Gott wür­felt nicht. Der Fuß­ball­gott schon. Ein Final­teil­nehmer kann über Jahre kon­ti­nu­ier­lich gute Arbeit leisten, im Ver­laufe des Tur­niers den spa­ni­schen und den deut­schen Meister besiegen, die zweite Halb­zeit des Finales kom­plett domi­nieren – und den­noch am Ende das Cham­pions-League-Finale nach Elf­me­ter­schießen ver­lieren.

Atle­tico Madrid muss sich geschlagen geben. Erneut. Zum zweiten Mal in drei Jahren ver­loren sie das Cham­pions-League-Finale gegen Stadt­ri­valen Real Madrid. Ein Team, das mitten in der Saison den Trainer wech­selte, im Ver­laufe des Tur­niers den viert­besten eng­li­schen und den acht­besten deut­schen Klub zuge­lost bekam und im Finale lange Zeit unter­legen war. Wie kann das sein?

Feh­lende Kom­pakt­heit

Für Real Madrid begann das Spiel zunächst sehr gut. Zine­dine Zidane ver­traute auf die gewohnte 4 – 3‑3-For­ma­tion. Im Mit­tel­feld liefen die spiel­starken Toni Kroos und Luka Modric vor Zer­störer Cas­emiro auf. Cris­tiano Ronaldo ging ange­schlagen in das Spiel, biss sich aber durch. Er spielte seine bekannte Rolle als Mischung aus Links­außen und Stoß­stürmer.

Atle­tico Madrid ant­wor­tete mit einem 4−4−1−1. Ins Finale kam Atle­tico vor allem dank ihrer kom­pakten Defen­sive. In der Anfangs­vier­tel­stunde war davon jedoch wenig zu spüren. Real posi­tio­nierte sich im Aufbau sehr breit, suchte immer wieder den Weg von Achter Modric auf die Flügel.

Atle­tico wollte die Breite von Reals Auf­bau­spiel mit Breite im eigenen Defen­siv­ver­bund kon­tern. Dabei ging ihnen jedoch die Kom­pakt­heit ver­loren, die Lücken zwi­schen den Spie­lern wurden zu groß. Kroos und Modric hatten zu viele Frei­heiten im Mit­tel­feld, konnten mit einer Finte ihre Gegen­spieler umspielen. Real eroberte sich dar­über vor allem Frei­stöße – und erzielte just nach einem ruhenden Ball das 1:0 (15.).

Atle­tico muss sich in neuer Rolle zurecht­finden

Atle­tico wirkte nach dem Gegentor geschockt. Eigent­lich sieht ihr Spiel­plan vor, aus einer kom­pakten Defen­sive zu kon­tern. Genau das tat jetzt Real. Sie zogen sich im 4−5−1 zurück, ließen Atle­tico kommen. Diese posi­tio­nierten sich aber wei­terhin nur mit zwei, maximal drei Spie­lern vor dem Ball. So konnten sie den Ball nur in der eigenen Hälfte krei­seln lassen, von Mit­tel­feld­spieler zu Abwehr­spieler und wieder zurück. Zumin­dest ihre Defen­sive funk­tio­nierte nun. Mit einem hohen Pres­sing zwangen sie Reals Ver­tei­diger zu langen Bällen. Dadurch hielten sie das Spiel von Modric und Kroos fern.