Seite 2: „Schon einige Granaten dabei“

Wie kam es dann, dass Sie alle sechs Spiele gemacht haben?
(lacht) Wenn ich das wüsste. Wir sind einen Tag vor dem ersten Spiel ange­kommen, und dann zum Trai­ning gefahren. Anschlie­ßend hat mich Hannes Löhr in den Arm genommen und gefragt: Wie sieht’s aus Langer, hast du Lust morgen zu spielen?“ Naja, wenn sie mich so fragen…“ Irgendwie kam das ganze Olym­pi­sche Turner für mich so über­ra­schend, dass ich gar keine Zeit hatte, nervös zu werden. Meine Leis­tungen waren dem­entspre­chend gut, die Kri­tiken auch und ich blieb im Team.

Drohte im Olym­pi­schen Dorf eigent­lich der Lager­koller?
Ach, kein biß­chen. Hannes Löhr hat uns so viel Frei­raum gelassen, dass wir alles machen konnten, was wir wollten. An freien Tagen ging es zu den ver­schie­densten Wett­be­werben gegangen, im Olym­pi­schen Dorf haben wir mit den anderen Ath­leten gequatscht. Zum Bei­spiel trafen wir Steffi Graf oder machten Fotos mit einem 2,13 Meter großen Chi­nesen. Wahr­schein­lich Bas­ket­ball­spieler. Zuvor sind wir noch durch das Land gezogen, spielten in Pusan, Taegu und Kwangju und konnten auch von dort Ein­drücke sam­meln. Trai­niert wurde kaum, bei sechs Spielen in zwei Wochen. Die Fit­ness hatten wir in der Bun­des­li­ga­vor­be­rei­tung unserer Klubs geholt, vor Ort ging es vor allem um Spiel­formen und Rege­ne­ra­tion.

Klingt nach einem schönen Aus­flug nach Süd­korea.
War es auch, doch bei aller Locker­heit war die Mann­schaft im Spiel und im Trai­ning hoch­kon­zen­triert. Wir hatten eine enorme spie­le­ri­sche Qua­lität und einen tollen Zusam­men­halt. Schade, dass es nicht zur Gold­me­daille gereicht hat. Die Nie­der­lage gegen Bra­si­lien im Halb­fi­nale nach Elf­me­ter­schießen war schon ziem­lich unglück­lich.

Wie emp­fanden Sie das Niveau?
Brutal hoch, denn es haben schon einige Gra­naten mit­ge­spielt. Bei Schweden Martin Dahlin, Bra­si­lien trat mit Claudio Taf­farel, Bebeto und Romario an, die UdSSR hatte Igor Dobro­wolski und Sergej Gor­lu­ko­witsch, dazu noch die Argen­ti­nier und Ita­liener. Wenn man bedenkt, was manche Spieler für Kar­rieren anschlie­ßend hin­ge­legt haben, wirkt das Tur­nier im Nach­hinein noch schwerer. Der Gewinn der Bron­ze­me­daille ist eine klasse Leis­tung. Des­halb halte ich sie auch immer noch in Ehren. Ich bringe die Medaille stets meinen Kids im Camp mit, die sie dann ehr­fürchtig betrachten und ganz behutsam anfassen.

Als bisher ein­zige Medaille in der DFB-Geschichte ist sie ja auch eine echte Rarität. Und Ihr Team war bis­lang auch das letzte, dass sich über­haupt für Olym­pi­sche Spiele qua­li­fi­zieren konnte.
Wirk­lich wahr? Dabei sollte die Aus­sicht auf eine Teil­nahme an diesem Event eigent­lich Ansporn genug sein. Dort die Chance zu haben, eine Olym­pi­sche Medaille zu gewinnen ist doch das höchste der Gefühle. Mir läuft es jetzt noch kalt den Rücken runter, wenn ich an unsere Medail­len­über­gabe denke, wie die Natio­nal­flagge auge­zogen wurde. Gespielt wurde zwar die rus­si­sche Natio­nal­hymne, weil die UdSSR Gold gewann – aber seitdem mag ich diese auch sehr gerne.