HIN­WEIS: Dies ist nur ein kurzer Auszug aus unserer Titel­ge­schichte. Die gesamte Repor­tage Mär­tyrer aus der Kurve“ lesen Sie in der aktu­ellen Aus­gabe der 11FREUNDE #183.

Mehr Hin­ter­gund­infos zu den Gescheh­nissen von Port Said und Inter­views mit Ultras fin­dest Du hier »>

Das ganze Spiel ver­lief chao­tisch, schon der Anpfiff ver­zö­gerte sich um eine halbe Stunde. Und obwohl Al-Masry zur Pause mit 1:0 führte, stürmten einige hei­mi­sche Fans den Platz und ver­suchten, zum geg­ne­ri­schen Block zu gelangen. Bei Spie­lende, die Gast­geber hatten 3:1 gewonnen, kamen sie wieder. Erst sah es wie eine wilde, aus der Fas­sung gera­tene Sie­ges­feier aus, bei der die hei­mi­schen Fans den Spie­lern aus Kairo nach­jagten, um ihnen Tritte und Schläge zu ver­setzen. Doch dann wen­deten sie sich der Gäs­te­kurve zu, dazwi­schen zwei Reihen behelmter Poli­zisten. Und Unge­heu­er­li­ches geschah.

Die Poli­zisten traten zur Seite und erlaubten den Sturm auf die Gäs­te­kurve. Die Fans von Al-Masry schossen zunächst mit Feu­er­werks­kör­pern, holten dann Knüppel hervor, Macheten so lang wie Unter­arme, abge­bro­chene Glas­fla­schen. Dann erlosch das Flut­licht.

Nie­mand würde raus­kommen

An dieser Stelle, da Fürch­ter­li­ches bevor­steht, will Ahmed Shawkat, der damals mit den Ultras von Al-Ahly in Port Said war, noch vom 27-jäh­rigen Yussuf Muhamed erzählen, einem der ältesten und erfah­rensten Fans in der Kurve. Noch unge­wöhn­li­cher war, dass er Ultra und zugleich Poli­zist war, nie­mand auf seiner Arbeits­stelle durfte das wissen. Muhamed war in der 75. Minute auf die Toi­lette gegangen, und als er kurz danach in die Kurve zurück­kehren wollte, stellte er ver­blüfft fest, dass das Tor am Ende des Trep­pen­hauses ver­schlossen worden war. Es ist bis heute nicht klar, ob dieses Tor mit einem Vor­hän­ge­schloss abge­schlossen oder sogar zuge­schweißt wurde. Eines aber steht unzwei­fel­haft fest: der ein­zige Aus­gang der Gäs­te­kurve war nun blo­ckiert. Nie­mand würde raus­kommen.

Als das Licht im Sta­dion aus­ging und die Bewaff­neten über die Zäune in ihre Kurve stürmten, war Shawkat sofort klar, dass es sich hier nicht um eine aus den Fugen gera­tene Fuß­ball­schlä­gerei han­delte. Er ver­mutet, dass sich unter die Fuß­ball­fans auch Schläger des Regimes gemischt hatten. Das Ziel war jeden­falls ganz klar, uns umzu­bringen“, sagt er. In der all­ge­meinen Panik schlug er kurz vor dem Trep­pen­haus zum Aus­gang hin und fiel aufs Gesicht – dann stellte er sich tot, wäh­rend um ihn herum das Sterben begann.

Lass ihn liegen, der ist doch schon tot“

Fans wurden ersto­chen und erschlagen. Sie wurden über die Brüs­tung am Rand der Tri­büne geworfen und schlugen unten auf dem Asphalt auf. Es kam jemand und wollte mich an den Haaren hoch­ziehen. Aber ein anderer sagte: Komm, lass ihn liegen, der ist doch schon tot.‘“

Die größte Todes­falle jedoch wurde das Trep­pen­haus, Hun­derte flohen voller Panik hierhin. Dort prallten sie auf das ver­rie­gelte Tor, wurden gegen das Gitter gepresst, stürzten über­ein­ander. Auf der anderen Seite stand immer noch der Poli­zist Muhamed. Ohne ihn wären wahr­schein­lich dop­pelt so viele Men­schen gestorben“, sagt Shawkat. Ver­zwei­felt ver­suchte er, das Tor zu öffnen, obwohl ihm klar gewesen sein muss, dass er erdrückt würde, wenn es ihm gelänge. Dann öff­nete es sich. Mit 27 Jahren war Yussuf Muhamed das älteste Todes­opfer, seine Frau erwar­tete ein Kind.

Dies war nur ein kurzer Auszug aus unserer Titel­ge­schichte. Die gesamte Repor­tage Mär­tyrer aus der Kurve“ lesen Sie in der aktu­ellen Aus­gabe der 11FREUNDE #183. Außerdem im neuen Heft: Vedat Ibi­sevic, Chicharito, Andries Jonker und Uwe Bein. 11FREUNDE #182 – jetzt überall im Handel oder als digi­tale Ver­sion hier:

iTunes-Store: https://​apple​.co/​1​M​xqXTT
Goggle-Play-Store: https://​bit​.ly/​1​W​SDrvd
11FREUNDE-Shop: https://​bit​.ly/​2​k​s8cvw

Mehr Hin­ter­gund­infos zu den Gescheh­nissen von Port Said und Inter­views mit Ultras fin­dest Du hier »>