1.

Am 9. Oktober 1976 wurden auf beiden Seiten Rekorde auf­ge­stellt. Der amtie­rende Euro­pa­po­kal­sieger Bayern emp­fing das in der Liga strau­chelnde Schalke zu Hause und wurde, um es mit zeit­ge­nös­si­schem Voka­bular aus­zu­drü­cken, aus dem eigenen Sta­dion gefegt. Heute würde man ver­mut­lich sagen: rasiert. Bei Abpfiff stand ein 0:7 auf der Anzei­ge­tafel im Münchner Olym­pia­sta­dion. Bis heute ist es der höchste Bun­des­li­ga­sieg für Schalke und die höchste Nie­der­lage für Bayern. Kom­mentar Man­fred Dubski, damals einer von Schalkes Tor­schützen: Es ist bis heute nicht ganz zu erklären.“ 

2.

Doch eine berühmte Rede­wen­dung besagt: Wer vom 0:7 spricht, darf vom 7:1 nicht schweigen – oder so. Ein Jahr später revan­chierten sich die Bayern an glei­cher Stelle ein­drück­lich. Stand es zur Halb­zeit noch eini­ger­maßen aus­ge­gli­chen 2:1, legten die Bayern in den zweiten 45 Minuten ordent­lich einen drauf. Immerhin kein Nega­tiv­re­kord für Schalke. Zehn Jahre zuvor hatte Königs­blau 0:11 in Glad­bach ver­loren.

3.

Die Kol­legen von Der Westen“ küm­mert sich um die wirk­lich wich­tigen Pro­bleme im Vor­feld der Partie und kün­digen Mega-Stau im Ruhr­ge­biet“ an. Wegen einer Voll­sper­rung auf der A43 könnte es auf den Auto­bahnen rund um Gel­sen­kir­chen ziem­lich voll werden. Und wie ja all­ge­mein bekannt ist: Ent­schei­dend ist auf der Straße.“ Kommen Sie gut durch.

4.

Leon Goretzka kehrt nach seinem Wechsel erst­mals zurück nach Gel­sen­kir­chen und weiß: Es wird nicht so sein wie bei Renato San­ches“, der unter der Woche in Lis­sabon von den Fans seines Ex-Klubs Ben­fica gefeiert wurde. Es ist nicht davon aus­zu­gehen, dass sich die Schalker Fans nach der Bekannt­gabe des Trans­fers im Januar schon aus­rei­chend an ihm abge­ar­beitet haben. Damals pfiffen sie ihn aus und teilten ihm auf groß­flä­chigen Pla­katen mit, er könne sich ver­pissen“. Manuel Neuer wird auch sieben Jahre später noch aus­ge­buht. Er hatte es aller­dings noch etwas schwerer, schließ­lich wollten ihn zu Beginn beide Lager nicht – Stich­wort Koan Neuer“. 

5. 

Am Hass, der ihm von Münchner Seite ent­ge­gen­schlug, war Neuer aller­dings selbst schuld. Beim bis dato letzten Aus­wärts­sieg von Schalke in Mün­chen 2009 rannte Neuer nach dem Siegtor in Ekstase zur Eck­fahne, riss sie aus dem Rasen, sank auf den Rücken und reckte die Fahne in die Höhe. Als Genug­tuung“ bezeich­nete er die Aktion anschlie­ßend, denn sie war eine Hom­mage an Oliver Kahn, der diese Art des Jubels acht Jahre zuvor in einem der schwersten Momente der Schalker Ver­eins­ge­schichte erfunden hatte… 

6.

Der Begriff Herz­schlag­fi­nale wäre eine maß­lose Unter­trei­bung“, schrieb die FAZ am 19. Mai 2001. 256 Sekunden lang war Schalke Meister, zum ersten Mal in der Bun­des­li­ga­ge­schichte. Dann nahm der von Schalke an den HSV aus­ge­lie­hene Mat­thias Schober im Par­al­lel­spiel gegen die Bayern einen Rück­pass mit der Hand auf, Patrick Andersson ver­wan­delte den indi­rekten Frei­stoß zum 1:1, Kahn jubelte mit der Eck­fahne und die Glück­se­lig­keit im Park­sta­dion schlug in tiefste Depres­sion um. Es war eins von ledig­lich drei Bun­des­li­ga­spielen, die Schober für den HSV absol­vierte.

7.

Einige Monate später wollte diesmal Schalke Revanche. Bayern-Trainer Ottmar Hitz­feld sprach von der Schlacht auf Schalke“. End­ergebnis zu Hause: 5:1. Tor­schützen: Emile Mpenza, Ebbe Sand, Mehmet Scholl, Jörg Böhme, Marco van Hoog­dalem, Niels Oude Kam­phuis. Rudi Assauer Zigarre paf­fend auf der Bank neben Huub Ste­vens. Rot für Michael Tarnat nach einer Blut­grät­sche gegen Andi Möller an der Mit­tel­linie. So schön kann Fuß­ball sein.

8.

Ver­liert Schalke heute Abend, hätten die Knappen nach vier Spiel­tagen schon so viele Heim­nie­der­lagen wie in der ganzen ver­gan­genen Saison: zwei. Das ist zuge­ge­be­ner­maßen nicht ganz unwahr­schein­lich. Bayern hat seit 15 Spielen nicht mehr gegen Schalke ver­loren, zwölf Mal davon gewonnen und im Schnitt rund drei Tore pro Spiel geschossen, genau wie in an den bis­he­rigen drei Spiel­tagen diese Saison.

9. 

Die Geburt einer Ver­eins­le­gende erlebte der FC Schalke am 2. Mai 1984. Für das 6:6 im Halb­fi­nale des DFB-Pokals wurden im Nach­hinein einige Super­la­tive erfunden. Das spek­ta­ku­lärste Spiel der Pokal­ge­schichte“, die beste Partie zwi­schen den beiden Mann­schaften“ und mehr. Einer ragte heraus: Olaf Thon, am Tag vor der Begeg­nung 18 Jahre alt geworden, sicherte Zweit­li­gist Schalke mit drei Toren das Wie­der­ho­lungs­spiel. Bayern-Trainer Udo Lattek sagte danach: Für den Jungen würde ich sofort zehn Mil­lionen Mark hin­legen.“ Die gesamten Trans­fer­aus­gaben aller Bun­des­li­gisten betrugen in jener Saison rund neun Mil­lionen Mark. Vier Jahre später ging Thon dann tat­säch­lich nach Mün­chen. Aller­dings für nur“ vier Mil­lionen.

10.

Beim bisher letzten Auf­ein­an­der­treffen im Februar dieses Jahres konnte der dama­lige Bayern-Coach Jupp Heynckes grip­pe­krank nicht an der Sei­ten­linie stehen. Am Ende gewannen die Bayern 2:1. Der Chef­trainer bekam von den drei Toren gar nichts mit. Einige Tage später gab er näm­lich auf einer Pres­se­kon­fe­renz zu, er habe fast die gesamte erste Hälfte ver­schlafen. Die Tore fielen alle inner­halb der ersten 35 Minuten. Da hatte ich ein ganz schlechtes Gewissen“, fügte er an. Ver­mut­lich stieg ihm dabei etwas Scha­mes­röte ins Gesicht. Das kann man bei Heynckes aller­dings immer etwas schwer erkennen.