Eine alte Fuß­ball­weis­heit lautet, ein guter Schieds­richter sei der, den man wäh­rend des Spiels über­haupt nicht bemerke. Aber das ist gar nicht so leicht, wenn sich die Leute im Kölner Keller und anderen VAR-Höhlen gerieren wie kom­plett ahnungs­lose Kan­di­daten in einer Quiz­show. Devise: Immer erst mal auf den Buzzer drü­cken! Ob etwas Sinn­volles dabei her­aus­kommt, können wir später immer noch sehen.

Die Slap­stick-Nummer um Erling Haa­land im Cham­pions-League-Spiel zwi­schen dem BVB und Sevilla darf dabei als Para­de­bei­spiel für das ganze kon­tem­po­räre Elend des Video­be­weises gelten. Natür­lich war der kör­per­liche Ein­satz des nor­we­gi­schen Klei­der­schranks im Vor­feld des Dort­munder 2:0 grenz­wertig. Aber eine klare Fehl­ent­schei­dung? Nö. Ebenso wenig hätte der drei Minuten zuvor statt­ge­fun­dene Klei­der­zupfer zuun­gunsten Haa­lands zwin­gend zu einem Straf­stoß führen müssen (Klei­der­schränke lassen sich nor­ma­ler­weise nicht so leicht aus der Balance bringen). So aber bedurfte es acht Minuten geraubter Lebens­zeit, eines wie­der­holten Elf­me­ters, viel Geschreis, Geschubses und einer Gelben Karte für den Schützen, um zu einem Ergebnis zu kommen (Tor für den BVB), das man auch ein­fa­cher hätte haben können.

Ver­un­si­cherte Schieds­richter

Immerhin stimmte bei diesem dra­ma­tur­gisch aben­teu­er­li­chen VAR-Ein­satz am Ende noch das Resultat, anders als einen Abend später in Bie­le­feld. Dort hatte Ver­tei­diger Nathan de Medina dem Bremer Niclas Füll­krug von hinten die Achil­les­sehne per­fo­riert und dafür die Gelbe Karte gesehen. Schmerz­haft? Unbe­dingt. Rot­würdig? Viel­leicht, wenn­gleich das Foul im Kampf um den Ball geschah. Aber eine klare Fehl­ent­schei­dung? Kei­nes­wegs. Den­noch mel­dete sich Video­schieds­rich­terin Bibiana Stein­haus und nötigte Referee Markus Schmidt, sich die Szene noch mal am Bild­schirm anzu­schauen. Kurz darauf durfte de Medina duschen gehen.

Es spricht für die Ver­un­si­che­rung der Schieds­richter, wenn sie sich ursprüng­lich rich­tige (oder zumin­dest nicht fal­sche) Ent­schei­dungen ohne Not vom VAR aus­reden lassen. Zumal wenn es sich, wie bei Cüneyt Cakir in Dort­mund, um einen der pro­fi­lier­testen Spiel­leiter der Welt han­delt. Beim unglück­li­chen Markus Schmidt kam in Bie­le­feld mög­li­cher­weise erschwe­rend hinzu, dass er erst vor kurzem im Zen­trum eines haar­sträu­benden VAR-Feh­lers stand, wenn auch mit umge­kehrten Vor­zei­chen. Im DFB-Pokal­vier­tel­fi­nal­spiel zwi­schen Rot-Weiss Essen und Hol­stein Kiel gab er einen aber­wit­zigen Elf­meter für Kiel. Der VAR hätte ihn kor­ri­gieren können/​müssen, blieb aller­dings stumm. Viel­leicht wollte Schmidt diesmal alles richtig machen, doch minus und minus ergibt hier leider nicht plus.