Seite 3: „Anders als in Stuttgart“

Wie läuft dann so ein Tor­wart­duell ab? Muss man andau­ernd darauf hoffen, dass der Kon­kur­rent patzt?
Für mich ging es damals darum, alle nega­tiven Gedanken aus meiner Zeit in Stutt­gart hinter mir zu lassen. Luke und ich sind schnell Freunde geworden. Immer wieder hat er mir im Trai­ning geholfen und ver­sucht, mich zu ver­bes­sern. Wir gingen oft gemeinsam Essen oder Kaf­fee­trinken, was unter Rivalen nicht so üblich ist. Für Luke lief es dann nicht gut, also bekam ich im November meine Chance und habe direkt ein gutes Spiel gemacht. 

Und wie reagierte Steele?
Er war an dem Tag nicht im Kader. Aber die erste Nach­richt, die auf meinem Handy ein­ging, war von ihm. Er gra­tu­lierte mir. Das hat mich ver­blüfft und gleich­zeitig riesig gefreut. Luke hat mir direkt gesagt: Ich werde dir helfen, dass du eine gute Saison spielst. Du bist jung, kannst viel lernen und ich werde mein Bestes geben, dass du hier gut spielst.“ Er hat mir vor­ge­lebt, wie wichtig ein posi­tiver Kon­kur­renz­kampf ist. Wir haben bis heute Kon­takt.

Mitt­ler­weile sind Sie Grie­chen­lands Natio­nal­tor­wart und spielen für Ben­fica Lis­sabon in der Cham­pions und Europa League. Wie hat sich Ihre Eigen­ana­lyse ver­än­dert? Einen Kol­legen wie Steele kann man sicher nicht in jedem Verein erwarten.
Bei Ben­fica bekomme ich Videos von vier ver­schie­denen Kameras, die im Trai­ning und in den Spielen aus­schließ­lich auf mich aus­ge­richtet sind: eine über dem Tor, zwei seit­lich von oben und von hinten eine. Das hat unser Tor­wart­trainer so ein­ge­richtet. Dabei geht es nicht nur um gute und schlechte Paraden. Son­dern auch um jede Klei­nig­keit, wie den Umgang mit Rück­pässen. Ob ich den Ball nun besser lang oder kurz schlage und wohin. 

Gab es das in der Bun­des­liga nicht?
In Stutt­gart haben wir die Spiele natür­lich auch ana­ly­siert. Aber im Detail ist es hier anders. Man merkt ein­fach, dass es ein Klub ist, der regel­mäßig in der Cham­pions League spielt, allein schon durch die Zahl der Kameras. Durch die Videos habe ich viel mehr Optionen im Kopf, wenn es darum geht, der mit­spie­lende Tor­wart zu sein.