Lutz Schenk, Sie leben in dem kleinen, badi­schen Win­zerort Brit­zingen. Wie weit war es von dort zum Team Africa“?
Wir haben seit etwa einem Jahr ein Flücht­lings­heim mit über­wie­gend aus Gambia stam­menden Men­schen. Vor drei Monaten brachte ein Freund zwei der dort woh­nenden Afri­kaner mit zum Fuß­ball­spielen. Nach dem Kick dachten wir: Lass uns das mal richtig machen!“ Beim nächsten Trai­ning standen wir dann mit 40 bis 50 Afri­ka­nern, teil­weise in Bade­lat­schen und Frei­zeit­be­klei­dung, auf einem völlig ver­wahr­losten Platz. Das war die Geburts­stunde des Team Africa“.


Welche Idee steckt dahinter?

Wir haben uns dem Verein SpVgg Hügel­heim ange­schlossen, um am offi­zi­ellen Liga­be­trieb teil­nehmen zu können. Jetzt sind wir neben Wel­come United“ vom SV Babels­berg die ein­zige Mann­schaft in Deutsch­land, die nur aus Flücht­lingen besteht.

Welche Rück­mel­dungen haben Sie von den Spie­lern erhalten?
Alle sind dankbar und glück­lich, dass sie hier sein und Fuß­ball spielen können. Die Ablen­kung ist wohl der größte Segen für sie. Es ist hart, mit seinen Pro­blemen und Sorgen alleine im Flücht­lings­heim sitzen zu müssen. So kommen sie raus, haben posi­tiven Kon­takt mit ihren Mit­men­schen, lernen Land und Leute kennen, helfen und werden inte­griert.

Wie sah die öffent­liche Reso­nanz aus?
Der erste Bericht in der badi­schen Zei­tung wurde zig mal ange­klickt und geteilt. Kein ein­ziger Nazi-Troll hat sich auf unsere Seite ver­irrt. Viele Leute gucken beim Trai­ning zu und ver­helfen den Jungs zu ver­schie­dene Tätig­keiten abseits des Platzes. Die Inte­gra­tion klappt her­vor­ra­gend.

Bei Werder Bremen sorgte jüngst die Ver­pflich­tung des 18-jäh­rigen Spie­lers Ousman Manneh, der aus Gambia floh, für Auf­sehen. Haben Sie auch solche Talente in ihren Reihen?
Wir haben zwei bis drei wirk­lich her­aus­ra­gende Spieler, die defi­nitiv nichts in der Kreis­liga zu suchen haben und sicher­lich auch nicht mehr lange bei uns spielen werden. Sie sagen selber, dass sie in Gambia in der ersten Liga und einer sogar in der Natio­nal­mann­schaft gespielt haben. Das kann sehr gut sein, aller­dings neigen die Jungs auch gerne mal dazu, die eine oder andere Geschichte ein wenig aus­zu­schmü­cken.

Sie haben schon viele Sach­spenden erhalten, unter anderem ein Tor eines benach­barten Ver­eins. Woran fehlt es noch?
Ein zweites Tor fehlt uns in der Tat (lacht). Am wich­tigsten wären jedoch ein paar Men­schen, die hinter dem Pro­jekt stehen und als Betreuer mit­helfen, die Mann­schaft am Wochen­ende auch mal von A nach B zu fahren. Wir bräuchten auch einen fahr­baren Unter­satz.

Was wün­schen Sie sich für die Ent­wick­lung des Team Africa“?
Dass die Jungs in Ruhe Fuß­ball spielen und ihr Leben in Deutsch­land leben können und dass wir sie irgend­wann für andere Ver­eine aus­bilden und wei­ter­geben können. Am wich­tigsten ist uns aber, vor allem in dieser aktuell poli­tisch schwie­rigen Zeit, dass die Men­schen in Deutsch­land mit­kriegen, dass es auch anders geht, dass Inte­gra­tion aktiv funk­tio­niert. Wir möchte ein Zei­chen setzen.