Seite 2: Wie flexibel ist Hütter wirklich?

Hütter for­dert von seiner Mann­schaft aggres­sives, raum­ori­en­tiertes Pres­sing gegen den Ball. Hütter besteht zwar der­zeit noch nicht darauf, den Gegner jeder­zeit unter Druck zu setzen; die Ein­tracht sucht den Zugriff aktuell erst im Mit­tel­feld. Doch das Ver­halten gegen den Ball passt noch nicht. Gerade mit dem Ver­schieben zum Ball frem­deln seine Ein­tracht-Spieler merk­lich; sie waren unter Kovac ein man­n­ori­en­tiertes Ver­tei­digen gewohnt. Gegen Frei­burg taten sich vor allem neben der Dop­pel­sechs zahl­reiche Lücken auf. Immerhin: Hüt­ters Elf ver­tei­digte im neu for­mierten 4 – 4‑2-System wesent­lich stärker als im Supercup, als sie in einer für Hütter unge­wohnten Fün­fer­kette antraten.

Passt der Kader zum Trainer?

Hütter mahnt der­weil an, dass seine Mann­schaft noch Zeit benö­tigt. In der Tat: Ein kom­plexes Spiel­system wie jenes von Hütter erlernen selbst Profi-Fuß­baller nicht binnen weniger Wochen, gerade wenn es sich derart stark vom System des Vor­gän­gers unter­scheidet. So sind im Spiel­aufbau bis­lang nur wenige der Facetten zu erkennen, dank denen Hüt­ters Young Boys im ver­gan­genen Jahr Meister wurden.

Die viel grö­ßere Frage, die sich viele in Frank­furt der­zeit stellen: Was nützt einem Trainer Zeit, wenn er nicht die rich­tigen Spieler für seine Spiel­idee hat? Im Ein­tracht-Kader fehlen schnelle Mit­tel­feld­spieler genauso wie Ver­tei­diger, die das Spiel mit ver­ti­kalen Pässen eröffnen können. Aus­ge­rechnet der wen­dige und Pres­sing-starke Ante Rebic, wohl der pas­sendste Hütter-Spieler im Ein­tracht-Kader, fehlt der­zeit ver­letzt.

Hütter selbst hat eine wei­tere Bau­stelle eröffnet: Mit Marc Sten­dera, Marco Fabian, Simon Falette und Branimir Hrgota sor­tierte er gleich vier Spieler aus, die nicht zu seinem schnellen Tem­po­fuß­ball passen. Inhalt­lich stimmt Hüt­ters Ana­lyse. Dass die Ein­tracht diese Spieler in der Trans­fer­pe­riode nicht ver­kauft bekommt, könnte jedoch für Spreng­stoff inner­halb der Mann­schaft sorgen.

Wie fle­xibel ist Hütter wirk­lich?

Immerhin: Die drei Punkte in Frei­burg geben Hütter zunächst einmal etwas Zeit, in Ruhe seine Mann­schaft wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Die Frage lautet nun: Wie nutzt Hütter diese Zeit? Hütter mag zwar eine feste Spiel­phi­lo­so­phie ver­folgen. Im Laufe seiner Kar­riere ist er dabei aber immer Kom­pro­misse ein­ge­gangen. Er gehört nicht zu der Alles oder nichts“-Fraktion um Trainer wie Peter Bosz oder Alex­ander Zor­niger. Gut mög­lich, dass Hütter in den kom­menden Wochen neue tak­ti­sche Vari­anten aus­packt; sei es ein 4 – 3‑3-System oder die Wie­der­be­le­bung der im Supercup so wenig erfolg­rei­chen Fün­fer­kette.

Nur eins ist klar: 22 Schüsse sollten sie so schnell nicht mehr zulassen. Nicht jedes Team trinkt so wenig Ziel­wasser wie der SC Frei­burg.