Seite 4: „Ich habe 750 Euro verdient“

Genau dar­über müssen wir noch kurz spre­chen: Wie sind Sie letzt­end­lich da gelandet, wo sie jetzt sind? Sie hatten vorhin Unter­föh­ring erwähnt, wohin Sie nach ihrem Bezirks­li­ga­jahr gewech­selt sind. Aber selbst das war ja nur die 5. Liga.
Die Frage kann ich leicht beant­wortet. Bezie­hungs­weise mit einem Namen: Manuel Baum.

Das müssen Sie erklären.
Er war damals, also 2014, Leiter des Nach­wuchs­be­reichs vom FC Augs­burg. Und kam eigent­lich wegen eines anderen Spie­lers nach Unter­föh­ring. In dem Spiel habe ich sehr gut gespielt, also hat er mich ange­spro­chen. Ein paar Wochen später haben wir uns in Unter­föh­ring in einem Café getroffen, ich war richtig nervös, weil ich genau wusste: Wenn das jetzt gut läuft, könnte meine Kar­riere Fahrt auf­nehmen.“ Er war direkt sehr herz­lich, hat mit offenen Karten gespielt, mir gesagt, dass er in mir etwas sehen würde. Mit dir kann ich was machen – aber dafür brauche ich dich in Augs­burg.“ Es ging zwar erstmal nur um die U23, aber damals ist für mich ein Traum in Erfül­lung gegangen. Es gab nur ein Pro­blem: meine Aus­bil­dung.

Was war das Pro­blem?
Zu der Zeit habe ich bei Sie­mens eine Aus­bil­dung zum Kon­struk­ti­ons­me­cha­niker gemacht. Tech­ni­sches Zeichnen, Bau­pläne erstellen, Maschinen pro­gram­mieren, schweißen, bas­teln, eine abwechs­lungs- und umfang­reiche Aus­bil­dung. Die ich unbe­dingt abschließen wollte. Manuel Baum und ich haben uns im November 2014 getroffen, ich sollte im Sommer 2015 wech­seln – und im Februar und März 2015 waren meine Abschluss­prü­fungen. Eigent­lich hat es zeit­lich also per­fekt gepasst. Aller­dings war dadurch auch ordent­lich Druck da. Denn es war klar: Ich musste jede ein­zelne Prü­fung beim ersten Ver­such packen, sonst würde ich die Aus­bil­dung nicht bis Sommer beenden können – und dann hätte auch die Augs­burg-Nummer platzen können. Dort wird ja auch in der U23 vor­mit­tags trai­niert. Dem­entspre­chend habe ich gebüf­felt. Hat zum Glück alles geklappt. In Augs­burg habe ich dann unter Trainer Chris­tian Wörns in der Regio­nal­liga eine richtig gute Saison gespielt, der hat auf mich gesetzt. Danach ging es hoch in die zweite Liga zu Regens­burg.

Erin­nern Sie sich, was Sie in Ihrem ersten Aus­bil­dungs­jahr ver­dient haben?
750 Euro, glaube ich.

Es gab nur ein Pro­blem: meine Aus­bil­dung“

Haben Sie durch diese Erfah­rung einen anderen Bezug zu Geld als manche ihrer Kol­legen im Pro­fi­fuß­ball?
Ich denke schon, dass ich einen anderen Bezug zu Geld habe als ein Profi, der direkt als 17-Jäh­riger die ersten Mil­lionen ver­dient. Ich bin drei Jahre mor­gens um sechs Uhr auf­ge­standen, um pünkt­lich bei der Arbeit zu erscheinen, egal bei wel­chem Wetter, egal, wie gerne ich liegen geblieben wäre. Meine Arbeit war ja auch kör­per­lich anstren­gend. Ich weiß also, wie hart es für viele da draußen ist, Geld zu ver­dienen. Und über­lege dem­entspre­chend: Ergibt das und das jetzt wirk­lich Sinn? Geld aus­zu­geben ist ein­fach, es zu ver­dienen schwer. Ich weiß es zu schätzen, was ich jetzt habe.

Ihr jün­gerer Bruder spielt in der Lan­des­liga, ist aber erst 20 Jahre alt. Wird der auch noch Profi?
Ich hoffe doch. Das Zeug dazu hat er auf jeden Fall. Er kann aktuell nicht spielen, weil in dem Bereich wegen Corona alles abge­sagt wurde. Aber er hält sich fit und wird angreifen. Ich sage ihm immer: Dein großer Bruder ist den stei­nigen Weg gegangen, wieso sollst du das nicht genauso machen?“ Der schaut sich jedes Spiel von mir an, nach der Partie gegen Werder hat er mich zum Bei­spiel direkt ange­rufen. Meine Geschichte moti­viert ihn und gibt ihm Auf­trieb.

Albion Vre­nezi, eine letzte Frage müssen wie Ihnen stellen: Haben Sie einen Lieb­lings­verein in Eng­land?
Sie meinen: Ob ich Brighton & Hove Albion oder West Brom­wich Albion die Daumen drücke?

Ganz genau!
Nein, die heißen zwar wie ich, aber es sind nicht meine Lieb­lings­ver­eine. Liver­pool und Man­chester City schaue ich mir gerne an. Ich habe das mit West Brom und Brighton auch erst als Erwach­sener mit­be­kommen. Albion ist, das habe ich mal gegoo­gelt, das alte bri­ti­sche Wort für Eng­land“. Aber im End­ef­fekt fand meine Mutter den Namen ein­fach schön, als eine meiner Tanten ihn vor­ge­schlagen hat. (Lacht.)

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