Seite 2: "Wir verschlimmbessern nur"

Nun ist das Instru­ment des Video­be­weises vor einigen Jahren ein­ge­führt worden, um den Fuß­ball ein wenig gerechter erscheinen zu lassen. Obwohl es mit der Gerech­tig­keit ja so eine Sache ist: Was manche als hoch­ver­dient ansehen, emp­finden andere als him­mel­schrei­ende Unge­rech­tig­keit. Doch zumin­dest kor­rekter, nach­voll­zieh­barer sollte der VAR das Spiel schon machen. Sonst hat er der fuß­ball­ro­man­ti­schen Argu­men­ta­tion, dass die kli­ni­sche Durch­leuch­tung den Zauber tötet, wenig bis nichts ent­ge­gen­zu­setzen.

Wir ver­schlimm­bes­sern nur“, hat Werder-Trainer Flo­rian Koh­feldt neu­lich im Hin­blick auf die Video­schieds­rich­terei gesagt, und wer die Ent­wick­lung der letzten Monate beob­achtet, kann ihm da nur bei­pflichten. Momentan macht es den Ein­druck: Je prä­ziser die Hüter des hei­ligen Grals ver­su­chen, die Sache zu fassen, desto mehr ent­gleitet ihnen die Deu­tungs­ho­heit, so als wäre der VAR ein Mons­trum, dem jedes Mal neue Köpfe nach­wachsen, wenn einer abge­schlagen wird. Die endlos mäan­dernden Dis­kus­sionen um die rich­tige Ahn­dung des Hand­spiels und das angeb­liche Ein­greifen nur bei ein­deu­tigen Fehl­ent­schei­dungen sind dabei nur zwei Bei­spiele von vielen.

Ela­bo­rierte Sprache, kon­fuser Alltag

Erschwe­rend hinzu kommt, dass sich das umstrit­tene Instru­ment im ver­zwei­felten Bemühen um Legi­ti­mität einer immer kryp­ti­scheren Sprache bedient, die es den nor­malen Fuß­ball­fans noch mehr ent­fremdet, als es ohnehin schon der Fall ist. Erst recht, wenn Angeber-Angli­zismen wie Bad Play“ und Deli­be­rate Save“ eine Prä­zi­sion und Durch­dacht­heit ver­spre­chen, die der kon­fuse VAR-Alltag selten ein­löst.

So, wie er der­zeit gehand­habt wird, macht sich der Video­be­weis jeden­falls zuneh­mend lächer­lich. Des­halb ist es womög­lich Zeit, diesen Schmarren als inter­es­santes, aber doch geschei­tertes Expe­ri­ment zu den Akten zu legen. Dafür ist die Ein­sicht nötig, dass Fehler zu einem Fuß­ball­spiel nun mal dazu­ge­hören – und dass dies nicht nur für Spieler und Trainer, son­dern auch für Schieds­richter gilt. Wer das ver­steht und akzep­tiert, kann den Kölner Keller und ähn­liche Kri­sen­herde guten Gewis­sens dicht­ma­chen.