55.000 Zuschauer strömten im Mai 1955 ins Leip­ziger Bruno-Plache-Sta­dion. Damals war das noch die Heim­stätte des SC Rota­tion Leipzig, der an diesem Tag auf den großen FC Bayern Mün­chen traf. Später fusio­nierten Rota­tion und der FC Loko­mo­tive Leipzig. Doch die 55.000 im Bruno blieben uner­reicht – bis heute.

Denn nun ist die Best­marke durch­bro­chen worden – zumin­dest vir­tuell. In den letzten Tagen hat Lok Leipzig mehr als 68.000 Tickets ver­kauft. Das sind knapp sieben Mal so viele Tickets wie es mitt­ler­weile Plätze im Bruno-Plache-Sta­dion gibt. Und das für ein Fuß­ball­spiel, das es nicht gibt.

Den nächsten Rekord im Blick

Ins­be­son­dere klei­nere Klubs wie Lok Leipzig sind von der Corona-Krise betroffen. Um Geld her­an­zu­schaffen, müssen sie kreativ werden. Von der dritten Liga bis in den Ama­teur­be­reich kämpfen die Ver­eine vor allem wegen aus­blei­bender Ticket­ein­nahmen um ihre Exis­tenz. Daher hoffen viele Klubs auf die Unter­stüt­zung ihrer Fans. Mit der Aktion Leute, macht die Bude voll!“ haben die Leip­ziger bereits an die 70.000 Euro ein­ge­nommen. Der Preis für ein vir­tu­elles Ticket beträgt näm­lich exakt einen Euro.

Und weil der Zuschau­er­re­kord von 55.000 so früh in der Tasche war, hat sich Lok ein neues Ziel ste­cken müssen. Hierfür wurde weiter in der Ver­eins­his­torie gekramt: Am 22. April 1987 kamen 120.000 Fans ins Zen­tral­sta­dion, um Lok Leipzig im Euro­pa­pokal gegen Girondins Bor­deaux spielen zu sehen.

Nun gilt es, vir­tuell auch diesen Rekord zu bre­chen.

Unter­stüt­zung aus Lis­sabon

Auch andere Ver­eine, etwa Ale­mannia Aachen, der VfL Bochum und die Offen­ba­cher Kickers ver­kaufen Tickets für vir­tu­elle Spiele. Dabei kann sich der OFC nicht bloß auf die eigenen Fans ver­lassen, son­dern bekommt gar Hilfe von anderen Ver­einen. So spen­dete die Nord­kurve 12 Lever­kusen“ 1901 Euro an den Regio­nal­li­gisten, da zwi­schen Bayer und den Kickers eine lang­jäh­rige Fan­freund­schaft besteht.

Die Fans von 1860 Mün­chen und KFC Uer­dingen betei­ligten sich eben­falls an der Ret­tung der Kickers. Und sogar aus dem Aus­land gab es Spen­den­gelder. Fans von Ben­fica Lis­sabon und Rapid Wien haben Bei­träge über­wiesen, um die Exis­tenz des Regio­nal­li­gisten zu sichern.