Manchmal lassen sich kom­pli­zierte Dinge recht leicht erklären. Dass Hertha BSC im Moment zum Bei­spiel ver­gleichs­weise erfolg­reich spielt und – trotz starker Gegner – dreimal hin­ter­ein­ander nicht ver­loren hat. Zumin­dest glauben manche, dass sich das recht leicht erklären lässt. Mit dem sand­far­benen Kamel­haar­mantel näm­lich, den Her­thas Trainer Bruno Lab­badia in genau diesen drei Spielen getragen hat. Der Mantel ist wei­terhin unge­schlagen.

Natür­lich ist das eine recht naive Sicht auf die Dinge. In erster Linie macht’s die Mann­schaft“, hat Lab­badia nach dem 1:1 beim Cham­pions-League-Ach­tel­fi­na­listen Borussia Mön­chen­glad­bach gesagt. Das hat mit dem Mantel nichts zu tun.“ Genauso gut könnte man Her­thas aktu­elle Erfolgs­strähne auf das Mit­wirken von Mattéo Guen­douzi zurück­führen. Auch das wäre eine sehr ver­kürzte Dar­stel­lung. Der Rea­lität aber käme sie deut­lich näher.

Anfang Oktober hat Hertha den 21 Jahre alten Mit­tel­feld­spieler vom FC Arsenal aus­ge­liehen; Anfang November stand er erst­mals auf dem Platz – und seitdem hat Hertha in der Fuß­ball-Bun­des­liga von sechs Spielen nur noch eins ver­loren. Ohne Guen­douzi holte die Mann­schaft 0,6 Punkte im Schnitt, mit ihm 1,5.

Er ist ein sehr, sehr guter Fuß­baller“

Labbadia über Guendouzi

Auch wenn solche sta­tis­ti­schen Werte nicht zuletzt wegen der geringen Daten­basis nicht über­höht werden dürfen: Guen­douzi, der Kapitän der fran­zö­si­schen U‑21-Natio­nal­mann­schaft, tut Hertha gut. Für uns ist er schon sehr, sehr wert­voll“, sagt Lab­badia. Wir sind froh, dass wir ihn ver­pflichten konnten.“

Dass er am Samstag in Mön­chen­glad­bach auch noch sein erstes Bun­des­li­gator erzielt hat, als er mit einem Schlenzer von der Straf­raum­grenze zum 1:0 traf, das ist vor allem ein ange­nehmer Neben­ef­fekt. Es ist nicht unbe­dingt seine Spe­zia­lität“, sagt Lab­badia. Aber wie er das gemacht hat, das war klasse. Das zeigt ein­fach seine Technik.“ Guen­douzi ist bisher in der Tat nicht als Tor­jäger auf­ge­fallen. In knapp 120 Spielen als Profi hatte er zuvor nur ein ein­ziges Mal getroffen, im Oktober 2018 in einem Europa-League-Spiel für Arsenal gegen Qarabag Agdam.

Der junge Fran­zose hat andere Qua­li­täten, die für Her­thas Mann­schaft wichtig sind. Er ist extrem ball­si­cher, dadurch für seine Mit­spieler jeder­zeit anspielbar, spiel­in­tel­li­gent und griffig in den Zwei­kämpfen. Gegen die Glad­ba­cher brachte Guen­douzi 92 Pro­zent seiner Zuspiele an den eigenen Mann und gewann 56 Pro­zent seiner Zwei­kämpfe. Von allen Defen­siv­spie­lern seines Teams kam nur Innen­ver­tei­diger Dedryck Boyata auf eine bes­sere Quote (57 Pro­zent). Er ist ein sehr, sehr guter Fuß­baller, der ein gutes Raum­ge­fühl hat und tech­nisch sehr stark ist“, sagt Lab­badia.