Eine Haiti-Flagge!“, ruft Alban. Wäre es nicht groß­artig, wenn wir jetzt eine Haiti-Flagge hätten?“

Mit breiten Schritten geht er durch die Innen­stadt von Mitro­vica, der Regen kommt in feinen Fäden her­unter, vor dem alten Kauf­haus trom­meln und singen sie schon, und Alban Muja freut sich über seinen Ein­fall. Haiti, klar, ohne Gegner kannst du kein Fuß­ball­spiel machen, und noch gibt es auf der Welt nicht viele, die mit dem Kosovo spielen wollen. Haiti aber will, als Gegner, also eigent­lich: Ver­bün­deter, und hat damit das erste offi­zi­elle FIFA-Län­der­spiel des kleinen Bal­kan­landes ermög­licht, seit sechs Jahren erklär­ter­maßen unab­hängig, aber noch kein Mit­glied der inter­na­tio­nalen Gemein­schaft, auch nicht im Fuß­ball.

Ein erster Schritt ist das, dank Beschluss des Welt­ver­bands. Da muss man dabei sein.

Nicht nur ein Fuß­ball­spiel, son­dern ein his­to­ri­sches Datum

Will­kommen in meiner Hei­mat­stadt, Mann!“, hat Alban nach dem Aus­steigen gesagt, die Arme so weit, als müsste die ganze Welt hin­ein­passen. Ein glück­li­cher Koso­vare mit Schie­ber­mütze, Voll­bart und buntem Hals­tüch­lein. Vorher war er in seinem klapp­rigen Fiat Punto die 50 Kilo­meter von der Haupt­stadt Pris­tina nach Mitro­vica gefahren, mit krei­schenden Schei­ben­wi­schern, in der rechten Hand eine qual­mende Lucky, in der linken meist das Telefon, alle fünf Minuten rief jemand an, wo treffen wir uns, seid ihr schon unter­wegs, auf der Ablage über dem Hand­schuh­fach die Sport­zei­tung mit den großen Let­tern auf dem Titel­blatt: Auf geht’s, Kosovo!

Es ist nicht nur ein Fuß­ball­spiel“, sagt Alban. Für uns ist das ein his­to­ri­sches Datum. Für mich sowieso, ich kenne das Sta­dion, ich habe dort ja selbst gespielt.“

Es regnet also, am Morgen des his­to­ri­schen Tages, aber das Wetter muss ja nicht immer ein Zei­chen sein für irgendwas. Braune Bäche laufen quer über die abschüs­sigen Straßen, die Scheiben beschlagen von innen. Der Uni hat Alban heute abge­sagt, nicht zum ersten Mal fällt sein Seminar aus, aber zum ersten Mal, wenn er im Land ist und nicht in Berlin, New York oder Ljub­ljana, er ist viel gereist in den letzten Jahren.

Alban Muja, geboren am 10. Sep­tember 1980 in Kosovska Mitro­vica, ist einer der bekann­testen jungen Künstler seines jungen Landes, im Mai ver­gan­genen Jahres hat ihm die Natio­nal­ga­lerie in Pris­tina eine Ein­zel­aus­stel­lung gewidmet, sein Name stand auf Pla­katen in der ganzen Stadt. Nicht dass ihn nicht auch vorher schon jeder gekannt hätte. Geht er durch die Straßen der Haupt­stadt, ver­gehen kaum je fünf Minuten, bevor er kurz anhalten muss, hallo, wie geht’s, si jeni? A jeni mirë?

Alban Mujas Kunst erzählt viel vom Kosovo: Er hat die neun Jungen foto­gra­fiert, die alle den glei­chen Vor­namen tragen, Toni­bler, benannt nach Groß­bri­tan­niens ehe­ma­ligem Pre­mier, alba­ni­sche Ver­sion, Tony Blair wird hier als Retter ver­ehrt, genau wie Bill Clinton, dem sie gleich ein Denkmal gebaut haben in Pris­tina. Alban hat die junge Frau inter­viewt, deren Vater sie Pales­tina genannt hat. Und eines seiner Werke zeigt auch die Ibar-Brücke seiner Hei­mat­stadt, über die nie­mand mehr gehen will. Museum of Con­tem­porary History“, so hat Alban das Bild genannt. Sie ver­bindet nicht“, sagt er, sie trennt.“

Die Brücke mit dem auf­ge­schüt­teten Erd­wall mitten auf der Fahr­bahn ist das Symbol geworden für Mitro­vica, den Spielort, geteilt zwi­schen Alba­nern im Süden und Serben im Norden, und für den langen Weg, den das Kosovo noch vor sich hat. Ser­bien erkennt die Unab­hän­gig­keit seiner alten Pro­vinz nicht an, Ser­bien hat Russ­land im Rücken, und Russ­land ist UN-Veto-Macht. FIFA-Mit­glied werden kann aber nur, wer Mit­glied in einer Kon­fö­de­ra­tion ist. Und UEFA-Mit­glied werden kann nur, wer UNO-Mit­glied ist. So sind die Sta­tuten.

Des­wegen wehen auch nur drei Flaggen an den vier Masten des alten Trepca-Sta­dions, die rote von Haiti, die blaue der FIFA und das gelbe Fair-Play-Banner. Der linke Mast aber bleibt kahl, die blaue Fahne mit dem gelben Umriss des Kosovo nicht auf­zu­hängen, das war der Kom­pro­miss. Aber ich habe eine“, ruft Alban und schwenkt sein kleines Papier­fähn­chen, das sie an alle ver­teilt haben, die eins wollten. Und dann geht das Feu­er­werk los, blau und gelb schießt das Pulver hinter der Tri­büne hervor, unter­malt von lauten Kra­chern, und die Leute zücken ihre Handys. Kaum ist der letzte Kano­nen­schlag ver­hallt, kommen die beiden Mann­schaften auf den mat­schigen Platz gelaufen, die elf Koso­varen ganz in Weiß, das sieht schön aus im Grau des Tages.

Als spiele die ganze Nation

Es fühlt sich so an“, sagt Enis Alushi, als würden nicht wir elf Fuß­ball spielen, son­dern die ganze Nation.“ Der Tag vor dem Spiel: Alushi, 28 Jahre alter Mit­tel­feld­spieler des 1. FC Kai­sers­lau­tern, sitzt am Kopf­ende eines Betts im Hotel Eme­rald, wo das Team Kosovo unter­ge­bracht ist, 15 Kilo­meter außer­halb von Pris­tina, direkt an der Aus­fall­straße, hinter einer Tank­stelle. Wir machen das auf dem Zimmer“, hat er gesagt. Eigent­lich sollen wir zwi­schen den Ein­heiten keine Inter­views geben.“

Das Treffen hat also ein biss­chen was Kon­spi­ra­tives, Alushi zup­pelt noch schnell die Tages­decke über das Bett, über dem Fuß­ho­cker liegen zwei Stutzen zum Trocknen. Es ist eigent­lich das Zimmer von Albert Bun­jaku, eben­falls 1. FCK. Der kommt nach ein paar Minuten her­ein­ge­schlen­dert, Kaf­fee­tasse in der Hand, auch er in weißer Trai­nings­jacke. Kosova“ steht auf dem Rücken.

Eine knappe Stunde, inklu­sive Fotos, dann ist Mit­tag­essen. Nicht viel Zeit. Ohnehin nicht ganz leicht, mit pro­fes­sio­nellen Fuß­ball­spie­lern über ernste Dinge zu reden, sie lernen auf diesem Niveau schon in der Jugend zu reden, ohne etwas zu sagen. Aber um Politik muss es nun mal gehen, heißt doch schon das Sta­dion nach Adem Jas­hari, dem ehe­ma­ligen UCK-Kom­man­deur, hier ver­ehrt als Kriegs­held, als Mär­tyrer. Das Sta­dion liegt am Ufer des Ibar und seine Sitze sind grün.

Politik spielt für uns Sportler keine Rolle“, sagt Enis Alushi gleich zu Beginn. Aber wir wissen, dass es viel Politik gab in den letzten Jahren, damit wir über­haupt auf dem Platz stehen dürfen.“

Auch für Alushi ist es eine Heim­kehr, wie Alban Muja ist er in Mitro­vica geboren, am 22. Dezember 1985. Hier steht das Haus, in dem er auf­wuchs, bis zu dem Tag knapp acht Jahre später, als die Eltern über Nacht die Koffer packten und auf­bra­chen in das große Land, das Hoff­nung ver­sprach, auf nach Deutsch­land, hier werden wir doch nicht mehr glück­lich“.

Als Kind ist man ja kein Poli­tiker“

Das Haus, in dem Enis Alushi auf­wuchs, gibt es nicht mehr, jeden­falls nicht für ihn, es liegt auf der ser­bi­schen Seite. Bis heute dürfen wir die alte Woh­nung nicht betreten“, sagt er. Die Serben im Norden erkennen die Regie­rung in Pris­tina nicht an, sie wollen autonom sein oder, besser noch, zu Ser­bien gehören, vor der Ibar-Brücke stehen auch am Spieltag ein paar Pan­zer­fahr­zeuge, Cara­bi­nieri“ steht auf den Seiten. Ich erin­nere mich an meine Schul­freunde“, sagt Enis Alushi. Ab dem Tag habe ich sie nie wie­der­ge­sehen. Es war eine gemischte Schule, ich hatte auch mit Serben zu tun, natür­lich, als Kind ist man ja kein Poli­tiker.“

Die sind natür­lich heute da, die Poli­tiker, das haben sie sich nicht nehmen lassen, die Prä­si­dentin und der Pre­mier­mi­nister, selbst zum Abschluss­trai­ning ist Hashim Thaci ja bereits gekommen, das auf einem fle­ckigen Platz direkt neben dem Braun­koh­le­kraft­werk statt­fand, das ganz Kosovo ver­sorgt und dessen Pro­duk­ti­vität man dort auch auf den Lippen schme­cken kann. Ihr seid unser Stolz“, hat Thaci zu den Spie­lern gesagt. Ihr seid unsere Zukunft, will­kommen zu Hause.“ – Ist das erbärm­lich“, hat einer der lokalen Foto­grafen gesagt. Naja, bald sind Wahlen.“

Die Rea­lität ist hier oft noch dunkler als der Qualm des Kraft­werks, das Land lebt von der inter­na­tio­nalen Gemein­schaft, von den Geld­sen­dungen der Exil-Koso­varen, eine halbe Mil­lion leben alleine in Deutsch­land und der Schweiz, und von den EU-För­der­gel­dern, rund 70 Mil­lionen Euro jähr­lich. Auf dem Kor­rup­ti­ons­index von Trans­pa­rency Inter­na­tional steht Kosovo der­weil auf Platz 111 von 175, zusammen mit Äthio­pien und Tan­sania. Schlimmer ist da nur, über­haupt nicht auf­zu­tau­chen in einem Ran­king, denn wäh­rend Haiti als stolzer 79. der FIFA-Rang­liste anreist, sucht man die Koso­varen dort noch ver­geb­lich.

Ich musste über­haupt nicht über­legen“, hat Enis Alushi gesagt. Ich wusste schon, wenn die Anfrage kommt, würde ich ja sagen.“ Und nun läuft er da unten über den tiefen Rasen, die Stutzen schon voller Matsch, eben hat er nach einem schier aus­sichts­losen Ball gegrätscht, kurz vor der Aus­linie, und ihn noch bekommen, und jetzt macht Enis Alushi, die Nummer fünf des Kosovo, linkes Mit­tel­feld, eins, zwei, drei, vier Über­steiger und die 17.000 Koso­varen werden wieder laut, die ersten Minuten des Spiels haben sie noch ziem­lich still im Regen gestanden, es ist ja für alle das erste Mal.

Viel­leicht ist es ein kleines Zei­chen an andere Nationen“

Kosova! Kosova!“, rufen sie nun, und hinter der gegen­über­lie­genden Fan­kurve sieht man die Hügel von Nord-Mitro­vica, an den Hängen stehen Häuser aus rotem Back­stein, und rechts ist das Wahr­zei­chen der Stadt zu sehen, die rie­sige Stein­lore aus Beton, denn hier, in den Minen von Trepca, lagern Blei, Zink, Silber, Gold, Nickel, Boden­schätze, die Jugo­sla­wien einst reich gemacht haben, damals, als noch mit voller Kapa­zität gear­beitet wurde, die Minen liegen genau an der Grenze zwi­schen dem Norden und dem Süden.

Viel­leicht ist es ein kleines Zei­chen an andere Nationen“, hat Enis Alushi gesagt, kurz vor dem Mit­tag­essen, an die, die uns immer noch nicht akzep­tieren wollen. Dass wir nicht auf­geben, dass wir unsere Akzep­tanz haben wollen und gerade an diesem Ort unser Debüt feiern.“

Mitro­vica war multi-eth­nisch“, sagt Alban. 12 bis 15 Pro­zent waren Nicht-Albaner. Eine Tei­lung in Nord und Süd gab es nicht, das Wort exis­tierte nicht mal in unserem Voka­bular.“

Auf einer Ibar-Brücke, über die er damals täg­lich ging, fand er statt, der Moment, an dem Alban merkte, dass etwas in eine völlig fal­sche Rich­tung läuft. Auf dem Heimweg, nachts, hielten ihn drei Poli­zisten an. Woher kommst du so spät“, fragten sie, und Alban Muja ent­schul­digte sich, sein Ser­bisch sei nicht so gut. Da schlug ihm der Poli­zist mit der fla­chen Hand ins Gesicht. Sieh zu, dass dein Ser­bisch besser wird bis zum nächsten Mal“, sagten sie, dann ließen sie ihn laufen.

Alle Männer sor­tierten sie aus

Die Worte sind alle noch da. Künstler, male ein Por­trät von mir!“, sagte der Befehls­haber zu Albans Vater. Oder … du weißt schon. Befehl ist Befehl.“ Und der Vater, im Klas­sen­zimmer der Schule, die nun ein Inter­nie­rungs­lager war, malte das Bild, Kreide auf Schul­tafel, ein schönes Por­trät, und er wurde nicht zu den vier Män­nern gestellt, die ver­schwanden für immer. Ich habe meinen Vater gar nicht wie­der­erkannt“, sagt Alban, 20 Kilo­gramm hatte er ver­loren in der Zeit in der Schule. Ich habe so viel gelernt in diesen Monaten, den ersten sechs Monaten des Jahres 1999. Ich habe gelernt, wie stark ein Mann sein kann, stärker als ein Stein.“

18 Jahre war ich, aber sie hielten mich für 16“, sagt er. Meine Eltern hatten mir noch die Haare kurz geschnitten, am Tag vorher, damit ich jünger aussah. Alle Männer sor­tierten sie aus, von 18 bis 55 Jahren, aber nicht mich, nicht mich.“

Duam fitoru!“, ruft Alban jetzt zusammen mit den anderen 17 000, die Ziga­rette im Mund­winkel. Duam fitoru!“ Wir wollen einen Sieg! Er steht halb in einer Pfütze, das Leder seiner Halb­schuhe saugt sich voll, aber das Team des Kosovo reißt die Leute jetzt mit, es wird immer stärker gegen Ende der ersten Halb­zeit. Die Hai­tianer, deren rote Tri­kots ihnen kalt um die Körper schla­ckern, kommen kaum noch aus der eigenen Hälfte. Aber auch die beste Chance, ein schneller Gegen­stoß, ein­ge­leitet von Alushi, her­ein­ge­geben von Bun­jaku, führt nicht zu einem Tor, das Bein eines Abwehr­spie­lers ist irgendwie noch dazwi­schen. Huuuuuuu!“, machen die Zuschauer.

Das Spiel ist nicht unum­stritten – auch nicht im Kosovo

Halb­zeit. Die Poli­zisten auf der Tar­tan­bahn, Gesicht zur Kurve, stehen schwei­gend da, manche lächeln. In der Reihe vor Alban hat ein Vater den Arm um seinen Sohn gelegt, er ist viel­leicht zehn, elf Jahre alt. Vater und Sohn haben beide blaue Kosovo-Kappen auf, die wurden in der Innen­stadt ver­kauft und vor dem Sta­dion. Der Vater lässt ein Foto machen. Vorne auf beiden Kappen sind sechs Sterne und der gelbe Umriss des Landes. Geschichte wird nur einmal geschrieben!“, ruft einer von hinten, als die elf Weißen wieder raus­kommen. Ja“, sagt Alban und dreht sich zu ihm um, aber Geo­grafie ein paar Mal.“ Dann freut er sich und zündet sich noch eine Ziga­rette an.

Dabei ist das Spiel nicht mal hier, im Kosovo selbst, unum­stritten. Es gebe nur eine Kom­bë­tare, sagen manche, nur eine Natio­nal­mann­schaft, und das sei die alba­ni­sche. Einige Fans sind lieber nach Tirana gefahren, wo Alba­nien am Abend gegen Malta spielt. Alba­nien ist auch immer mein Team gewesen“, sagt Alban, aber Kosovo als Mann­schaft zu haben ist noch bewe­gender.“

Für Alba­nien wird Alban Meha später ein Traumtor schießen, auch er ist in Mitro­vica geboren, auch er spielt in Deutsch­land, beim SC Pader­born. Nein, keiner der alba­ni­schen Natio­nal­spieler ist gekommen zu diesem his­to­ri­schen Spiel, auch Xherdan Shaqiri und die anderen Koso­varen aus der Schweizer Nati nicht. Die WM steht bald an, ihre Kar­rieren sind immer schon fernab der Heimat ver­laufen. Und eine koso­va­ri­sche Flagge im Wem­bley-Sta­dion zu schwenken, ist nun mal deut­lich ein­fa­cher, als ein ganzes Leben auf­zu­geben für eine Mann­schaft, deren Zukunft in den gelben Sternen steht. Absolut ver­ständ­lich, sagen die einen. Dann sollen sie nicht so tun, die anderen.

Wird Shaqiri nei­disch sein?

Den Leuten im Sta­diumi Olimpik Adem Jas­hari ist es in diesem Moment egal, der Regen hat auf­ge­hört, die Mann­schaft des Kosovo gibt eine gute Figur ab, sie kämpft um jeden Ball, kaum eine Rücken­nummer ist noch zu sehen von all dem Matsch, nur ein Tor will irgendwie nicht fallen. Aber hat nicht Haiti letztes Jahr auch unent­schieden gegen das große Ita­lien gespielt? La Ola rollt über die alten Stein­tri­bünen. Kosova! Kam­pion!“

Viel­leicht“, hat Enis Alushi in seinem Hotel­zimmer gesagt, werden Shaqiri und die anderen, wenn sie sich das Spiel anschauen, ein biss­chen nei­disch auf uns sein.“

Er hat ein Haus gebaut, für seine Familie, auf dem Grund­stück, das ihm seine Groß­mutter über­lassen hat. Es liegt auf der anderen Seite der Brücke, in einer der wenigen eth­nisch durch­mischten Nach­bar­schaften. Das Haus ist bezugs­fertig“, sagt Enis Alushi. Jetzt habe ich hier wieder ein Heim, und ich benutze die Brücke noch.“

Sie haben ihren Willen gezeigt

Man kann sein Glück nicht immer erzwingen, man braucht Geduld, als kleines Land und als Fuß­ball­team. Und so ist viel­leicht dieses tor­lose Unent­schieden, das sich die koso­va­ri­sche Natio­nal­mann­schaft am Ende in ihrem ersten offi­zi­ellen Spiel erkämpft und, ja, auch erspielt hat, dann doch das kor­rekte Ergebnis. Sie haben ihren Willen gezeigt, sie haben die Leute begeis­tert, ein biss­chen zumin­dest, aber die Zukunft braucht Zeit. Sie müssen sich gedulden.

Alban Muja geht in der drän­genden Menge voran, seinen zusam­men­ge­fal­teten Regen­schirm über dem Kopf schwen­kend wie ein Tou­risten-Guide, European Union“ steht auf dem Schirm, aber das sieht man jetzt nicht mehr. Wäre besser gewesen, wenn es nicht geregnet hätte“, sagt er, aber was soll’s. Schnell nach Hause, dann schaffen wir noch die zweite Halb­zeit von Alba­nien.“

Zurück bleibt in der Süd­kurve des Stadi­umi Olimpik Adem Jas­hari ein stolzes kleines Papier­fähn­chen, das der Regen an die grüne Sitz­schale geklebt hat.