Nein, ich saß 1996 nicht vor dem Fern­seher oder in der Eck­kneipe, um das Spiel von Man­chester United gegen Sun­der­land zu ver­folgen. Eric Can­tona gehört erst seit einer dieser schlaf­losen You-Toube-Nächte zu meinen Stars. Seine Tore sind nicht ein­fach nur Tore, es sind Per­for­mances.

Es war der 21. Dezember 1996. Es war das Theater der Träume, Old Traf­ford. Es war Man­chester United gegen Sun­der­land. Es war ein unspek­ta­ku­läres Spiel. Man­chester gewann mit 5 – 0 und demons­trierte einmal mehr Über­le­gen­heit. Sun­der­land, gerade erst auf­ge­stiegen, wan­derte nach der Saison wieder ins Unter­haus. Das Her­aus­ra­gende an diesem Match war einzig Eric Can­tona, der zweimal traf, in der 43. und in der 80. Minute.

Es ist die 43. Minute. King Eric startet mit dem Ball auf der Fuß­spitze von der Mit­tel­linie. Er wird ihn auf seinem Weg zum 2 – 0 nur einmal kurz abgeben an Brian McC­lair. Es ist ein Dop­pel­pass, an dem nur einer wirk­lich betei­ligt wirkt. Can­tona schwebt zum Tor, keiner kann ihn auf­halten. 15 Meter vor dem Tor zieht er ab und ver­senkt ihn links oben in der äußersten Tor­ecke. Wahn­sinn.

Doch wer glaubt, dass es das schon gewesen ist, der irrt. Can­tona bleibt stehen, schaut sich um im Old Traf­ford. Und reißt die Arme hoch. Lässt sich von den 40.000 Fans feiern. Als würde er sagen wollen: Ja, ich bin euer King Eric.

Majes­tä­ti­sche Anmut

Es war nicht nur ein Tor, es war ein Come­back. In der Saison 94/95 war Can­tona für acht Monate gesperrt worden, nachdem er einen geg­ne­ri­schen Fan mit dem als Kung-Fu-Tritt bekannt gewor­denen Angriff ver­letzte. In jenem Jahr wurden beide Titel knapp ver­passt. Nach der Rück­kehr von Can­tona star­tete Man­chester eine Auf­hol­jagd, an deren Ende der erneute Gewinn des Dou­bles stand.

Und jedes Mal, wenn ich dieses Video sehe, feiere ich Eric Can­tona. Say uh ah, Can-to-na, say uh ah Can-to-na!, rufe ich in Gedanken mit. Nicht einmal der hoch­ge­stellte Kragen wirkt bei ihm lächer­lich, son­dern ver­leiht ihm majes­tä­ti­sche Anmut. Hät­test du wegen deiner Fan­at­tacke in den Knast gehen müssen, Eric, ich hätte dich da raus­ge­holt. You’re simply the Best.