Kurioser Wechsel-Grund in England

SingStar

Lee Johnson ist Trainer von Bristol City und hat eine neue Form des Spielerwechsels erfunden. Auch, wenn er es gar nicht so gemeint hat.

imago images

Der Supinations-Außenrotations-Bruch zum Beispiel, ein Klassiker. Wenn der kommt, ist es dahin, das Sprunggelenk. Der Trainer muss reagieren, weil er das ja immer muss, ist schließlich sein Job: reagieren. Und dann wechselt er aus. Und ein. Ein Sisyphos auf grünem Rasen. Immer und immer bemüht, den Ball gegen die Erwartungen hinauf ins Glück zu schieben und ins Tor hinein. 

Manchmal wechselt er auch einfach so, aus purer Verzweiflung, weil: irgendwas muss er ja tun. Er hat zwar keine Ahnung, weshalb sein Team jetzt mit 1:5 zurückliegt, der Matchplan, die Spielvorbereitung, die Mannschaftsansprache - war alles super. Aber ist eh egal jetzt, einfach nochmal wechseln. Kann nicht schaden. Dann hat man immerhin alles versucht und kann vor allem hinterher sagen: »Wir haben alles versucht.«

Nix bewirkt, alles richtig gemacht



Hin und wieder ergeben Wechsel sogar Sinn. Wenn man eine Führung über die Zeit bringen muss und die wie ein Maikäfer pumpende Spielmacher-Diva eh nur noch abwinkend den Umkreis des Mittelkreises vermisst. Oder aber wenn nur noch langes Holz hilft, und dafür aber jemand seinen Schädel hinhalten muss. Am besten einer, der zwar nix in den Füßen hat, aber eben in den Knochen. Irgendsoein Körpergigant, dessen einzige Begabung sich in Zentimetern misst.



Neu im Wechsel-Planspiel hingegen ist das, was Lee Johnson am Wochenende mit seinem Stürmer Matty Taylor gemacht hat. Der kam beim Stand von 0:1 gegen die absoluten Außenseiter von Preston North End in die Partie, bewirkte nichts, denn das Spiel ging mit 0:1 zu Ende, und hatte doch alles richtig gemacht. 

So genial wie durchschaubar

Zumindest dann, wenn man seinem Trainer glaubt, der die Einwechslung Taylors wie folgt begründete: »Die Fans haben einen Gesang für ihn.« Der offensichtliche Hintergedanke ist so genial wie durchschaubar. Ehe die Fans anfangen, ihren Unmut in die Welt zu pfeifen, oder schlimmer noch, ihren Zorn gegen ihn, den Trainer, richten, gebe man ihnen eine Beschäftigung. 

Welchen Song Lee Johnson im Hinterkopf hatte, ist leider nicht bekannt. Es gibt ein paar Chants zu Ehren des Stürmers, der mal zwei Spiele für das C-Team Englands absolviert hat. (Was immer das ist, das C-Team Englands.) Die meisten Songs sind nicht gerade nett und auf der wunderlichen Seite terracechants.me.uk nachzulesen. Oder sie sind nett und machen trotzdem Angst und Bange. So wie dieser hier: 





15 Bücher

15 Bücher

Feinde des Sports