Seite 2: Flach und tief statt hoch und breit

3. Das Her­um­spielen um die echte Neun

Dass Deutsch­land relativ wenige Angriffe über die Flügel fuhr, hat noch einen anderen Grund: Wei­terhin fehlt der deut­schen Elf ein Stürmer mit Wucht und Prä­senz im Straf­raum. Löw hat viele tech­nisch begabte, tor­ori­en­tierte Dribbler zur Ver­fü­gung. Aber eben nie­manden, der eine hohe Flanke mit dem Kopf ins Tor wuchtet.

Darum stand in den Qua­li­fi­ka­ti­ons­spielen Kom­bi­na­tionen durch das Zen­trum im Fokus. Rechts­außen Kai Havertz rückte immer wieder in die Mitte. Er suchte das Zusam­men­spiel mit den vor­rü­ckenden Ach­tern Ilkay Gün­dogan und Leon Goretzka.

Gegen Rumä­nien ging dies so weit, dass der Gegner gar nicht mehr ver­suchte, Havertz‘ Flügel zu ver­tei­digen: Sie schlossen mit einem man­n­ori­en­tierten 4−2−3−1 die Spiel­feld­mitte. Nur einmal nutzte Deutsch­land die freien Räume auf dem rechten Flügel, mit einem schnellen Angriff gingen sie 1:0 in Füh­rung. Ansonsten ging die Stra­tegie der Rumänen in der ersten Halb­zeit auf.

4. Flach und tief statt hoch und breit

Der Ver­zicht der deut­schen Mann­schaft auf Flü­gel­an­griffe und Flanken ist per se nicht ver­kehrt. Bei ihren Angriffen durch das Zen­trum macht sie vieles richtig: Deutsch­land ver­liert sich nicht in end­losen Quer­pass-Staf­fetten, son­dern sucht den Weg in die Tiefe.

Wichtig dafür sind die zen­tralen Spieler: Serge Gnabry, Goretzka und Gün­dogan starten immer wieder in die Tiefe. Sie suchen den Weg hinter die geg­ne­ri­sche Abwehr. Selbst wenn sie den Ball nicht erhalten, drü­cken sie den Gegner nach hinten und öffnen Räume für die Mit­spieler.

So erspielten sich die Deut­schen zahl­reiche Chancen; gegen Island vor allem in der ersten, gegen Rumä­nien in der zweiten Halb­zeit. Ein Manko bleibt die Chan­cen­ver­wer­tung: Wie bereits in den ver­gan­genen Jahren braucht die DFB-Elf zu viele Tor­schüsse für ein Tor.

5. Bei der EM warten andere Kaliber

Zwei Siege, kein Gegentor, Tabel­len­füh­rung: Der Start in die WM-Qua­li­fi­ka­tion ist geglückt. Vor allem die defen­sive Sta­bi­lität darf Hoff­nung machen für die kom­menden Wochen.

Zugleich sind die Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiele Muster ohne Wert. Weder Rumä­nien noch Island konnten sich für die EM qua­li­fi­zieren. Die deut­schen Gegner wäh­rend der Vor­runde sind ungleich stärker: Deutsch­land trifft zunächst auf Welt­meister Frank­reich und Euro­pa­meister Por­tugal, ehe mit Ungarn ein leich­terer Gegner wartet.

Vor allem aus tak­ti­scher Hin­sicht sind diese Auf­gaben völlig anders: Deutsch­land wird nicht auf tief ste­hende Gegner treffen und 70 Pro­zent Ball­be­sitz sam­meln. Inso­fern waren die Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiele ein wich­tiger Schritt in Rich­tung WM. Im Hin­blick auf die EM haben sie kaum Aus­sa­ge­kraft.

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