Als Roman Abra­mo­witsch beschloss, einen Fuß­ball­klub zu kaufen, sah er sich zuerst in Spa­nien und Ita­lien um. Aller­dings gestal­teten sich die Dinge in Süd­eu­ropa recht kom­pli­ziert. In Ita­lien machten die Fami­lien, in deren Besitz sich die Ver­eine befanden, seit Genera­tionen Geschäfte mit­ein­ander. In Spa­nien, o Graus, gehörten die größten Klubs gar den Fans. Mit der Bun­des­liga schien sich der Olig­arch erst gar nicht beschäf­tigt zu haben. Und so flog er im April 2002 nach Man­chester, um sich United anzu­schauen. Innen­ver­tei­diger Rio Fer­di­nand fuhr ihn anschlie­ßend höchst­per­sön­lich zurück zum Flug­hafen. Unter­wegs sang der Russe zusammen mit Rios vier Jahre altem Halb­bruder ein Lied­chen. Abra­mo­witsch schien ein netter Kerl zu sein.



Nicht lange danach, so heißt es, flog er mit dem Hub­schrauber über den Dächern von London, als er im gedie­genen Westen der Stadt ein Fuß­ball­sta­dion ent­deckte. Was ist das?“, wollte er wissen. Es war Chelsea. Wenig später kaufte Abra­mo­witsch den Klub. Bei einer Fla­sche Evian wurde der Deal mit dem schei­denden Besitzer Ken Bates im Dor­chester Hotel per­fekt gemacht. So wurde 2003 eine neue Ära im eng­li­schen Fuß­ball ein­ge­läutet: Auf einmal wurde einer der tra­di­ti­ons­rei­chen Klubs des Landes nach dem anderen von rei­chen Aus­län­dern auf­ge­kauft und zum angeb­lich besten der Welt gemacht.

Sechs Mil­li­arden Euro Schulden

Nicht wenige Leute pro­phe­zeien jetzt das Ende dieser Ära. Gut die Hälfte der etwa sechs Mil­li­arden Euro Schulden, die euro­päi­sche Ver­eine ange­sam­melt haben, ent­fällt auf eng­li­sche Klubs. Der FC Ports­mouth bei­spiels­weise gewann 2008 den FA Cup und mel­dete kurz darauf Insol­venz an. Der FC Liver­pool, den Ver­bind­lich­keiten von geschätzten 240 Mil­lionen Pfund und zwei ver­hasste ame­ri­ka­ni­sche Besitzer plagen, ist drin­gend auf der Suche nach einem aus­län­di­schen Käufer. Im August wäre der Klub bei­nahe an eine im Auf­trag der chi­ne­si­schen Regie­rung ope­rie­rende Inves­to­ren­gruppe ver­äu­ßert worden. Auch in der Cham­pions League ist die Domi­nanz der eng­li­schen Ver­eine der­zeit gebro­chen.

Kri­tiker beklagen, dass die meisten großen Klubs Aus­län­dern wie Abra­mo­witsch gehören, die kei­nerlei Ver­bun­den­heit im tra­di­tio­nellen Sinne mit ihren Spiel­zeugen vor­weisen können. UEFA-Prä­si­dent Michel Pla­tini spricht vielen aus dem Herzen, wenn er sagt: Der Fuß­ball hat sich ent­wi­ckelt, weil die Spieler von Man­chester City gegen die Spieler von Man­chester United waren. Ich wüsste aber nicht, warum Citys kata­ri­scher Besitzer etwas gegen Uniteds ame­ri­ka­ni­schen Besitzer haben sollte.“ Pla­tini muss ange­sichts dieser absurden Vor­stel­lung schmun­zeln. Welche Rolle spielt es da schon, dass Citys Besitzer Scheich Man­sour eigent­lich aus Abu Dhabi kommt?

Rosige Zeiten für die Bun­des­liga

Inzwi­schen reibt man sich in Deutsch­land – immerhin die bevöl­ke­rungs­reichste und wirt­schaft­lich stärkste euro­päi­sche Nation – voller Vor­freude die Hände, denn die Bun­des­liga geht rosigen Zeiten ent­gegen. Glaubt zumin­dest Uli Hoeneß, der gerne darauf ver­weist, dass seine Bayern schul­den­frei sind. Der Vor­sit­zende der DFL, Chris­tian Sei­fert, pro­phe­zeit im Hin­blick auf die Pre­mier League: Lang­fristig gesehen ist die Liga in Gefahr.“

Stimmt das? Ist die Pre­mier League wirk­lich in so großen Schwie­rig­keiten? Die Ant­wort lautet: ganz und gar nicht. Im Gegen­teil, es kann sogar sein, dass die Liga erst jetzt richtig durch­startet…


Den voll­stän­digen Text gibt es ab sofort in der neuen Aus­gabe von 11FREUNDE. Wir wün­schen viel Spaß bei der Lek­türe.