Vor zehn Jahren war Jörg Albertz der erste wirk­lich pro­mi­nente Spieler, der aus Europa nach China wech­selte. Nun stand sogar Didier Drogba kurz vor einem Wechsel nach Shanghai. Was ist da los in China?
Carsten Jancker: Ich denke, dass da richtig was pas­siert. Mit dem zuneh­menden Reichtum gibt es auch mehr Inves­toren für den Fuß­ball. Bei Shanghai Shenhua wird ein neuer Finan­zier an Bord sein, der jetzt Meister werden will und mit Anelka einen Riesen-Fisch an Land gezogen hat. 

Wel­ches Poten­zial hat der chi­ne­si­sche Fuß­ball?
Carsten Jancker: Schon wegen der Masse der Leute ist da ein großes Poten­tial. Wenn man sich end­lich gezielt auf den Fuß­ball kon­zen­triert, kann sich eine sehr gute Liga und auch eine erfolg­reiche Natio­nal­mann­schaft ent­wi­ckeln. 

Wie populär ist der Fuß­ball in China?
Carsten Jancker: In Shanghai war der Zuschau­er­zu­spruch ziem­lich groß. Zu unseren Heim­spielen kamen unge­fähr 20.000 Fans. Bei Aus­wärts­spielen, zu denen man schon mal vier Stunden geflogen ist, waren aber teil­weise nur 2000 bis 3000 Zuschauer. 

Sie sind 2006 für ein halbes Jahr nach Shanghai gewech­selt. Was wussten Sie vor ihrem Wechsel vom Fuß­ball in China?
Carsten Jancker: Eigent­lich über­haupt nichts.

Sie haben sich also in das Aben­teuer gestürzt ohne zu wissen, was Sie erwartet?
Carsten Jancker: Nicht ganz, denn ich war vor der Ver­trags­un­ter­zeich­nung zwei oder drei Tage beim Pro­be­trai­ning. Da konnte ich sehen, dass der Verein gute Bedin­gungen bietet. Wir hatten einen Trainer, der an der Sport­hoch­schule Köln aus­ge­bildet wurde, min­des­tens zehn Rasen­plätze und eigene Räume für jeden Spieler. 

Sie mussten sich nicht groß umstellen?
Carsten Jancker: Fuß­ball ist Fuß­ball. Wir hatten 22 Spieler auf dem Platz und auch der Trai­nings­aufbau hat sich nicht weiter von dem Gewohnten unter­schieden. Aber Shanghai war schon ein Kul­tur­schock. Die Men­schen­massen in der Stadt waren unge­wohnt, alles war so groß und hek­tisch. Dort leben 20 Mil­lionen Men­schen und es gibt es ver­mut­lich ebenso viele Taxen. Beim Ein­kaufen wurden mir leben­dige Kröten ange­boten und auch das Essen mit der Mann­schaft war gewöh­nungs­be­dürftig. Aber das größte Pro­blem ist die Sprache. Eng­lisch ist nicht so ver­breitet und Chi­ne­sisch ist keine Sprache, die man nebenher lernen kann.

Hat man Sie auf der Straße erkannt?
Casten Jancker: Man kannte mich von der Welt­meis­ter­schaft 2002 in Japan und Süd­korea. Und natür­lich bin ich mit meiner Größe und den blonden Haaren auf­ge­fallen. 

Jörg Albertz, der zwi­schen 2003 und 2005 eben­falls für Shanghai spielte und Ernst Mid­den­dorp, der kurz­zeitig Trainer von Chang­chun war, berich­teten nach ihrer Zeit von mas­siven Kor­rup­ti­ons­fällen. Haben Sie ähn­liche Erfah­rungen gemacht?
Casten Jancker: Ich weiß, dass so etwas in der Liga vor­ge­kommen ist, war aber nicht direkt betroffen. Wenn man im Nach­hinein dar­über nach­denkt, kommen einem schon einige Zweifel. Als ich dort war, habe ich aber nicht dar­über nach­ge­dacht.