Bassel Hawa steht in der Umklei­de­ka­bine, umringt von seinen Mit­spie­lern. Die Luft ist sti­ckig. Los Leute“, sagt er, wir müssen ein gutes Bild abgeben. Und – Inschallah – hof­fent­lich ist Syrien bald frei.“ Die anderen rufen: Freies, freies Syrien!“ Draußen taucht die Abend­sonne den Fuß­ball­platz in Berlin-Spandau in oran­genes Licht, als die Spieler auf den Rasen laufen und sich neben ihrem Gegner auf­stellen, dem FV Blau-Weiss Spandau 03. Ein Freund­schafts­spiel, doch für die Syrer ist es mehr als das: ein Län­der­spiel, Deutsch­land gegen Syrien.

Das Team nennt sich die Natio­nal­mann­schaft des freien Syrien“. Ihre Geschichte zeigt, wie tief die Gräben geworden sind, die sich durch die syri­sche Gesell­schaft ziehen. Sie rei­chen bis in den Fuß­ball hinein, der doch angeb­lich mit Politik nichts zu tun haben soll.

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Die Natio­nal­mann­schaft des freien Syrien“ spielt ohne Aner­ken­nung der FIFA, hat weder Geld noch ein eigenes Sta­dion, nicht mal eine Home­page. Eigent­lich gibt es keinen Platz für sie – schließ­lich hat Syrien bereits eine Natio­nalelf. Die ver­passte erst kürz­lich gegen Aus­tra­lien die Qua­li­fi­ka­tion für die Welt­meis­ter­schaft 2018. So weit war Syrien noch nie auf dem Weg zu einer WM gekommen. Viele Syrer waren eupho­risch über den Erfolg. Die Jungs in Spandau aber freuten sich, als Syrien am Ende verlor. Für sie ist diese Elf nicht das Team des Landes, son­dern das Team des Assad-Regimes. Sich selbst sehen sie als legi­time Ver­tre­tung der Syre­rinnen und Syrer; zumin­dest von jenen, die das Regime ablehnen.

Bassel Hawa ist heute der älteste syri­sche Spieler, denn Kapitän Nihad Saa­ded­dine kann wegen einer alten Knie­ver­let­zung nicht spielen. Hawa ist 27, durch­trai­nierter Typ, ent­spannte Stimme, Rücken­nummer 10. Mit sieben Jahren fing er an zu kicken, beim Nach­wuchs des Erst­li­ga­ver­eins Al-Horria in Aleppo. Hätte man ihn damals gefragt, was er zwanzig Jahre später macht, hätte er wohl nicht an ein Freund­schafts­spiel in Spandau gedacht. Er träumte davon, für die Natio­nalelf zu spielen, und war auf dem besten Weg dorthin, denn er wurde in Syriens U17-Kader berufen. Dann aber stoppte ihn eine Ver­let­zung. Mit 19 zog man ihn 2010 zum regu­lären Mili­tär­dienst ein. Ein Jahr später begannen die Auf­stände gegen die Regie­rung. Als ich sah, wie die Armee auf fried­liche Demons­tranten schoss, musste ich mich ent­scheiden.“ Mit­ma­chen oder deser­tieren.