Am 14. November 2012 schoss Zlatan Ibra­hi­movic das Tor des Jahres. Er traf per Fall­rück­zieher – aus 25 Metern. Ein Treffer für das Zlatan-Land“, schrieb die schwe­di­sche Zei­tung Afton­bladet“ danach. Die Fifa konnte es trotzdem nicht mehr für das Tor des Jahres“ berück­sich­tigen, weil ihre Abstim­mung bereits ange­laufen war.

Der Ball fliegt hoch

Schwe­dens Gegner an diesem Abend heißt Eng­land, ein stink­nor­males Freund­schafts­spiel. Es läuft die 90. Minute, Zlatan Ibra­hi­movic hat schon drei Tore geschossen, es steht 3:2 für Schweden. Doch der Stürmer will mehr. Eng­lands Keeper Joe Hart rennt aus seinem Kasten, und wehrt einen Ball per Kopf­ball ab, ein biss­chen steif sieht das aus. Der Ball fliegt nicht weit, dafür sehr hoch.

Der Ball schwebt förm­lich über Ibra­hi­movic. Der Schwede steht mit dem Rücken zum Tor, er blickt nicht einmal nach hinten, die Tor­ent­fer­nung beträgt 25 Meter, dann folgt der Schuss, der Fall­rück­zieher. Noch im Fall dreht Ibra­hi­movic seinen Ober­körper und schaut dem Ball nach. Das Leder fliegt in einem hohen Bogen über die eng­li­schen Gegen­spieler unter der Latte hin­durch. Gary Cahill kann nur noch ins Netz grät­schen.

Später stehen die Jour­na­listen mit offenen Mün­dern vor ihm. Die Frage nach dem Glück stellt nie­mand, auch nach den drei anderen Tref­fern fragt nie­mand. Alles dreht sich um den Fall­rück­zieher, um dieses Wunder. Ibra­hi­movic sagt: Ich habe gesehen, dass ich nicht in der Aus­wahl für das ›Tor des Jahres‹ stand, das Pro­blem musste ich lösen.“

Wo warst du als Zlatan traf?

Ja, es war ein stink­nor­males Freund­schafts­spiel, doch ver­mut­lich wird sich jeder Zuschauer noch in Jahren erin­nern, wo er war, als Zlatan Ibra­hi­movic dieses Tor schoss. Die, die im Sta­dion waren und die Arme hoch­rissen und dem Stürmer dabei zusahen, wie er die Bande ent­lang­ju­belte. Auch die, die gerade am Geträn­ke­stand ein Bier bestellten. Die, die das Sta­dion früher ver­ließen, um nicht in den Stau zu geraten. Die, die im hei­mi­schen Wohn­zimmer saßen und in der 88. oder 89. Minute auf einen anderen Sender schal­teten, weil dort irgendein Film mit Adam Sandler oder Julia Roberts anfing.

Geht auf die Knie!

Nur eine Woche später schoss Phil­ippe Mexes eben­falls ein Fall­rück­zieher-Tor. In einem Pflicht­spiel. Einige Fuß­ball­fans behaup­teten, es sei schöner gewesen als das von Ibra­hi­movic. Nur: Wel­ches Tor wird im Gedächtnis der Fans bleiben? Einen medialen Über­schwang, wie wir ihn nach dem Spiel Schweden gegen Eng­land erlebten, hat es zuvor selten für ein Tor gegeben. Hier ein Best-of:

Und die Kraft und die Herr­lich­keit(11FREUNDE)

Man fühlt sich übri­gens nicht mehr groß­artig, man fühlt sich Zlatan.“ (@Meia via Twitter)
 
Dieser Spieler schießt keine Tore – er erfindet sie.“ (Le Monde)
 
Ibra­hi­movic holt die Sterne vom Himmel. Wir kommen alle aus Zlatan-Land.“ (Afton­bladet)
 
Geht auf die Knie und ver­beugt Euch so tief Ihr nur könnt vor dem Besten der Welt.“ (Expressen)

Tor der Götter“ (Daily Mail)
 
Jahr­tau­sendtor“ (Sport­schau)
 
Ein­tritts­karte fürs Län­der­spiel 50 Euro, Ams­terdam-Reise 200 Euro, nach dem Kick auf dem Handy das Ding von Zlatan sehen: Unbe­zahlbar.“ (Hans Sarpei)
 
Ein stra­to­sphä­ri­scher Fall­rück­zieher.“ (El Periodico)
 
Ibra­cadabra. Was war denn das für ein Tor?!“ (Tut­to­sport)

Tor aus dem Fuß­ball-Himmel“ (Dagens Nyheter)
 
Ja, er ist wirk­lich von einem anderen Stern.“ (Svenska Dag­b­ladet)
 
Geht auf die Knie“ (Süd­deut­sche Zei­tung)