Frank­reich gleicht der­zeit einem gestressten Gast­geber. Einem Gast­geber, der darauf hoffen muss, dass die Gäste nicht zu früh kommen, weil die Vor­be­rei­tungen weder gut laufen noch abge­schlossen sind. Der ent­nervt anfängt, sich zu streiten. Der kurz vor knapp noch neue Bau­stellen schafft, statt die bestehenden fertig zu stellen.

Nur geht es im Fall von Frank­reich nicht um Lachs­schnitt­chen und die rich­tige Tisch-Deko. Nein, in Frank­reich geht es um hand­feste poli­ti­sche Pro­bleme. Eine Woche vor dem Start der EM scheint das Land im Chaos zu ver­sinken.

Streik
Das Reisen nach und durch Frank­reich könnte anstren­gend werden. Nach der SNCF, der fran­zö­si­schen Eisen­bahn­ge­sell­schaft, traten am Don­nerstag auch Mit­ar­beiter der Pariser Metro und der Nah­ver­kehrs­be­triebe in den Streik. Die Piloten von Air France wollen am Wochen­ende nach­ziehen, dazu werden wohl auch einige Hafen­ar­beiter ihre Soli­da­rität zum Aus­druck bringen. Hin­ter­grund der Streik­welle: Die geplante Arbeits­markt­re­form der Regie­rung von Fran­cois Hol­lande. Der Staats­prä­si­dent will unter anderem die 35-Stunden-Woche und den Kün­di­gungs­schutz lockern.

Ein Ende des Kon­flikts in abseh­barer Zeit ist nicht in Sicht. Weder will Hol­lande Schwäche zeigen und auf die For­de­rungen der Arbeiter ein­gehen, noch werden die Gewerk­schaftler ihre For­de­rungen zurück­ziehen. Boris Gärtner, Blogger aus Mar­seille, sieht die Arbeiter am län­geren Hebel: Das Beson­dere ist, dass die Gewerk­schaften keine Fristen gesetzt haben. Die wollen ein­fach wei­ter­ma­chen – bis das geklärt ist. Und natür­lich üben sie damit einen unglaub­li­chen Druck aus.“

Frank­reich kann sich das nicht leisten“

Da auch sechs von acht fran­zö­si­schen Ölraf­fi­ne­rien gedros­selt arbeiten oder ganz geschlossen wurden, ist in Teilen des Landes sogar das Benzin knapp. Erste Experten raten anrei­senden Fans schon dazu, im nahen Aus­land zu tanken. Fest steht: Sollten nächste Woche noch immer Züge aus­fallen und dadurch mehr Men­schen aufs Auto ange­wiesen sein, könnte es tat­säch­lich chao­tisch werden. Die poli­ti­sche Außen­wir­kung wäre fatal. Auch des­halb ist sich Gärtner sicher, dass die Streiks noch vor Tur­nier­start beendet werden. Der Druck für die Regie­rung wird irgend­wann ein­fach zu groß. Frank­reich kann sich nicht leisten, ein Gast­ge­ber­land mit sol­chen Unruhen zu sein.“