Lieber Max Kruse,

wie die Sport­bild berichtet, bist du aktuell wieder ein heißer Kan­didat bei Ein­tracht Frank­furt. Und auch wenn das Inter­esse noch nicht allzu kon­kret wirkt, möchte ich als Frank­furter die Gele­gen­heit nutzen, dir einen Wechsel zur SGE schmack­haft zu machen.

Es heißt ja hin und wieder mal, du seist ein schwie­riger Typ. Weil du ab und an ein biss­chen Poker spielst oder es nicht magst, wenn dich Leute unge­fragt foto­gra­fieren. Und das mag an irgend­wel­chen Streber-Stand­orten à la Wolfs­burg oder der Natio­nal­mann­schaft wichtig sein. Aber hier, in Frank­furt, lieben wir schwie­rige Typen. Als Kevin-Prince Boateng hier ankam, galt er vielen als eine Art Bushido des deut­schen Fuß­balls. Ein Jahr später ging er als gefei­erter Pokal­held. Oder Filip Kostic. Beim VfB Stutt­gart und dem HSV als lust­loser Söldner ver­schrien, hat er sich hier zum besten Links­ver­tei­diger der Liga gemau­sert, der mehr läuft als Chris­toph Daums Nase anno 2000. Oder Martin Hin­ter­egger. Dem haben die Fans nach ein paar Wochen ein eigenes Lied gewidmet. Stell dir vor, was sie erst dir widmen. Ein Kon­zept-Album über deinen rechten Fuß? Eine Oper namens Die Zau­ber­flöte“? Ein Zwölfton-Kon­zert, gepfiffen auf leeren Nutella-Glä­sern? Alles scheint mög­lich.

Und apropos Poker: In den hie­sigen Kneipen wird zwar eher an den Spiel­au­to­maten gezockt, aber das ist ja im wei­testen Sinne das gleiche. Und in einer Stadt voller Banker und Rocker­banden wird man auch nicht krumm ange­schaut, wenn man mal 75.000 Euro im Taxi ver­gisst. So etwas pas­siert hier eben, ein biss­chen Schwund ist immer. Und sowieso: Geld hat in Frank­furt, wo 75.000 Euro gefühlt eine Monats­miete sind, sowieso eine andere Bedeu­tung.

Viel wich­tiger ist doch ohnehin die Lebens­qua­lität. Und die ist hier ganz wun­derbar. Die Nutella-Ver­sor­gungs­kette ist, das habe ich selbst getestet, absolut lückenlos. Es gibt regel­mä­ßige Direkt­flüge nach Las Vegas. Tarn­far­bene Mase­ratis fallen zwi­schen den ganzen Super­sport­wagen kom­plex­be­la­dener Invest­ment­banker gar nicht weiter auf. Und für Frau­en­be­such auf dem Hotel­zimmer, wofür du einst gerüch­te­weise Ärger von Jogi Löw bekamst, gibt es in Frank­furt einen kom­pletten Stadt­teil. Er nennt sich Bahn­hofs­viertel.

Zuletzt hieß es ja, der FC Liver­pool sei an dir inter­es­siert. Jagut, äh. Die Reds sind sicher­lich nicht die schlech­teste Adresse. Aber neben so einem Salah oder Mané sieht man auch schnell mal blass aus. Und wie cool und kultig kann es bei einem Verein schon sein, dessen Hymne selbst in Mainz gesungen wird!? Dann doch lieber Im Herzen von Europa“ nach einem epi­schen Europa-League-Abend.

Die stehen übri­gens bald wieder an, und weil es letztes Jahr so schön war, ist die Ein­tracht extra Siebter geworden, um in der EL-Quali sechs euro­päi­sche Spiele mehr zu haben. Ein sport­li­cher Mehr­wert, ganz klar. Den man hier an anderer Stelle nicht unbe­dingt merkt, aber auch da passen wir zusammen: Denn von Jogi Löw uner­klär­li­cher Weise sträf­lich igno­riert zu werden, kennen Spieler der Ein­tracht ganz gut.

Du siehst, Max Kruse und Ein­tracht Frank­furt, das könnte passen wie zwei Asse auf der Hand und zwei wei­tere im Flop. Wie Tarn­kap­pen­lack und Sport­wagen. Wie Vier- und Marsch­lande. Und falls doch nicht: Der nächste Flieger nach Las Vegas kommt bestimmt.