Die Leis­tung der Lau­terer in dieser Saison lässt sich auf einen kurzen Nenner bringen: Defen­sive hui, Offen­sive pfui. Auch gegen Schalke wurde dies aber­mals deut­lich: Am stärksten sind sie, wenn sie ihrem Gegner den Ball über­lassen und sich selber auf das Ver­tei­digen beschränken können. 

Sobald sich die Pfälzer in zwei Vie­rer­ketten sor­tiert hatten, ver­schoben sie geschickt und machten so die Räume eng. In der ersten halben Stunde nahmen sie den durch einen Euro­pa­po­kal­ein­satz geschwächten Gegner aus Gel­sen­kir­chen mit dieser ein­fa­chen Formel voll­ständig aus dem Spiel.

Lau­terns mit einem Fehl­pass­fes­tival

Für ihre Offen­sive lassen sich solche warmen Worte jedoch nicht finden. Die Lau­terer waren bemüht, schnelle Konter über die Flügel zu fahren. Gut gemeint ist aber nun mal das Gegen­teil von gut gemacht. Immer und immer wieder wurden viel ver­spre­chende Angriffe durch Fehl­pässe zunichte gemacht. In Punkto Pass­ge­nau­ig­keit, in dieser Partie bei mageren 66 Pro­zent, gehören sie zum untersten Drittel der Liga. Wenigs­tens schafften es die ungenau agie­renden Flü­gel­spieler Tif­fert und Sahan, in Eins-gegen-Eins Zwei­kämpfen Frei­stöße raus­zu­holen – eine der wenigen offen­siven Stärken der Lau­terer. So erzielten sie auch die frühe Füh­rung durch Rodnei (3.). Schalkes nicht funk­tio­nie­rende Mann­de­ckung im eigenen Sechs­zehner ließ die Lau­terer früh zum Tor­er­folg kommen. Danach waren gelun­gene Lau­terer Offen­siv­ak­tionen jedoch rar gesät.

Ihre Unge­nau­ig­keit scha­dete nicht nur den eigenen Angriffen, sie half auch den Königs­blauen. Diese fanden nach geg­ne­ri­schen Fehl­pässen ab und an freie Räume vor, welche sie für eigene Konter nutzen konnten. Am Spie­lende hatten die Schalker drei Tor­ab­schlüsse nach Kon­tern zu ver­bu­chen, die Lau­terer hin­gegen keinen ein­zigen – ziem­lich schwach für ein Kon­ter­team. Anstatt selbst zu Chancen zu kommen, legten die auf­ge­rückten Roten Teufel den Gästen mit einem Fehl­pass das wich­tige 2:1 kurz vor der Pause auf (43.). Bei Kon­tern macht den Schal­kern keiner etwas vor – und auch kein anderes Bun­des­li­ga­team so viele Tore (bereits zehn in dieser Saison).

Zuvor hatte sich bereits ange­deutet, dass die Pfälzer an diesem Tag auch ihre sonst so starke Defen­sive nicht retten würde. Nach anfäng­li­chen Schwie­rig­keiten kom­bi­nierte Schalke sich besser ins Spiel. Raul (starke Pass­ge­nau­ig­keit von über 85 Pro­zent) ließ sich tief fallen und ver­teilte mit Jones und Holtby die Bälle aus der Zen­trale. 

Schalke findet zuneh­mend ins Spiel

Um Lau­terns eng­ma­schiges Netz zu umgehen, kamen sie ver­mehrt über die Außen­po­si­tionen. Fuchs und Uchida schal­teten sich oft in die Offen­sive ein und schlugen viele Flanken (ins­ge­samt acht).

Lau­terns sta­bile Ord­nung begann zu brö­ckeln. Beson­ders zu erkennen war bei den erwähnten Her­ein­gaben: Im Sechs­zehner stimmte die Zuord­nung, aller­dings rückten die Sechser zu weit zurück und ließen im Rück­raum die Schalker Mit­tel­feld­ak­teure frei. 

Schalke machte sich dies zunutze, in dem sie ver­mehrt Flanken andeu­teten, dann aber statt einem hohen einen fla­chen Ball auf den freien Mann im Hin­ter­grund spielten. Mit prä­zisen Schüssen in den Winkel voll­endeten Holtby (39.) und Raul (51.) zwei Angriffe nach diesem Muster. Lau­tern ist nun nicht mehr nur nach erzielten Toren, son­dern auch nach Punkten Tabel­len­letzter.