Seite 3: „Wir entscheiden alles im Verbund“

Worum ging es genau?
Das Haupt­thema waren per­so­na­li­sierte Tickets und die Aus­gabe dieser Tickets, die leider erst am Spieltag selbst erfolgte. Außerdem wurde den Fans die Anreise zum Derby vor­ge­schrieben. Der Verein hat diese Auf­lagen etwas unglück­lich ver­kauft. Die aktive Fan­szene hat sich dar­aufhin zu einem Boy­kott der Spiele ent­schlossen, unter dem wir als Spieler gelitten haben. Wenn der Sup­port fehlt, dann hat das Aus­wir­kungen auf den Rasen, auch wenn man das nicht in Punkten oder Toren bemessen kann. Wir haben Herrn Kind ein­fach gesagt, wie wir dazu stehen. Mehr konnten wir nicht machen. Zum Glück wurde der Boy­kott später auf­ge­hoben.

Sie haben mal gesagt, dass die Ultras falsch wahr­ge­nommen werden.
Ultras werden in vielen Medien immer mit Gewalt in Ver­bin­dung gebracht. Ver­stehen Sie mich nicht falsch: Ich ver­ur­teile auch jede Form von Gewalt, das hat im Fuß­ball nichts zu suchen. Doch Ultras stehen für mich unter anderem für die Ein­glie­de­rung von Fans: Sie orga­ni­sieren die Bus­fahrten, Spen­den­ak­tionen, Ver­an­stal­tungen. Sie schaffen ein Gemein­schafts­ge­fühl. Diese soziale Kom­po­nente sollte man auch wert­schätzen.

Zu Ihrem Abschied hielten Ultras von Han­nover 96 ein Trans­pa­rent hoch. Darauf war Ihr Tor­jubel in Kopen­hagen zu sehen.
Alle Fans, die inter­na­tional aus­wärts unter­wegs sind, singen dieses Lied: Erste Runde Buka­rest, zweite Runde Rom, in Kopen­hagen schellt das Telefon.“ Als wir mit 96 inter­na­tional spielten, herrschte eine unglaub­liche Euphorie im Klub. Dann spielten wir aus­ge­rechnet in Kopen­hagen, ich erzielte das Siegtor. Wir waren damit weiter, mir kam direkt diese Text­zeile in den Sinn. Ich lief also zum Fan­block und imi­tierte einen Tele­fon­anruf. Das war schon ein geiles Gefühl.

Sie spielten mit 96 nicht nur in Europa, son­dern auch gegen den Abstieg. Ist es für einen Spieler eine höhere Belas­tung, wenn er sich so mit dem Klub iden­ti­fi­ziert und weiß, was auf dem Spiel steht?
Nein, wenn ich auf dem Platz stehe, dann bin ich ein ganz nor­maler Kicker. Dann zählt nicht, ob ich ein Fan­lied kenne oder mich mit den Ultras aus­tau­sche. Aber klar: Es war schwer, damals abzu­schalten. Wenn ich mit­tags mal in der Stadt einen Kaffee trinken gegangen bin, haben die Leute mich direkt auf den Abstiegs­kampf ange­spro­chen. Im End­ef­fekt ist es aber immer ein Vor­teil, wenn die Stadt so an einem Verein hängt.

Wie nehmen Sie die Unter­stüt­zung in Glad­bach wahr?
Ich fand es immer super, wenn ich aus­wärts in Glad­bach gespielt habe. Das hat schon eine Rolle bei meinem Wechsel gespielt. Und das ist jetzt kein Gefasel: Die Atmo­sphäre in Glad­bach ist außer­ge­wöhn­lich in Europa. Nehmen Sie als Bei­spiel den Sai­son­auf­takt gegen Lever­kusen. Klar, Vor­freude auf das erste Spiel, ambi­tio­nierter Gegner, warmes Wetter, viel­leicht auch viele Getränke – die Rah­men­be­din­gungen waren schon mal super. Doch es war dann doch der Wahn­sinn, was hier beim 2:1 abge­gangen ist. Die Hütte ist explo­diert. 

Ihr Start in Glad­bach im letzten Jahr war etwas holprig, Sie spielten anfangs eher im Mit­tel­feld. Unter André Schu­bert blühten Sie auf. Wie kam es dazu?
Wir hatten letztes Jahr ins­ge­samt einen schlechten Sai­son­start, auch ich war nicht gut. Beim Spiel in Köln saß ich dann 90 Minuten auf der Bank, das war damals legitim, aber trotzdem eine neue Erfah­rung für mich. André Schu­bert hat mich nach seinem Amts­an­tritt nach vorne gestellt, in die Spitze mit Raf­fael. Seitdem habe ich eigent­lich in allen Wett­be­werben getroffen und meine Effek­ti­vität ver­bes­sert. Die Posi­tion ist für mich opti­maler. Vorne drin kann ich meine Qua­li­täten am besten ein­bringen.